Schmersal

Günter Herkommer,

Safety to Cloud

Safety und Cloud – was sich zunächst wie ein Widerspruch anhören mag, war bei Schmersal auf der SPS IPC Drives 2017 zentrales Messe-Thema. Was steckt konkret dahinter?

Siegfried Rüttger, Schmersal: „Mit Safety-to-Cloud bieten wir eine systemunabhängige Lösung für die vorausschauende Wartung. Die Anwender können somit frei entscheiden, welche Cloud sie nutzen möchten.“

© Schmersal

„Was das Monitoring von Maschinenzuständen betrifft, so werden zwar heute schon verschiedene Daten in der Cloud ausgewertet; die Sicherheitstechnik ist in diesem Kontext bis dato allerdings kaum ein Thema – mit unserer neuen Safety-to-Cloud-Lösung wollen wir dies ändern“, bringt Siegfried Rüttger, Projektleiter Industrie 4.0 bei der Schmersal-Gruppe, das diesjährige Messe-Motto des Wuppertaler Unternehmens auf den Punkt. Konkret bedeutet das: Alle Sicherheitszuhaltungen und Sicherheitssensoren des Unternehmens, die mit einem SD-Interface (SD steht für serielle Diagnose) ausgestattet sind, sowie einige Sicherheitslichtgitter können künftig über die Sicherheitssteuerung PSC1 oder ein SD-Gateway sowie über ein separates Edge-Gateway Daten in eine beliebige Cloud übertragen.

Eine Verknüpfung dieser zyklischen SD-Daten innerhalb der Cloud bietet dem Anwender laut Rüttger umfangreiche, standortunabhängige Diagnosemöglichkeiten. Dazu zählen zum Beispiel Schaltzyklen, die Zustandssituation der Sicherheit, Grenzbereichs- sowie Abstandswarnungen und vieles mehr. Das Edge-Gateway leitet die Daten im OPC-UA-Format weiter, einem standardisierten Protokoll für die M2M-Kommunikation. Wenn zum Beispiel Verschmutzungen an den Sensoren der Lichtgitter auftreten und das Signal infolgedessen schwächer wird, kann auf diese Weise eine Warnmeldung etwa über mobile Endgeräte wie Tablets oder Handys übermittelt werden, so dass der Betreiber frühzeitig korrektive Maßnahmen einleiten kann, bevor das Lichtgitter sicher abschaltet. Für die Visualisierung der Daten über Dashboards lässt sich unter anderem die gängige Cloud-Plattform Microsoft Azure einsetzen, welche eine Vielzahl von Funktionalitäten für die Darstellung bietet – etwa in Form von Tabellen, Diagrammen oder Grafiken.

Auf der SPS IPC Drives 2017 zeigt Schmersal das Konzept am Beispiel einer Gateway-Hardware, die zusammen mit Hilscher entwickelt wurde. Grundsätzlich ist die Software aber auch auf Gateways anderer Hersteller – zum Beispiel von Bosch oder Siemens – portierbar, die ähnliche Funktionalitäten bieten. Wichtig zu betonen ist Rüttger zudem, dass sich die Lösung nicht nur für Neuanlagen anbietet, sondern ebenso für die Bedienung von Bestandsmaschinen: „Wir haben ja schon seit vielen Jahren unsere SD-Bus-Geräte mit einer Selbstdiagnosemöglichkeit ausgestattet; in der Praxis wurden diese Informationen allerdings viel zu wenig genutzt. Mit unserem neuen Ansatz sind wir jetzt viel einfacher in der Lage, die entsprechenden Daten über die Cloud bereitzustellen, um dort eine bessere Auswertung durchführen zu können. Der entscheidende Vorteil dabei: Man muss die Steuerung dafür nicht anfassen!“

Auf die Frage, ob es für Schmersal denkbar ist, irgendwann die Safety-SPS selbst in die Cloud zu verlagern, antwortet Rüttger: „Momentan ist dies schwer vorstellbar, kategorisch ausschließen würde ich es aber nicht. Ein Riesenvorteil wäre es auf jeden Fall – und wer weiß, was vielleicht schon in ein paar Jahren technisch möglich ist. Schauen Sie sich nur an, was sich derzeit etwa in puncto drahtloser Übertragungstechniken tut – Stichwort 5G-Standard. Diesbezüglich kann man sicher noch einiges erwarten.“

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