Arbeitsmarkt

Corinne Schindlbeck,

Solarbranche sucht Ingenieure und Techniker

Die Solarbranche sucht Ingenieure und Techniker. Vor allem Spezialisten für Leistungselektronik oder Embedded Systems haben sehr gute Karten. Oft finden sich die spannenden Jobs abseits der Ballungszentren bei hochinnovativen Jungunternehmen und Mittelständlern.

Vom weltweiten Ausbau der PV-Produktionskapazitäten profitieren vor allem Beschäftigte im Maschinenbau.

© Roland Berger, Prognos

Vom leeren Arbeitsmarkt profitieren vor allem die Headhunter: Personalberaterin Dr. Christina Höfner zum Beispiel sucht für die Personalberatung PSD Group nach Fach- und Führungskräften für die Branche. Inzwischen muss sie sogar Aufträge absagen. "Nicht ich rufe die Kunden an - die Kunden rufen mich an!" beschreibt sie aktuelle Lage.

Auf der Intersolar haben wir für Sie die spannendsten Jobs in der Photovoltaik-Branche recherchiert. Sehr gefragt sind aktuell Ingenieure mit Schwerpunkt Leistungselektronik und Projektprofis für die elektrotechnische Auslegung von PV-Großprojekten. Aber auch Quereinsteiger mit Passion für Erneuerbare Energien sollten sich durchklicken, denn vor allem in kleineren Unternehmen abseits der Ballungszentren ist der Bedarf so groß, dass nicht selten auch fachfremde Ingenieure und Techniker eingearbeitet werden.

Gehrlicher Solar, München und Neustadt

Gehrlicher Solar plant, baut, finanziert und wartet seit 1994 weltweit Photovoltaikanlagen und zählt zu den zehn größten PV-Projektentwicklern und Systemintegratoren. Die Firma ist zudem Großhändler für PV-Komponenten, Produzent der GehrTec®-Produktfamilie und verwaltet PV-Fonds und Private-Placements für Kapitalanleger. Derzeit hat Gehrlicher in Deutschland an den Standorten Neustadt bei Coburg und München 15 offene Positionen für Elektrotechnik-Ingenieure zu besetzen. Sabine Sattler, Personalleiterin: „Wir suchen Ingenieure für unterschiedliche Fachbereiche und Karrierestufen, vom Junior bis hin zu Führungspositionen. Auch unsere internationalen Standorte haben Positionen im Elektroingenieursbereich ausgeschrieben, unter anderem in Frankreich, Brasilien, Indien und den USA.«

Besonders schwer tut sich Gehrlicher damit, Absolventen und Elektroingenieure mit Erfahrung im Mittelspannungsbereich zu finden. Sattler: „Außerdem suchen wir Ingenieure mit den Schwerpunkten Elektrotechnik, Energietechnik und Konstruktion mit zwei bis vier Jahren Berufserfahrung. Darüber hinaus sind Spezialisten für die Projektfinanzierung teilweise nicht leicht zu finden.“ Rechnet Sabine Sattler durch den beschlossenen Atomausstieg und dem zu erwartenden Boom der Erneuerbaren Energien mit einer Verschärfung des Ingenieurmangels? „Der Ingenieurmangel hat uns schon jetzt erreicht – unabhängig von der Diskussion um den Atomausstieg. Aus unserer Sicht ist und bleibt die Thematik gleichermaßen schwierig.“

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Sunova, Grasbrunn bei München

Sunova aus Grasbrunn bei München ist Spezialist für Solarenergiegewinnung auf Flachdächern. Aktuell sucht das Unternehmen einen Vertriebsingenieur – was sich schwierig gestaltet. Vorstandsmitglied Werner Hillebrand-Hansen: "Den geeigneten Kandidaten zu finden ist derzeit durchaus eine Herausforderung. Photovoltaik ist eben nicht gleich Photovoltaik. Bislang haben sich durchaus kompetente Fachkräfte auf unsere Ausschreibung gemeldet, die langjährige Erfahrungen aus der Photovoltaik-Branche mitbringen. Die aber dann zum Beispiel für Großhändler gearbeitet haben und sich dadurch auch immer auf den Verkauf einzelner Komponenten konzentriert haben. Wir suchen jemanden, der ganze Projekte verkauft und somit eben auch alle Systemkomponenten und Installationsleistungen, etc., die damit in Verbindung stehen."

Wie bewertet Hillebrand-Hansen den Atomausstiegsbeschluss für sein Geschäft? "Derzeit geht die Tendenz stark zu Offshore-Windenergie und sogar zur weiteren Reduktionen bei der Solarenergie. Ich rechne für die kommenden zwölf Monaten nicht mit einem Run im Bereich Photovoltaik in Deutschland. Mittelfristig wird sich das jedoch sicher wieder ändern, weil die dezentrale Photovoltaik ihre Vorteile ausspielen wird und einen entsprechenden Anteil an der Energiewende spielen wird."

