Mobile Computing
Auswahl des Betriebssystems - eine Übersicht
Mobile Computer sind heute in der Industrie etabliert und in allen Unternehmensbereichen verbreitet. Doch für welchen Anwendungsfall ist welches Betriebssystem das richtige?
Seit der Einführung des ersten PDA vor über zehn Jahren geht der Trend bei mobilen Computern und auch Barcode-Scannern weg von proprietären Systemen hin zu standardisierten Betriebssystem-Plattformen. Zunächst wurde meist Microsoft Windows CE bevorzugt, doch die Software-Entwickler haben in den letzten Jahren für mehr Auswahl gesorgt. Das Angebot ist unübersichtlicher geworden und die Unternehmen müssen differenzieren, um die individuellen Herausforderungen zu erfüllen und die Möglichkeiten der einzelnen Systeme optimal zu nutzen. Zudem spielt das Betriebssystem für die Kommunikation mit dem Backend eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, mobile Anwendungen in eine bestehende IT-Infrastruktur zu integrieren.
Gleichzeitig ähneln sich die robusten Mobile Computer und Smartphones immer mehr. Bei der Entwicklung von robusten Geräten wurde zunehmend versucht, Design, Handhabung und Funktionalität von Smartphones nachzuahmen. Die steigende Leistung der Geräte aus der Unterhaltungselektronik macht diese mehr und mehr für Unternehmensanwendungen interessant.
Um die Vorteile von mobilen Lösungen in vollem Umfang nutzen zu können, müssen die Anwender sicherstellen, dass die Geräte vollständig in bestehende Systeme zu integrieren sind. Der Support-Aufwand für die IT-Abteilung muss überschaubar und die Sicherheit sensibler Daten gewährleistet sein. Die Auswahl des Betriebssystems kann sich zudem direkt auf die Gesamtbetriebskosten und die Leistungsfähigkeit einer mobilen Lösung auswirken. Auch ist der Support für ein standardisiertes Betriebssystem meist kostengünstiger, da einerseits die IT-Mitarbeiter mit dem System vertraut sind, andererseits die Entwickler die Anwendungen leichter programmieren können. Mobile Geräte bringen viele Sicherheitsrisiken mit sich, vor allem in Außendienst, Versandbuchführung, Warenlieferung oder Vertrieb. Bei Funkbetrieb in drahtlosen Netzwerken ist ein zusätzlicher Schutz der Daten nötig, unter anderem, wenn Kreditkartenzahlungen abgewickelt werden. Fällt ein Gerät im externen Gebrauch aus, führt das schnell zu einem hohen Produktivitätsverlust. Deshalb ist ein stabiles und zuverlässiges Betriebssystem mit einer bedienerfreundlichen Oberfläche maßgeblich für einen sicheren und effizienten Einsatz außerhalb des Unternehmens.
Stellen Unternehmen von Systemen mit alten Mainframe-Plattformen auf moderne mobile Computer um, werden die neuen Betriebssysteme oft nicht unterstützt. Da bereits bestehende mobile Anwendungen in der Regel eng mit dem Backend verknüpft sind, ist eine Neuentwicklung oder Neuanschaffung der Anwendungen oft sehr teuer. Durch Terminal-Emulation kann in solchen Fällen die alte mit der neuen Umgebung verbunden werden. Es gibt Windows-basierte Geräte, die über entsprechende Funktionen zur Terminal-Emulation verfügen und so ältere Anwendungen weiterhin unterstützen können.
Überblick „mobiler“ Betriebssysteme
Da Windows-Plattformen sehr universell gehalten sind, basiert heute ein Großteil der eingesetzten mobilen Geräte auf Microsoft-Betriebssystemen. Mit etwa 95 % Marktanteil stellen diese mit Windows CE und Windows Mobile in den kommenden Jahren den Standard für Unternehmen dar. Aufgrund der weiten Verbreitung bieten diese Plattformen die meisten Softwarelösungen und Entwicklertools.
Windows CE und Windows Mobile ähneln sich, haben aber bestimmte Stärken. Je nach Verwendungszweck müssen die Entwickler klare anwendungsspezifische Anforderungen festlegen, um die Auswahl einzugrenzen.
Tools wie WordPad, Excel Viewer und Mobile Internet Explorer sind bei Windows CE bereits integriert.
