Feldgeräte-Integration / Robotik
Die Neuheiten von ABB zur Hannover Messe
FDI und kooperierende Roboter – zwei Konzepte, die in der Automation seit langem diskutiert und entwickelt werden. Zur Hannover Messe will ABB nun für beides erste kommerzielle Lösungen vorstellen.
Der Roboter 'YuMi' von ABB - der Name leitet sich von 'you and me – wir arbeiten zusammen' ab.
© ABBIm November vergangenen Jahres war es endlich soweit: Die lang erwartete FDI-Spezifikation wurde freigegeben. Zur Erinnerung: Die so genannte Field-Device-Integration-Technologie (FDI) hat zum Ziel, die beiden Methoden EDDL und FDT/DTM2 zur Integration von Feldgeräten in einer Lösung zu vereinen. Zu diesem Zweck hatten die fünf Interessenverbände der Automatisierungsindustrie – FDT Group, Fieldbus Foundation, HART Communication Foundation, Profibus & Profinet International und OPC Foundation – ihre entsprechenden Aktivitäten in einem Gemeinschaftsunternehmen mit der Bezeichnung 'FDI Cooperation' gebündelt. Die entsprechenden Entwicklungsarbeiten starteten bereits 2009, bis zum Jahr 2011 war die FDI-Spezifikation formal ausgearbeitet. Nach weiterer jahrelanger Arbeit der beteiligten Organisationen wurden schließlich im Rahmen der Namur-Hauptsitzung 2014 in Bad Neuenahr die finale FDI-Spezifikation und mit ihr die gemeinsamen Host-Komponenten (FDI Common Host Components) sowie die integrierte Entwicklungsumgebung (FDI Package IDE) für FDI-Geräte-Pakete vorgestellt.
Das Konzept der Geräteleiste des NGDM: Einfacher Wechsel zwischen Gerätesichten und Umschalten zwischen verschiedenen Geräten und Ansichten, ohne Listen oder Menübäume durchsuchen zu müssen.
© ABBNach der Freigabe der FDI-Spezifikation stellt jetzt das Unternehmen ABB auf der Hannover Messe im April die erste Version seines 'Next Generation Device Management' (NGDM) vor. Hinter diesem Arbeitstitel verbirgt sich nach Aussage von Stefan Bollmeyer, zuständig für die Kommunikation des Leitsystems 800xA von ABB, "das erste Tool auf dem Markt, das Feldgeräte-Integration mit den nicht proprietären, gemeinsamen FDI-Common-Host-Components unterstützt." Die sogenannte 'Device Window Edition', welche zunächst das FDI-basierte Gerätemanagement von HART-Geräten unterstützt, kann ab Mai 2015 kostenlos unter auf der Internetseite von ABB heruntergeladen werden. Mittelfristig sollen weitere Editionen für andere Kommunikationsprotokolle folgen – dann allerdings nicht mehr kostenfrei.
Stefan Bollmeyer, ABB: "Mit der 'Device Window Edition' können wir jetzt über Produkte sprechen und nicht mehr nur über den FDI-Standard."
© ABBDie neue Technologie verspricht den Anwendern unter anderem eine deutliche Zeitersparnis in der täglichen Anwendung des Gerätemanagements. Bollmeyer hierzu: "Die Installation von Management-Tools, der Anschluss der Geräte und der Online-Zugriff dauert – so die Erfahrung vieler Anwender – heute häufig zwischen 30 und 90 Minuten. Mit NGDM reduziert sich dies auf drei Minuten bei etwa 15 Klicks!" Der Nutzer ist dabei nicht an einen Desktop-PC, Server oder Laptop gebunden. NGDM lässt sich auf einem Windows-Tablet installieren und unterstützt die notwendige Touch-Navigation, so dass der Nutzer bei der Arbeit auf der Anlage eine größere Freiheit erhalte.
Das 'Device'-Menü des NGDM stellt Bollmeyer zufolge sicher, dass alle wichtigen Geräte-Informationen mit einem Klick zugänglich sind. Zudem vereinfacht es den Zugriff auf die Standardmenüs wie 'Operate', 'Diagnostics' und 'Device Settings' sowie andere gerätespezifische Menüs. Das bedeutet: Anstatt in Kontextmenüs oder Menübäumen nach der richtigen Funktion suchen zu müssen, kann der Nutzer es jetzt intuitiv mit einer Fingerbewegung öffnen und dabei darüber hinaus zwischen allen geöffneten Gerätesichten beziehungsweise von einem Gerät zum anderen hin- und herwechseln. Weil Gerätemanagement-Programme meistens im Betrieb verwendet würden und nicht im Engineering-Back-Office, verzichtet das NGDM bei der Bedienoberfläche zudem auf unnötige Informationen, ähnlich der High-Performance-HMI-Oberfläche des Leitsystems 800xA.
