nxtControl

Günter Herkommer,

Brückenschlag von IEC 61131
zu IEC 61499

Das österreichische Unternehmen nxtControl hat eine Erweiterung ihres auf der IEC 61499 basierenden Engineering-Werkzeuges nxtStudio angekündigt. Die neue Version 2.0 baut jetzt auch eine Brücke zur etablierten IEC-61131-Welt. – Firmenchef Horst Mayer erläutert die Hintergründe.

Horst Mayer, nxtControl: "Mit der Migrationsstrategie wollen wir die Eintrittsbarrieren in die 61499-Welt minimieren."

© nxtControl

Die Firma nxtControl mit Sitz im österreichischen Leobersdorf gilt als einer der Pioniere verteilter Automatisierungssysteme auf Basis der IEC 61499. Auf der SPS IPC Drives 2008 präsentierte das Unternehmen erstmals ein entsprechendes Engineering-Werkzeug mit integrierter Visualisierung und I/O-Anbindung. Vier Jahre später kommt jetzt die Version 2.0 von 'nxtStudio' auf den Markt. Neben Neuerungen hinsichtlich der integrierten, sprich ohne SCADA-Server auskommenden SCADA-Funktionalität wie eine moderne Alarmbehandlung, Reporting und Archivierung bietet diese nun einen modernen IEC-61131-Editor, über den sich existierende IEC-61131-Bibliotheken wieder verwenden lassen.

Nach Aussage von Firmenchef Horst Mayer ist diese Lösung die Reaktion auf Kundenanfragen nach einer Migrationsstrategie: "Unsere Kunden sehen sehr wohl die Vorteile der IEC 61499, haben aber laufende und alte Projekte, die sie auch mit unserem Tool betreuen wollen. Wenn man bedenkt, dass beide Normen auf die gleichen Programmiersprachen zurückgreifen, ist es ein Migrations-Ansatz naheliegend." Als besonderen Vorteil von nxtStudio 2.0 stellt Mayer heraus, dass hiermit IEC-61131-Applikationen verteilbar würden. Die Voraussetzung dafür schafft das IEC-61499-Runtime-System, in dem alle Programme –1499 wie auch 1131 – auf der Grundlage zyklisch getriggerter Events abgearbeitet werden.

Auf die Frage, ob die Migrationslösung nicht schlicht der Tatsache geschuldet ist, dass die IEC 61499 im Maschinen- und Anlagenbau bis dato kaum Akzeptanz findet, entgegnet Mayer: "Die geringe Verbreitung der IEC 61499 ist weniger einem mangelnden Interesse seitens der Anwender sondern eher dem Mangel an IEC-61499-Anbietern geschuldet sowie der Tatsache, dass eingesessene Hersteller lieber ihre alten Produkte verkaufen, da sie daran besser verdienen."

Auch das Argument, dass sich die IEC 61131 in den letzten Jahren mit Blick auf die Realisierung verteilter Steuerungen ebenfalls weiter entwickelt hat, will Mayer so nicht gelten lassen und betont: "Die IEC 61131 hat schon konzeptionell eine Einschränkung bei verteilten Anwendungen. So kommt es durch die zyklische Bearbeitung und asynchrone Weiterleitung zu anderen zyklischen Steuerungen zu Aliasing-Effekten, was eine automatisierte Verteilung unmöglich macht. Das kann man nicht wegdiskutieren. Anders macht es die IEC 61499 beziehungsweise was wir daraus gemacht haben: Hier sorgen Event-Mechanismen für Synchronität zwischen Verarbeitung und Daten-Weiterleitung. Zudem gewinnt das Thema effizientes Engineering immer mehr an Bedeutung – und dabei ist eine automatische Verteilung ein Muss. Nicht zuletzt gilt es zu bedenken, dass teilweise jene Personen die IEC 61499 erarbeitet haben, die ursprünglich auch die IEC 61131 definierten. Warum wohl? Weil sie die Einschränkungen der IEC 61131 hinsichtlich verteilter Steuerungsanwendungen erkannt haben!"

Ein Steuerungshersteller, der die Vorteile der IEC 61499 offensichtlich erkannt hat, ist die Firma Epis Automation. Zur SPS IPC Drives 2010 stellten Epis und nxtControl die gemeinsam entwickelte Branchenlösung 'LibertyPro' speziell für den Maschinenbau vor. Während Epis sich damit an Endkunden richtet, formulierte nxtControl damals das Ziel, dieselbe Lösung als OEM-Version auch anderen Steuerungsherstellern anbieten zu wollen. Auf die bisher erzielten Erfolge angesprochen, entgegnet Mayer: "Als kleines Unternehmen haben wir natürlich eine eingeschränkte Reichweite. Aus diesem Grund arbeiten wir mit Hardware-Herstellern zusammen, die über ein globales Vertriebsnetzwerk verfügen. Diese Kunden zu gewinnen, ist meist ein langfristiger Prozess, da es immer eine strategische Entscheidung ist. Zudem sind wir bei OEM-Kunden generell zu strikter Verschwiegenheit verpflichtet. Ein Unternehmen, das wir aber nennen dürfen ist die Firma Advantech, die derzeit eine erste Steuerungsfamilie mit IEC 61499 ausrüstet."

Anzeige
  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

SPS IPC Drives 2018

Safety in der Sensorik

Was bieten Sensor-Hersteller aktuell in Sachen Safety an? Auf der SPS IPC Drives gab es hierzu einiges an cleveren Konzepten zu sehen - unter anderem bei Sick, Pepperl+Fuchs und Leuze electronic.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Start-ups

Der 'Automation Hackathon'

Beim 'Automation Hackathon' der SPS IPC Drives 2018 hatten sieben Start-ups die Chance, in 48 Stunden neue Geschäftsmodelle für ausgewählte Unternehmen der Automatisierungsbranche zu entwickeln. Gewinner: das Start-up Othermo in Zusammenarbeit mit...

mehr...

Pilz

One cable, many safety doors

At Pilz, users were able to create individual safety-door solutions from various components using the modular principle. The decisive factor here is a diagnostic tool that allows individual safety safety-doors to be controlled with single-cable...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren