Vention
Automatisierung so einfach wie Lego
Hohe Einstiegshürden, lange Planungszyklen und komplexe Integration machen Automatisierung und Robotik oft zu einem Projekt für Spezialisten mit Großbudget. Mit dem Plattform-Gedanken lässt sich die industrielle Automatisierung jedoch vereinfachen.
Was Lego für die Welt des Spielzeugs ist, will das kanadische Unternehmen Vention für die industrielle Automatisierung sein. Dessen cloudbasierte Plattform soll es kleinen und mittleren Unternehmen ermöglichen, maßgeschneiderte Produktionsanlagen, Robotersysteme und Maschinen schnell zu entwerfen, zu programmieren und in Betrieb zu nehmen, ohne tiefgehende Ingenieurskenntnisse vorauszusetzen.
Von der Plattform zum Ökosystem
Was Vention von klassischen Automatisierungsanbietern unterscheidet, ist der Plattformgedanke. Das Unternehmen ist nicht nur ein Händler für Komponenten oder ein Tool-anbieter für den Maschinenbau, sondern es bietet seinen Kunden ein ganzheitliches Ökosystem mit offenen Schnittstellen, cloudbasierter Steuerungssoftware, Community-Wissen und einem App-Store-ähnlichen Ansatz für Automatisierungslösungen. Ingenieure, Integratoren und Produktionsverantwortliche weltweit nutzen die Plattform, teilen Designs, optimieren Prozesse, bauen aufeinander auf und lassen so ein technologisches und wirtschaftliches Netzwerk entstehen. Regelmäßige Updates und die Integration neuer Funktionen sorgen dafür, dass Anwender stets auf dem aktuellen Stand der Technik arbeiten. Dieser Zugang zu einem globalen Pool an Wissen und Erfahrung und das kollaborative Umfeld unterscheidet die Plattform von traditionellen Anbietern.
Einfach und flexibel automatisieren
Kern der Plattform ist der sogenannte ‚MachineBuilder‘, eine browserbasierte 3D-CAD-Umgebung, in der Maschinen und Fertigungszellen per Drag-and-Drop entworfen und getestet werden können. Anwender können Maschinen direkt im Webbrowser entwerfen, ohne spezialisierte CAD-Software. Die passende Hardware – von Achsen über Greifer bis zu Steuerungen – kann online bestellt und selbst montiert werden. Während des Designs werden Kosten und Lieferzeiten in Echtzeit angezeigt. Die Plattform umfasst Tausende sofort verfügbare Komponenten von Herstellern wie Fanuc und Universal Robots sowie Integrationen zu Robotern, Sensoren und Steuerungssystemen.
Der gesamte Prozess von der Auswahl der Komponenten, darunter Aluminiumprofile, Aktuatoren, Roboterkomponenten und Sensoren, über das Design bis zur Montage ist auf Benutzerfreundlichkeit ausgelegt. Intuitive Benutzeroberflächen, Schritt-für-Schritt-Anleitungen und eine umfangreiche Wissensdatenbank erleichtern den Einstieg und verkürzen die Lernkurve. So können auch Unternehmen ohne tiefgehende Automatisierungserfahrung profitieren. Die Plattform ermöglicht die Programmierung von Robotern und Automatisierungssequenzen (‚MachineLogic‘) in einer 3D-Simula-tionsumgebung. Typische Einsatzgebiete sind Palettieren, Verpacken, Maschinenbestückung, Schweißen und Qualitätsprüfungen.
Ein zentrales Merkmal des Ansatzes ist die Wahlfreiheit: Anwender entscheiden selbst, welche Schritte sie eigenständig durchführen möchten und wo sie auf die Expertise von Vention zurückgreifen wollen: Es gibt sowohl einen vollständig eigenverantwortlichen Do-it-yourself-Weg als auch gezielte Unterstützung durch Experten, virtuelle Beratung oder Service vor Ort. Das hybride Modell eignet sich insbesondere für Unternehmen mit variantenreicher Fertigung oder häufig wechselnden Produktlinien.
Maschinenbau im Baukastenprinzip
In Zeiten von Fachkräftemangel, Kostendruck und Nachhaltigkeitszielen braucht es effiziente, skalierbare und einfach zugängliche Lösungen. Die klassische industrielle Automatisierung ist oft exklusiv, während der Plattformansatz von Vention Automatisierung für jeden zugänglich und erschwinglich machen will.
Das Unternehmen ist ein Beispiel dafür, wie Plattformökonomie in der Industrie funktionieren kann. Wo früher Einzelprojektdenken dominierte, entsteht heute ein kollaboratives, modulares und digitales Modell. Das Prinzip dahinter: Anstatt sich in starren Systemen zu verlieren, können Unternehmen unabhängig von Unternehmensgröße oder Vorwissen flexibel auf neue Herausforderungen und technologische Entwicklungen reagieren. Dies eröffnet insbesondere kleinen und mittelständischen Betrieben den Zugang zu moderner Technologie, ohne langwierige Entwicklungsprozesse.
Auch Zukunftssicherheit ist ein wichtiges Argument für den Plattformansatz. Unternehmen investieren nicht nur in aktuelle Technologien, sondern sichern sich auch die Option, zukünftige Hardware- und Software-Innovationen, zum Beispiel auf Basis von KI-Technologien, unkompliziert zu integrieren. Die modulare Bauweise gewährleistet, dass neue Komponenten und Software-Updates einfach nachgerüstet werden können, ohne das gesamte System austauschen zu müssen.
Zudem verbindet Vention durch sogenannte Zero-Shot Automation intelligente Software mit modularer Hardware zu Automatisierungslösungen, die ohne lange Integrations-, Programmier- oder Testphasen funktionieren. Ursprünglich stammt das Prinzip aus der KI-Forschung: Ein System kann neue Aufgaben lösen, ohne speziell für den konkreten Einzelfall trainiert oder programmiert zu werden. Zum Beispiel kann ein Roboter ein Objekt greifen, das er noch nie gesehen hat, weil er allgemeine Regeln erlernt hat.
Für Unternehmen bedeutet das weniger Abhängigkeit von externen Dienstleistern, eine schnellere Umsetzung neuer Projekte und mehr Kontrolle über die eigenen Prozesse sowie die Möglichkeit, Automatisierungslösungen individuell zu gestalten und jederzeit an aktuelle Anforderungen anzupassen.