Aleo Solar, Prenzlau und Oldenburg

Die Bosch-Tochter Aleo Solar AG entwickelt und produziert im brandenburgischen Prenzlau hochwertige Solarmodule für den deutschen und internationalen Markt. Derzeit meldet Personalreferentin Isabell Rüters fünf offene Stellen für Elektrotechnikingenieure: einen Ingenieur Lötprozesse (m/w), einen Projektingenieur (m/w), einen Qualitätsingenieur (m/w), einen Ingenieur für Zellcharakterisierung (m/w) sowie einen Ingenieur für Prozess Flashen (m/w). Rüters rechnet mit einer weiteren Verschärfung des Ingenieurmangels, "insbesondere mit Blick auf unsere Fertigung in Prenzlau. Wir wappnen uns, indem wir ein umfassendes Weiterbildungsangebot für unsere Mitarbeiter anbieten - mit der Option, sich für höherwertige Positionen im Unternehmen zu qualifizieren."

SEW Eurodrive, Bruchsal

SEW Eurodrive ist Spezialist für Antriebstechnik und sucht bei derzeit 100 offenen Stellen 25 Ingenieure für den Bereich Elektrotechnik. Alle Ingenieurspositionen in der Fachrichtung Elektrotechnik mit Berufserfahrung seien gerade schwer zu besetzen, so das Unternehmen, vor allem im Bereich Forschung und Entwicklung. Rechnet das Unternehmen in Folge des zu erwartenden Booms der erneuerbaren Energien mit einer Verschärfung des Ingenieurmangels? Dazu Anke Karsch, Leiterin Personalentwicklung & Drive Academy:"Der Bedarf an Ingenieuren wird sicherlich durch diesen Trend nicht geringer. Dies ist jedoch nur ein marginaler Effekt." Der grundsätzliche Mangel an Ingenieuren wiege schwerer. "Hier spielen demografische Entwicklung, die Altersstruktur von Betrieben – viele haben ein Durchschnittsalter, welches über 40 liegt - , sinkendes Bildungsniveau und hohe Abbrecherquoten in den jeweiligen Studiengängen, eine wesentliche Rolle."

BASF twittert um Absolventen

BASF will 2011 deutschlandweit rund 450 Hochschulabsolventen einstellen, darunter etwa ein Drittel Ingenieure. Ursula von Stetten, Corporate Communications Europe - Media Relations: "Wir suchen in fast allen Fachgebieten aus den Ingenieurwissenschaften neue Mitarbeiter: von Verfahrenstechnik/Chemie- bzw. Bioingenieurwesen über Maschinenbau, Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurwesen bis hin zu Bauingenieurwesen und Architektur."

Grundsätzlich habe man keine Schwierigkeuten, geeignete Nachwuchskräfte zu finden. Der Markt für bestimmte Hochschul-Fachrichtungen werde aber enger, sodass man mitunter länger nach passenden Kandidaten suchen müsse. v. Stetten: „Gerade Positionen in ingenieurwissenschaftlichen Spezialdisziplinen, wie zum Beispiel Lackingenieure oder Experten für Automatisierungstechnik, aber auch Bau-, Maschinenbau- oder Verfahrenstechnikpositionen, können wir oftmals nicht auf Anhieb besetzen.“

Seit dem Sommersemester 2011 unterstützt BASF das Deutschlandstipendium des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Dazu v. Stetten: „In den kommenden Jahren werden wir 100 Stipendien pro Jahr an Studierende der Fachrichtungen Natur- und Ingenieurwissenschaften, Betriebswirtschaftslehre und Jura vergeben. Außerdem ist die Rekrutierung der BASF seit 2009 in sozialen Netzwerken aktiv. Wir nutzen die sozialen Medien um auf unsere Corporate Website zu verlinken, wo wir uns als Unternehmen und Arbeitgeber ausführlich darstellen.“

ABB, Mannheim

Beate Höger, Leiterin Externe Kommunikation bei ABB, berichtet von derzeit etwa 300 offenen Stellen, wovon ca. 85 Prozent auf Ingenieure entfielen. "Darunter entfallen wiederum rund 60 Prozent auf Elektrotechnikingenieure." Schwer zu besetzen seien aktuell Positionen im Projektmanagement , Vertrieb und Service . Höger: „Wir partizipieren am Markt für erneuerbare Energien und stellen entsprechende Technologien bereit, umSolar- und Windenergie sowie Wasserkraft und Biomasse nutzbar zu machen. Dafür brauchen wir natürlich auch hoch qualifizierte Ingenieure.“

"Internationale Familien-AG": IBC Solar, Bad Staffelstein

Martina Polke ist Director Corporate Affairs bei IBC Solar aus dem fraenkischen Bad Staffelstein. Mit Solarstrom-Technologien machte das Unternehmen 2010 knapp eine Milliarde Umsatz. Polke sucht für ihr Unternehmen vor allem Ingenieure mit Fachrichtung Elektrotechnik, Erneuerbare Energien oder Umwelt- und Energietechnik. Sie kommen zum Beispiel als Anlagenplaner zum Einsatz. Wirtschaftsingenieure stellt Polke ein für Projekte, Systemtechnik und Vertrieb. Besonders schwer gestaltet sich gerade die Suche nach einem Kandidaten für das internationale Projektgeschäft mit sprachlicher und interkultureller Kompetenz und Mobilität in die Zielmärkte Europa, Asien, Indien und China. Polke: "Eine tolle Karrierechance!"

