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Artikel und Hintergründe zum Thema

Kendrion

Jörg Pöhls,

Controller für Robotik-Anwendungen

Steuerungen für Robotik-Anwendungen müssen vielfältigen Anforderungen gerecht werden. Gefordert sind beispielsweise modular anpassbare Architekturen, cyberresiliente Systeme und hoch performante Echtzeitverarbeitung neben Energieeffizienz und Künstlicher Intelligenz.

© Kendrion

Der ‚FIO Controller 328‘ von Kendrion ist eine Steuerung für anspruchsvolle Automatisierungsaufgaben und datenintensive Anwendungen, der die Merkmale einer industriellen Multi-Core-Architektur mit dem Raspberry Pi Compute Module 4 kombiniert. Sein Multi-Core-Prozessor ermöglicht die parallele Aufgabenteilung zwischen mehreren CPU-Kernen: Während ein Kern die zeitkritische SPS-Steuerung abarbeitet, können weitere Kerne Visualisierung, Motion-Berechnungen, KI-Algorithmen, Condition-Monitoring oder Kommunikationsprozesse übernehmen. Diese Lastverteilung eliminiert Performance-Engpässe und gewährleistet stabile und extrem schnelle Reaktionszeiten, insbesondere in dynamischen Bewegungs- und Robotik-Applikationen. Durch das integrierte Echtzeitbetriebssystem lassen sich Steuerungszyklen im niedrigen Millisekunden-Bereich realisieren, was Präzision bei Bewegungsabläufen, synchronisierten Achsen und komplexen Safety-Anforderungen ermöglicht.

Durch die Multi-Core-Architektur und das Linux Betriebssystem hat der Hersteller verschiedene Maßnahmen realisiert, um Zykluszeiten und Jitter zu minimieren sowie das deterministische Verhalten zu optimieren. Dazu gehören zum Beispiel die Integration des PREEMT_RT-Patch, die Isolierung eines beziehungsweise mehrerer Kerne für die Echtzeitanwendung, die Konfiguration von Interrupt-Affinitäten sowie die Deaktivierung des IRQ Balancers. Für typische, hochdynamische Motion- und Robotik-Anwendungen werden Zykluszeiten von 1ms erreicht.

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Das Raspberry Pi Compute Module 4 ist im FIO Controller 328 in einer industriellen Systemarchitektur integriert. Diese umfasst neben dem Baseboard, das diverse Industrieschnittstellen bereitstellt, auch das kompakte Gehäusekonzept mit passiver oder bei Bedarf auch aktiver Kühlung, eine 24-V(DC)-Versorgung und eine integrierte Mini-USV.

Der Controller erfüllt die Anforderungen der IEC 61131-2 sowie der IEC 61000-6-2 und IEC 61000-6-4. Damit wird deutlich, dass die industrielle Eignung nicht durch das Rechenmodul allein, sondern durch die Auslegung des Gesamtsystems bestimmt ist. Der spezifizierte Temperaturbereich für den Einsatz im Schaltschrank ist 0 bis +55 °C ohne Leistungsreduzierung.

Die standardisierte Ethercat-Kommunikation sorgt für deterministische Datenübertragung zwischen Steuerung und I/O-Modulen. Zusätzlich stehen OPC UA, Profinet, Modbus TCP, CAN, RS485, Ethernet, USB und weitere Industrieschnittstellen zur Verfügung, um bestehende Systemlandschaften oder Drittanbieter-Komponenten einzubinden. So kann der Controller als zentrale Steuerung, Kommunikations-Gateway oder Micro-Edge-Rechner eingesetzt werden.

Dank modularer Bauweise und passender Ethercat FIO Module lässt sich das System individuell um digitale und analoge Ein- und Ausgänge, integrierte Safety-Funktionen oder Motion-Control-Anwendungen erweitern. Für Anwendungen wie Echtzeit-Softmotion, CNC oder Robotik steht die Entwicklungsumgebung Codesys zur Verfügung. Linux und Codesys bieten die Möglichkeit, Tasks auf unterschiedliche Kerne zu verteilen und zu priorisieren. So können potenziell leistungshungrige Aufgaben wie zum Beispiel Motion oder Visualisierung gezielt aufgeteilt werden.

