Hannover Messe 2013
Die Umsatzzahlen der Automatisierer
Im Rahmen der Hannover Messe geben diverse Aussteller traditionell ihre Vorjahreszahlen bekannt. Nachfolgend die Bilanz 2012 von Bosch Rexroth, Beckhoff, Bonfiglioli und Weidmüller.
Mit 6,54 Mrd. Euro - was einem Plus von 1,5 % gegenüber dem Vorjahr entspricht - konnte Bosch Rexroth im vergangenen Jahr den höchsten Umsatz in der Unternehmensgeschichte einfahren. Regional betrachtet zeigten sich bei der Verteilung des Umsatzes starke Unterschiede. So musste der Anbieter von Antriebs- und Steuerungstechnik insbesondere in Asien nach vielen Jahren stetigen Wachstums - selbst in der Weltwirtschaftskrise - erstmals einen Umsatzrückgang hinnehmen - und zwar um 6,5 %. Grund dafür: die Konjunkturschwäche in China. "Aber so ein Dämpfer ist ein Stück weit auch normal", relativiert Vorstandssprecher Dr. Karl Tragl die negative Entwicklung und fügt im selben Atemzug hinzu: "Umso erfreulicher ist es, dass wir in anderen wichtigen asiatischen Märkten zugelegt haben. In Japan, einem der ganz großen Märkte, sind wir 2012 um rund fünf Prozent gewachsen. In Singapur, einem Zentrum der internationalen Offshore-Industrie, haben wir unseren Umsatz sogar fast verdoppelt. Damit ist das Geschäftsvolumen in Singapur sogar höher als in so manchem europäischen Land!"
Die positive Überraschung des Jahres war Tragl zufolge aber das Geschäft in Nord- und Südamerika, welches um fast 20 Prozent zugelegt hat. Die amerikanische Wirtschaft habe nach Jahren der Rezession wieder richtig in neue Maschinen investiert. In Europa und Deutschland blieb der Umsatz schließlich stabil, obwohl die Maschinenproduktion hier im zweiten Halbjahr 2012 rückläufig war. "Dieser Trend dürfte sich leider weiter verstärken", befürchtet Tragl und fügt hinzu: "Wir blicken daher mit äußerster Vorsicht auf das laufende Geschäftsjahr und erwarten eher Stagnation als Wachstum. Aber schon für 2014 sehen wir uns dann wieder den Wachstumskurs spürbar fortsetzen."
Speziell in China geht Tragl nur von einem temporären konjunkturellen Abschwung und keiner strukturellen Marktverschiebung aus. Die langfristigen Wachstumstrends blieben dort bestehen. Anders sei die Lage in Europa. In den Krisenländern dieser Region schrumpfe seit Jahren der Industrieanteil am Bruttoinlandsprodukt. Damit sei auch die Nachfrage nach Maschinen in diesen Ländern seit Jahren rückläufig. Auswirkungen hat dies nicht zuletzt auf die Beschäftigten hierzulande. So sind die Standorte des Unternehmens derzeit teilweise nicht ausgelastet. Die Folge: Rund 1200 Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit, weitere Beschäftigte in arbeitszeitsenkenden Maßnahmen.
Als strategische Aufgabe für das Jahr 2013 bleibt weiterhin der angedachte Verkauf der Pneumatik. Um diesen Geschäftsbereich für potenzielle Käufer interessant zu machen, habe man ihn in den vergangenen Jahren erfolgreich restrukturiert. Als weiterer Schritt wird diese Produktgruppe vom 1. Juni an als eigenständiges Unternehmen unter dem Dach von Bosch Rexroth agieren. Tragl hierzu: "Mit dieser Aufstellung werden Kunden und Märkte der Pneumatik schneller und flexibler bedient. Zudem werden dadurch auch neue Wachstumspotenziale gehoben, die auch außerhalb der von uns fokussierten Zielbranchen der Fabrikautomation liegen."
