Nachgehakt bei Dieter Hess
Codesys – quo vadis?
Mit der Version 3 von Codesys hat die Firma 3 S-Smart Software Solutions vor nunmehr fast fünf Jahren einen grundlegenden Generationswechsel bei ihrer IEC-61131-Softwareplattform eingeleitet. Wie ist die Akzeptanz hierauf im Markt und welche Weiterentwicklungen stehen an? – Geschäftsführer Dieter Hess bezieht Stellung.
Herr Hess, zum 31. April 2006 haben Sie Codesys 3.0 released – wie hat sich seither das Verhältnis verkaufter 2.x-Lizenzen zu 3.x-Lizenzen entwickelt?
Hess: Für neue Steuerungen führt mittlerweile kein Weg mehr an der Version 3 vorbei und nahezu alle unserer wichtigen OEM-Kunden bereiten neue Produkte mit Codesys V3 vor. Zudem konnten wir aufgrund der erweiterten Möglichkeiten, die sich mit V3 ergeben, in letzter Zeit interessante Neukunden gewinnen – zum Beispiel Hitachi oder Schneider Electric. Um Zahlen zu nennen: Etwa ein Viertel aller verkauften Lizenzen sind bereits V3-Lizenzen.
Wie sieht es auf der Anwenderseite aus? Sind dort Themen wie Objektorientierung und Modularisierung von Programmen, die ja wesentliche Merkmale von Codesys V3 sind, schon auf breiter Front angekommen?
Hess: Prinzipiell treffen wir auf drei Gruppen von Anwendern. Die erste Gruppe hat sich bisher nicht mit Objektorientierung auseinandergesetzt und ist dafür nicht zugänglich. Das ist aber kein Problem, denn OOP ist in Codesys V3 eine reine Programmieroption und muss keineswegs verwendet werden. Die zweite Gruppe ist sich über die Vorteile von OOP im Klaren und erwägt einen Einstieg auf dieses Programmierparadigma. Für die dritte Gruppe ist Codesys V3 mit der Objektorientierung eine lang gehegter Wunsch.Bei diesen Gruppen müssen wir keine Überzeugungsarbeit leisten. Wobei wir uns generell nicht als „Missionare“ für OOP sehen – jeder kann die IEC 61131-3 so nutzen, wie er es möchte. Die voraussichtlich 2011 verabschiedete nächste Version der IEC 61131-3 wird als wesentliche Neuerung übrigens Objektorientierung enthalten, so wie sie in Codesys umgesetzt ist.
Ein offener Punkt bei V3 ist nach wie vor Safety. Was zieht das Thema so in die Länge?
Hess: Im vergangenen Jahr haben wir uns entschieden, die bestehende Safety-Entwicklung einem Redesign zu unterwerfen. Damit erreichen wir eine bessere Integration in Standard-Codesys sowie eine deutlich verbesserte Wartbarkeit. Außerdem ist die Safety-Lösung aufgrund der Umstellung jetzt plattformunabhängig. Das heißt, Gerätehersteller können diese relativ einfach auf unterschiedliche CPUs und Plattformen ohne beziehungsweise mit sicheren Betriebssystemen portieren. Auf der zurückliegenden SPS/IPC/Drives haben wir die geänderte Version mit voller Funktionalität gezeigt. Die Zertifi zierung nach dem neuen Konzept wird bis Ende 2011 erfolgen.
Welche Themen stehen nach der Fertigstellung der Safety- Lösung auf Ihrer Entwicklungs-Roadmap?
Hess: Unser oberstes Anliegen ist nach wie vor, die Arbeit mit dem Tool zu vereinfachen und zu beschleunigen – sprich die Usability zu verbessern. Hier sehen wir zwei unterschiedliche Zielrichtungen: Zum einen erwarten Applikationsprogrammierer zunehmend unterstützende Funktionen, wie sie in der IT-Welt eingeführt sind. Wir denken dabei an neue Komponenten wie UML, um die Möglichkeiten der Objektorientierung besser ausnützen zu können, oder Funktionen zur Code-Analyse wie Profi ler oder LINT. Mindestens genauso wichtig ist die Forderung der Anwender, Serienmaschinen viel einfacher als bisher konfektionieren zu können. Dafür entwickeln wir gerade an einer maßgeschneiderten Lösung, bestehend aus einem Applikationskonfi gurator und einem Satz von Standardbausteinen zur effi zienten Erzeugung von Anwendungen. Im Laufe des Jahr wollen wir damit mit Beta-Kunden in erste Feldtests gehen.
Mit Stuxnet ist seit Monaten ein Virus in aller Munde, der es gezielt auf Siemens-Steuerungen abgesehen hat. Können sich die Anwender anderer SPS-Umgebungen also beruhigt zurücklehnen?
Hess: Derzeit haben wir keine Hinweise darauf, dass irgendeine Gefährdung von mit Codesys programmierbaren Steuerungen vorliegt. Trotzdem nehmen wir das Thema Security an sich sehr ernst. So haben wir noch vor der Berichterstattung über Stuxnet damit begonnen, zusammen mit der auf Schutzsysteme spezialisierten Firma Wibu eine umfassende Lösung vorzubereiten, die neben Security die Bereiche Know-how-Schutz und Nutzungskontrolle abdeckt. Auf der Messe in Nürnberg konnten wir in einem Preview bereits zeigen, wie sich ein mit Codesys programmierbares Gerät über diese Lösung absichern lässt.