Last but not least lernt das Tool kontinuierlich, wie die Parameter und Funktionen der Geräte verwendet werden und generiert eine Liste, auf die der Nutzer auf einfache Weise zugreifen kann.
Dass es mit der neuen, auf der FDI-Spezifikation basierenden Technik allein nicht möglich sein wird, alle Probleme zu lösen, denen sich die Anwender von Gerätemanagement-Tools heutzutage ausgesetzt sehen, ist sich ABB durchaus bewusst. Insofern markiere die jetzt veröffentlichte 'Device Window Edition' des NGDM erst einen Anfang. Stefan Bollmeyer: "In dem Maße wie die Entwicklung der gemeinsamen FDI-Host-Komponenten fortschreitet, wird das NGDM um neue Merkmale und Funktionen ergänzt. Ziel ist es, künftige Versionen zu einem Komplettsystem für das Field Asset Management einschließlich Integrationsmöglichkeiten in Leitsysteme und ERP-Systeme zu entwickeln. Hierin wird auch das FDI Device Model auf Basis von OPC UA für den generellen Zugriff auf Geräte-Informationen enthalten sein."
Mensch und Roboter Seite an Seite
Steven J. Wyatt, ABB: "YuMi erlaubt erstmals das Arbeiten Seite an Seite mit dem Menschen ohne zusätzliche Sicherheitssysteme."
© ABBNahezu ebenso lang wie am Thema FDI arbeitet ABB an Lösungen für die Mensch-Roboter-Interaktion: Das in diesem Kontext entwickelte Konzept eines zweiarmigen Leichtbau-Roboters lief zunächst unter dem 'Arbeitstitel' Dual-Arm-Konzept-Roboter, wurde später in 'Frida' (Friendly Robot for Industrial Dual Arm Assembly) umbenannt und soll nun schließlich als 'YuMi' – die Abkürzung steht für 'you and me – wir arbeiten zusammen' – auf den Markt kommen. Zur Hannover Messe jedenfalls hat Steven J. Wyatt, Head of Marketing & Sales Robotics bei ABB, die kommerzielle Verfügbarkeit des Roboters angekündigt, welcher in erster Linie dafür entwickelt wurde, Mitarbeiter in der Elektronikindustrie bei der Kleinteilmontage zu unterstützen, nach und nach aber ebenso in anderen Branchen zum Einsatz kommen soll.
Hierzu ist der nur 35 kg schwere YuMi unter anderem mit einem präzisen Visionsystem, einem servoelektrischen Greifer, berührungsempfindlicher Sensorik, flexibler Software und mit 'inhärenter Sicherheit' ausgestattet. Letzteres heißt, dass dem Roboter per Design ein sicherheitsgerichtetes Verhalten innewohnt. Einher geht dies unter anderem mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 1.500 mm/s, mit gepolsterten Armen zur Energie-Absorption sowie der Verwendung von Leichtbau-Armen aus Magnesium.
YuMi verfügt ABB zufolge bereits über reale Produktionserfahrung und wurde im Vorfeld der Kommerzialisierung in unterschiedlichen Anwendungsfeldern ausgiebig getestet. Konkret könne man bis zur Markteinführung nicht nur auf die Zusammenarbeit mit ausgewählten Blue-Chip-Unternehmen zurückblicken, sondern auch auf umfassende Erfahrungen im eigenen Haus. So war YuMi etwa viele Monate in einer Fertigung in einem ABB-Niederspannungsbereich im Einsatz und montierte dort tausende Notaus-Schalter und Doppelsteckdosen jeweils in enger Zusammenarbeit mit einem Mitarbeiter.
Bleibt die Frage nach dem Preis für ein solches kollaborierendes Produktionssystem. Eine Antwort hierauf wird es erst direkt vor Ort in Hannover geben. Im Vorfeld jedenfalls wollte Steven J. Wyatt auf Nachfrage keinen Verkaufspreis für den YuMi nennen.
