Beckhoff mit zweistelligem Minus
Beckhoff Automation hat im vergangenen Jahr einen Umsatz von 408 Mio. Euro erzielt. Dies entspricht einem Minus von 12 % im Vergleich zum Vorjahr (465 Mio. Euro). Der Geschäftsführende Gesellschafter Hans Beckhoff ist trotzdem mit dem Geschäftsverlauf zufrieden, da man „nach zwei überhitzten Boomjahren mit insgesamt knapp 100 % Steigerung eine Korrektur erwartet hatte“. Maßgeblich verantwortlich für diese Entwicklung war die Strukturkrise des Geschäftsfeldes der erneuerbaren Energien. Hans Beckhoff: „Der weltweite Solarmaschinenbau ist 2012 praktisch auf null zusammengebrochen und der chinesische Windanlagenbau ist auf einen Bruchteil des 2011er-Niveaus zurückgegangen“. Für 2013 geht Beckhoff in Abhängigkeit von den Rahmenbedingungen der Weltwirtschaft von einem Umsatzplus zwischen 5 und 15 %.
Der Exportanteil lag 2012 bei 55 % des Gesamtumsatzes; davon entfielen 27 % auf Europa (ohne Deutschland), 16 % auf Asien, 10 % auf Nordamerika sowie 2 % auf die übrigen Länder weltweit, in denen Beckhoff tätig ist. Derzeit ist das Verler Unternehmen mit 30 Tochterunternehmen und über Vertriebspartner in 62 Ländern weltweit vertreten. Nach der 2012 erfolgten Eröffnung von Beckhoff-Tochterunternehmen in Ungarn und Neuseeland, sind für 2013 mit Ägypten und Saudi-Arabien zwei weitere Standorte in Planung.
Bonfiglioli: Einbruch in Südeuropa
Der italienische Antriebstechnikspezialist Bonfiglioli konnte 2012 das Niveau des Vorjahres nicht erreichen. Starke Umsatzrückgänge in den besonders wichtigen Märkten Südeuropas und in der Photovoltaik ließen sich nicht ausgleichen und sorgten so für einen Rückgang um 12,1 % auf einen Gesamtumsatz in Höhe von 624 Mio. Euro. Im Detail brach der Heimatmarkt Italien um 30 % ein, Spanien um rund 40 %. Dies führte letztlich zu einem Umsatzrückgang in Europa um insgesamt 11,4 %. Auch in Asien war aufgrund geringerer Nachfrage bei regenerativen Energien, vor allem der Wind- und Photovoltaikindustrie, ein starker Rückgang zu verzeichnen. Ein Wachstum von knapp 16 % konnte Bonfiglioli hingegen in Amerika verzeichnen: Im größten Markt USA stieg der Umsatz in 2012 um 10 %.
Weidmüller nahezu auf Vorjahres-Niveau
Weidmüller hat 2012 einen Umsatz in Höhe von 621 Mio. Euro erzielt – ein marginales Plus gegenüber 2011 (620 Mio. Euro). Als besonders impulsstarke Märkte erweisen sich der asiatisch-pazifische Raum (+7,5 %) sowie die Region Mittel- und Osteuropa (+9,4 %). Besonders wachstumsstarke Länder waren 2012 erneut China (+10,4 %) und Russland (+9,4 %). Dank dieser Märkte konnten die teilweise deutlichen Umsatzrückgänge im südeuropäischen Markt (-10 %), die sich auch auf die Umsatzentwicklung in Deutschland negativ auswirkten (-4 %), abgefedert werden. Mit Blick auf die Weidmüller-Divisionen wird der Umsatz vor allem durch die Elektronik, elektrische Verbindungstechnik sowie den Bereich applikationsspezifische Lösungen getragen. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Vorstandssprecher Dr. Peter Köhler ein moderates, einstelliges Umsatzwachstum.
Mit Blick auf Russland - 2013 Gastland der Hannover Messe - zeigt sich Köhler sehr zufrieden: Insgesamt stieg das Geschäft in dieser Region in den Jahren 2007 bis 2012 um 40 %. Weidmüller fokussiert sein Geschäft in Russland auf die Energiebranche, die Prozessindustrie und die Transport- und Infrastrukturbranche. Insgesamt erzielte Weidmüller in Russland 2012 einen Umsatz in Höhe von zwölf Mio. Euro, was einem Marktanteil von knapp 8 % entspricht: "Mittelfristig ist das Ziel, einen Marktanteil von zehn Prozent zu erreichen", erklärt Weidmüller Vertriebsvorstand Volpert Briel zu den Zukunftsperspektiven.










