ZVEI
Industrie 4.0 - Es geht voran
Die deutsche Automatisierungsbranche erwartet laut dem ZVEI-Fachverband Automation bis zum Ende 2015 ein Wachstum von insgesamt 3 bis 4 %. Große Fortschritte gemacht hat dem Verband zufolge die Gremienarbeit zum Thema Industrie 4.0 in Deutschland.
Nach den neuesten Daten des Fachverbands erzielte die Branche hierzulande in den ersten neun Monaten 2015 einen Umsatz von 36,2 Mrd. Euro, was einem Wachstum von 5,2 % entspricht. Der Auftragseingang nahm um 7,8 % zu. Ende September 2015 hatte die Branche etwas mehr als 262.000 Beschäftigte. Die Ausfuhren der drei Sparten des Fachverbands – Schaltgeräte, Schaltanlagen & Industriesteuerungen, Messtechnik und Prozessautomatisierung sowie elektrische Antriebe – stiegen von Januar bis September 2015 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,9 % auf 26,5 Mrd. Euro.
"Die Nachrichten aus unserer Branche sind gut", betonte Roland Bent, Vorstandsmitglied des ZVEI-Fachverbands Automation, anlässlich einer Pressekonferenz auf der SPS IPC Drives 2015. "Sie stehen aber noch immer Meldungen über die allgemeine Wirtschaftslage in Deutschland und der Welt gegenüber, die uns diffus in die Zukunft blicken lassen." Unsicherheiten gingen vom osteuropäischen und vom arabischen Raum aus. "Die Flüchtlingskrise hält uns in Europa in Atem", sagte Bent. »Auch der Russland/Ukraine-Konflikt lässt uns weiter seine Auswirkungen spüren.« Für das kommende Jahr erwarte die Branche wieder leichtes Wachstum, allerdings geringer als in diesem Jahr.
Jürgen Amedick, Vorsitzender des Fachverbands elektrische Antriebe, liegt mit seiner Prognose etwas unterhalb der Gesamtbranche: "Bis zum Jahresende erwarten wir etwa 1,5 % mehr Umsatz als im Vorjahr", sagte er. "Auch im kommenden Jahr sollte ein geringes positives Wachstum drin sein." Nach wie vor sei das Thema "Energieeffizienz im Antriebssystem" ein Dauerbrenner auf der SPS IPC Drives. Positiv sei die Einführung der neuen Norm EN 50598, die es erstmals ermögliche, das gesamte Antriebssystem energetisch zu bewerten.

Online-Landkarte für Industrie 4.0
Die Plattform Industrie 4.0 präsentierte auf dem Nationalen IT-Gipfel in Berlin eine deutschlandweite Online-Landkarte für Industrie 4.0-Szenarien – und rückt damit Anwendungsbeispiele und Testumgebungen in den Fokus.
Die Arbeit der Plattform und des ZVEI für Industrie 4.0
Neben Energieeffizienz im Antriebssystem spielt Industrie 4.0 eine zentrale Rolle auf der Messe. Bent verwies dazu auf die Erfolge der deutschen Gremienarbeit in der Plattform Industrie 4.0 und auf die Rolle des ZVEI dort: "Der ZVEI hat sich mit dem Führungskreis Industrie 4.0 innerverbandlich analog der Plattform aufgestellt und die Ergebnisse der ZVEI-Gremienarbeit 1:1 in die Plattform tragen können", sagte er. "Wir arbeiten in der Plattform an Themen wie der Standardisierung von Schnittstellen, einer einheitlichen Semantik für die Kommunikation der Dinge im Internet der Dinge, Dienste und Menschen sowie dem Thema IT-Sicherheit und Datenschutz." Die beiden wichtigsten Arbeitsergebnisse 2015 seien das Referenzarchitekturmodell Industrie 4.0 und die Industrie-4.0-Komponente. "Diese Modelle sind lebende Gebilde, und wir füllen sie Stück für Stück mit weiteren Informationen."
Derzeit arbeitet die Plattform Industrie 4.0 unter anderem an einer Ontologie-Grammatik, das heißt, sie will Geräte unterschiedlicher Hersteller unternehmensübergreifend sprach- und sprechfähig machen. "Grundlage dafür ist die im April vorgestellte Industrie-4.0-Komponente: Sie beschreibt ein Cyber-Physisches-System, also einen physischen Gegenstand, der über ein eingebettetes System mit dem Internet verbunden ist", erläuterte Bent.
Die Plattform Industrie 4.0 hat in den letzten Wochen rund 200 Anwendungsfälle gesammelt und kartiert. "Das hat uns einen Überblick über die Industrie-4.0-Lösungslandschaft in Deutschland verschafft", führte Bent aus. "Wichtig ist nun, dass wir weiter in die Umsetzung kommen." Gemeinsam mit Partnern aus der Wissenschaft habe der ZVEI sieben grundsätzliche Industrie-4.0-Anwendungsszenarien aus drei Anwenderbranchen in Form von sogenannten Use Cases definiert und mache Industrie 4.0 auf diese Weise greifbar.