© DatalogicWindows CE bietet sich als maßgeschneidertes Echtzeit-Betriebssystem besonders für Geräte mit wenig Speicherplatz an. Gerätehersteller können das Design des Betriebssystems individuell an die Geräte anpassen. Windows CE wird oft bevorzugt für vertikale Anwendungen verwendet, da es relativ geringen Einschränkungen unterliegt und einige Vorteile für Endanwender bietet: Durch Kombination von RAM- und Flashspeicher wird der effektive Speicher vergrößert. Mit den maßgeschneiderten Betriebssystemen bootet das System schneller und benötigt weniger Speicher. Von der Desktop-Oberfläche bekannte Tools sind bereits integriert. Bei traditionellen Anwendungen wie der Lagerverwaltung, der Bestandsverwaltung oder dem Warenausgang bietet Windows CE einige Vorteile.
Benutzer benötigen in diesen Geschäftsbereichen meist nur einige Funktionen, so dass die Gerätehersteller ihre mobilen Computer optimal auf diese vertikalen Lösungen zuschneiden können. Geräte mit Windows CE stellen in der Regel die kostengünstigere Lösung dar und sind besser für Umgebungen mit Terminal-Emulation geeignet.
Windows Mobile weist Vorteile auf, wenn sich die Arbeit am mobilen Computer der am Desktop annähert. Standard-Betriebssystemkomponenten erlauben ein einfaches Portieren von Anwendungen. Spezielle Funktionen von Outlook, Word, Excel, Powerpoint und Internet Explorer sind bereits im Lieferumfang enthalten. Durch die Benutzerverwaltung und Vertrauensstufen bietet Windows Mobile ein Mehr an Sicherheit. Die Standard-Bedienoberfläche und das bekannte Desktop-Design minimieren den Schulungsbedarf. Windows Mobile bietet ab Version 6.5 auch mehr Flexibilität bei der Konfiguration und der Geräteverwendung als bisher. Neben der Datenfunktion bietet Windows Mobile im Gegensatz zu Windows CE eine Standard-Telefonschnittstelle. Nicht zuletzt deshalb ist dieses Betriebssystem die Basis für die meisten im Außendienst und Vertrieb eingesetzten Anwendungen.
Windows Mobile bietet Zugriff auf E-Mails, Nachrichten- und Telefonfunktionen und unterstützt Features wie Touchscreen und Beschleunigungsmesser.
© DatalogicWindows CE mit 57 % Marktanteil und Windows Mobile mit 36 % Marktanteil im Jahr 2012 spielen für die Entwicklung robuster mobiler Computer bei Datalogic eine wesentliche Rolle. Neben der Microsoft-Plattform gibt es jedoch noch weitere, nicht zu vernachlässigende Betriebssysteme:
Palm OS verzeichnete in den letzten Jahren einen zurückgehenden Marktanteil. Seit Palm von Hewlett-Packard übernommen wurde ist unklar, ob die Plattform weiter auf dem Markt für robuste Unternehmenslösungen bestehen bleibt.
Mobile Linux hat seine Stellung auf dem Markt hauptsächlich seinem Open-Source-Ursprung zu verdanken. Außerdem haben viele Unternehmen ihre Backend-Systeme auf Linux umgestellt. Laut VDC-Marktforschern ist es denkbar, dass Mobile Linux in Zukunft eine höhere Portierbarkeit von Anwendungen und kürzere Produkteinführungszeiten bieten wird. Aufgrund der vielen Linux-Versionen könnte es jedoch schwierig werden, einen zuverlässigen Support zu erhalten.
Android von Google als Open-Source- und Linux-basiertes Betriebssystem hat wie viele andere eine relativ kleine Entwicklerbasis und wenig spartenübliche Anwendungen. In der Unterhaltungselektronik ist die Plattform jedoch bereits fest verankert und Google kündigte einen Anstieg der für Android verfügbaren Anwendungen um 70 % an.
Andere Plattformen wie Symbian, BlackBerry, J2ME sowie iPhone von Apple werden bisher kaum in robusten Mobilen Geräten eingesetzt.
Autorin: Susi Stadler ist Fachjournalistin bei Stadler Markenkommunikation.