Für die Codesys Echtzeit Motion Task steht zum Beispiel ein isolierter Kern zur Verfügung, in dem auch die Ethercat-Kommunikation abgearbeitet wird. Mit Hilfe des Taskmonitorings haben Anwender die Möglichkeit, die Rechenlast optimal auf die zur Verfügung stehenden Kerne zu verteilen, um eine bessere Performance des Gesamtsystems zu erreichen. Darüber hinaus haben sie weitere Möglichkeiten zur Lastverteilung im Betriebssystem und können die Datenkonsistenz einfacher wahren.

Der FIO Controller 328 eignet sich insbesondere für Handling- und Montageanlagen mit hohen Taktraten, Robotik beziehungsweise kollaborative Systeme, Präzisionsantriebe und Mehrachssysteme sowie Edge-Computing. Auch Cloud-Ökosysteme und die Datenanalyse in der Produktion sowie vernetzte Fertigungsanlagen und modulare Maschinen gehören zu den Anwendungsgebieten des Controllers.

Hohe Sicherheit für moderne Robotik

Die FIO Safety PLC ermöglicht die Konstruktion hochdynamischer, funktional sicherer Robotersysteme. © Kendrion

Eine weitere Lösung von Kendrion für die Robotik ist die ‚FIO Safety-PLC‘, die für Anwendungen entwickelt wurde, in denen höchste Sicherheitsanforderungen und dynamische Bewegungsprozesse aufeinandertreffen. Sie überwacht Prozessgrößen wie Position, Geschwindigkeit und Drehmoment kontinuierlich in Echtzeit und greift bei Grenzwertverletzungen unmittelbar ein. Damit eignet sie sich für Robotik-Anwendungen, in denen Menschen und Cobots eng zusammenarbeiten oder hohe Verfahrgeschwindigkeiten höchste Präzision und zuverlässige Schutzmechanismen verlangen.

Dank der in die FIO Safety-PLC integrierten Floating-Point-Unit (FPU) sind komplexe mathematische Bewegungs- und Kinematikberechnungen in Echtzeit möglich. Dadurch können Robotersysteme konstruiert werden, die hohe Dynamik mit sicherem Betrieb kombinieren – beispielsweise beim schnellen Pick-and-Place, in der Montageautomation oder beim automatisierten Palettieren. Kundenspezifische Funktionen wie zum Beispiel herstellerspezifische Kinematiken und Bewegungsmodelle lassen sich dank der offenen Systemarchitektur einfach integrieren.

Die dedizierte Hardware-FPU (IEEE 754, 32 Bit) ist für die arithmetisch dichte Kinematik kollaborativer Roboter unverzichtbar. Allein die Vorwärtskinematik eines 6-Achs-Roboters umfasst pro Zyklus mehrere hundert Gleitkommaoperationen – auf der FIO Safety-PLC gemessen in 30 µs. Systeme ohne Hardware-FPU benötigen dafür typischerweise das 20- bis 100-fache und sind damit für vollständige 6D-Kinematik in sicherheitsgerichteten Zyklen von 1 bis 2 ms nicht realistisch einsetzbar.

Die ‚SF04‘-Bibliothek für sichere Robotik-Kinematiken nutzt diese Rechenleistung für vier Kernfunktionen:

  • Vorwärtskinematik (TCP-Pose),
  • kartesische Geschwindigkeitsberechnung,
  • dynamische Kontaktkraftberechnung zur Isolation externer Kräfte mittels integriertem Newton-Euler-Modell
  • sowie kontinuierliche Raumüberwachung mit Kugel- und Quadergeometrien.

Effiziente Fertigung

Der Autor: Jörg Pöhls ist Strategic Sales Developer bei Kendrion. © Kendrion

Über FSoE oder modulare Safety-I/O-Module lassen sich sicherheitsrelevante Sensoren wie Encoder, Laserscanner, Lichtgitter oder Kraft-/Momentensensoren bedarfsorientiert einbinden. Das große sichere Prozessabbild (FSoE-Frame) unterstützt moderne Antriebssteuerungen mit sicherheitsgerichteten Funktionen wie STO, SS1 oder SLS. Damit eignet sich die Plattform für Anwendungen mit redundanten Sicherheitskonzepten oder adaptiver Geschwindigkeitsüberwachung. Dazu zählen unter anderem kollaborierende Roboter (Cobots), flexible Fertigungszellen und Pick-and-Place- beziehungsweise Handling-Roboter.

Redaktion: Inka Krischke

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