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Artikel und Hintergründe zum Thema

Logiccloud

Meinrad Happacher,

Ein Jahr Start-up-Erfahrung

Das Start-up Logiccloud ging im November 2022 an den Markt mit einer Plattform für Steuerungen als SPS-as-a-Service. Wie schlägt sich das Unternehmen in einem erst aufkeimenden Markt? Computer&Automation fragte bei Geschäftsführer Bernhard Böhrer nach.

© stock.adobe.com/greenbutterfly

Herr Böhrer, Sie sind mit Ihrer virtuellen SPS seit einem Jahr am Markt. Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis daraus?

Die Idee von Logiccloud, eine SPS als Software-as-a-Service in der Cloud zu realisieren, ist weiterhin gültig, davon sind wir fest überzeugt. Aber vielleicht sind wir für die konsequente Umsetzung dieser Idee noch ein paar Jahre zu früh dran.

Was meinen Sie mit „zu früh“?

Mit der Idee der Cloud-SPS sind wir schlichtweg der Zeit noch um zwei Schritte voraus. Der momentane Trend ist, Cloud-Technologien vor allem auf Edge-Servern in Unternehmen zu implementieren. Stichwort: Virtual Edge. Und darauf haben wir jetzt reagiert.

Reagiert in der Form, dass ...

Wir haben die Anwendungsfälle von virtuellen Steuerungen auf Edge-Basis analysiert und festgestellt, dass es zwei Punkte gibt, die entscheidend für eine Nutzung sind. Erstens: Die Installation und das gesamte Set-up von virtuellen Steuerungen erfordert bis dato zu viele IT-Kenntnisse. Zweitens: Die Anforderungen an die Hardware sind zu hoch und es entsteht kein Kostenvorteil. Deshalb haben wir viel Aufwand betrieben, um das Set-up so einfach wie möglich und die Hardware-Anforderungen so niedrig wie möglich zu gestalten.

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Bernhard Böhrer, Geschäftsführer Logiccloud

© Logiccloud

Konkret bedeutet das?

Der Anwender entwickelt seine Automatisierungslösung in der Cloud mit dem Logiccloud Engineering Portal, testet diese auch in der Cloud und spielt die Lösung dann auf das Edge-Gerät herunter. Auch die Überwachung beziehungsweise das Monitoring erfolgt in unserem Engineering-Portal. Ganz wichtig dabei: Das Edge-Device muss nicht ständig mit der Cloud verbunden sein, sondern kann für Service und Updates einfach verbunden werden.

Und das bringt Ihren USP?

Wenn wir uns die Anforderungen der Digitalisierung ansehen und die traditionelle SPS – die in den letzten 30 Jahren wenig verändert wurde – dagegenstellen, dann sehen wir, dass viele der heutigen Anforderungen nur durch teure Zusatz-Hard- und Software umsetzbar sind. Ich spreche von Anforderungen für die IT-/OT-Integration, Security-Aspekte, für die Kommunikation mit anderen Systemen und der Cloud und für die Fernwartung. All diese Punkte haben wir bei der Entwicklung von Logiccloud schon berücksichtigt und ich behaupte, dass unsere Automatisierungslösungen einen enormen Kostenvorteil durch weniger Komponenten und Schnittstellen gegenüber traditionellen Automatisierungslösungen haben.

»Mit der Idee der Cloud-SPS sind wir schlichtweg der Zeit noch um zwei Schritte voraus«

Wie ist das Feedback Ihrer potenziellen Kunden darauf?

Wir stellen fest, dass die Anwender gar nicht glauben können, wie einfach das Handling und wie vielfältig die Möglichkeiten unseres Produktes sind. Automatisierer sind gewohnt, dass in die Jahre gekommene Programmierwerkzeuge, eine aufwendige Konfiguration von einer Vielzahl von Schnittstellen und Pseudo-Web-HMI-Lösungen zum Alltag gehören.

Die Zusammenarbeit mit Partnerfirmen läuft auf Hochtouren: Die virtuelle SPS und das HMI von Logiccloud auf der Wago Steuerung CC100.

© Logiccloud

Wenn Sie jetzt das Edge-Umfeld in den Vordergrund rücken, brauchen Sie ja aber auch Hardware auf der Ihr Produkt läuft.

Absolut. Hier setzen wir auf Partnerschaften mit Firmen wie Bosch Rexroth, Belden und Insys, Perinet, Phoenix Contact und Wago. Es ist doch so: Nahezu jeder Hardware-Hersteller hat heute Router, Gateways oder Steuerungen auf Basis von Linux im Portfolio. Dabei hat die Hardware schon oft eine Managementsoftware an Board. Wir passen dann unsere Deployments an, damit die Installation- und das Set-up für den Anwender problemlos funktioniert. Wie gesagt: Die Software ist immer gleich, lediglich die Installation passen wir an. Das schafft eine Win-Win-Win-Situation für Anwender, Hardware-Hersteller und uns.

Und wie sieht dabei die Vertriebsverantwortung aus?

Wir haben mehrere Vertriebswege. Zum einen bieten wir Bundles – Hardware plus Logiccloud-Lizenz – in unserem Onlineshop an. Andererseits werden wir auch auf den Online-Stores verschiedener Hersteller zu finden sein. Letztendlich ist es egal, wo der Kunde kauft. Er kauft immer eine Automatisierungslösung und zusammen mit dem Hardware-Hersteller bieten wir umfassende Unterstützung. Anders sieht es bei Logiccloud virtual factory aus. Das verkaufen wir über Premiumpartner oder im Direktvertrieb.

Das heisst, es verändert sich jetzt auch ganz grundsätzlich Ihr Geschäftsmodell?

Unser Geschäftsmodell hat ursprünglich nur aus SaaS bestanden. Doch mit Logiccloud Control – also Logiccloud auf der Edge-Hardware – haben wir auch Kauflizenzen eingeführt. Das Engineering-Portal ist weiterhin kostenlos. Bei unseren OEM-Produkten vereinbaren wir mit Kunden ein individuelles Lizenzmodell.

Wie sieht Ihre weitere Roadmap aus?

Wir werden Logiccloud in der nächsten Zeit in allen Bereichen mit für den Programmierer nützlichen Funktionen weiter entwickeln. In den letzten Monaten haben wir viele grundlegende Funktionen entwickelt. Nun geht es darum, die Useability weiter zu verbessern. Unsere Vision ist es, die Automatisierung zu automatisieren. Dazu werden wir unsere Plattform um Funktionen für ein KI-basiertes Engineering erweitern mit dem Ziel, komplette Vorschläge für eine Automatisierungslösung durch die KI zu erstellen – sowohl was die Hardware, die Software als auch das HMI betrifft. Wir wollen damit den Engineering-Aufwand um bis zu 80 Prozent reduzieren. Denn der Fachkräftemangel ist letztendlich ein Showstopper für die Digitalisierung. Und da möchten wir mit unseren Produkten Abhilfe schaffen.

Besuchen Sie Logiccloud auf der SPS 2023: Halle 6, Stand 251/241

Rückblick: Michael Böhrer 2022 zur Vision der SPS in der Cloud

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