Auf der Intersolar präsentierte das Unternehmen auch Batteriespeicherlösungen für den Eigenverbrauch (die Lithium-Ionen-Polymer-Lösung gibt es für rund 10.000 Euro), die auf großes Publikumsinteresse stießen. Polke: "Aus früheren Jahren haben wir mit anderen Batterie-Speicherlösungen Erfahrung! Wir hatten sie schon im Angebot, als Einspeisung ins öffentliche Netz noch gar nicht möglich war. Der Trend zu Erneuerbaren Energien ist unumkehrbar." Die Unternehmenskultur bei IBC Solar beschreibt Polke als ehrlich und offen: "Wir agieren auf Basis eines klaren Wertesystems, in dem Ehrlichkeit, Freundlichkeit und Wertschätzung einen festen Platz haben. Das ist sogar Bestandteil des Arbeitsvertrages." Weiterbildung habe ebenfalls einen festen Platz im Unternehmen, Bachelor-Absolventen werde ein spaeterer Master-Abschluss ermöglicht, mit finanziellem Zuschuss. Die Fluktuation beziffert Polke mit unter einem Prozent.

Als Auditor zu TÜV Süd

In der TÜV Süd-Jobbörse waren zum Stand 01.06.2011 in Deutschland 65 Positionen unter dem Stichwort „Elektrotechnik“ zu finden, 20 davon richten sich an Berufseinsteiger. Die Aufgaben eines Elektrotechnik-Ingenieurs bei TÜV Süd sind laut Auskunft von Titus Alexander, Leiter Konzernbereich Personal, abhängig vom Einsatzbereich ganz unterschiedlich: "In der Mobilität, in der Industrie oder in der Weiterbildung: In den Bereichen Förder- und Gebäudetechnik – zwei der größten Arbeitsbereiche für Elektrotechniker bei TÜV SÜD – geht es um die Faszination von größeren technischen Anlagen wie Aufzügen, Rolltreppen, Kränen oder Achterbahnen. Immer beliebter werden Stellen im Umfeld der regenerativen Energien, zum Beispiel suchen wir für unsere Offshore-Abteilung am Standort Hamburg momentan mehrere Elektroingenieure."

Besonders anspruchsvolle Aufgaben bietet TÜV Süd Experten im Bereich der Elektrotechnik als Auditor, weil hier neben der technischen Qualifikation oft auch kaufmännisches und ein gewisses Vertriebs-Know-how gefragt ist. Wichtig sind zudem Projektmanagementqualitäten. Neben der Durchführung von qualitätsgerechten, prozesskonformen und kostenoptimalen Audits übernehmen die Auditoren auch fachliche Verantwortung für die Einhaltung festgelegter Abläufe und Fristen und verhandeln direkt mit Kunden und Dienstleistern. Alexander erklärt: "Bei diesen Positionen sind neben einem guten Studienabschluss mehrjährige Berufserfahrung beziehungsweise Branchenkenntnisse erforderlich, im besten Fall soll der Bewerber zudem bereits eine Anerkennung als QM-Auditor oder als Sachverständiger vorweisen können. Bei diesen Anforderungen ist das Angebot an geeigneten Kandidaten meist überschaubar."

Heliatek - Spezialist für organische Solarzellen mit Tandemtechnologie

Mehrere Positionen für Ingenieure sind derzeit bei Heliatek in Dresden frei. Die 2006 als Spin-off der Universitäten Dresden und Ulm gegründete Heliatek GmbH entwickelt organische Solarzellen mit einer proprietären Tandemtechnologie aus sog. "kleinen Molekülen", die chemisch aus Kohlenwasserstoffen synthetisiert werden. An Heliatek sind mehrere Großunternehmen beteiligt, darunter RWE und BASF, Bosch  sowie der Venture Capital-Investor Wellington Partners. Am Standort Dresden arbeiten über 50 Mitarbeiter, in Ulm zehn Chemiker.

Steffanie Rohr, Marketingleiterin bei Heliatek: "Wir sind ein junges, motiviertes Team, das sich kontinuierlich im Ausbau befindet. Durch das enorme Wachstums der Solarindustrie entstehen viele neue Arbeitsplätze. Das zieht auch verstärkt junge Menschen an. Studienplätze im Bereich der erneuerbaren Energien boomen und es gibt ausgezeichnete Entwicklungsmöglichkeiten – mit drei Jahren Berufserfahrung gilt man in der Branche als alter Hase.“

Schreckt Bewerber vielleicht ab, dass Heliatek trotz innovativer Technologie und Erfolgen beim Wirkungsgrad der "Plastik-Solarzellen" immer noch kein einsatzfähiges Produkt hat? "Wir konnten bisher viele gute Mitarbeiter, auch aus der Branche, gewinnen. Das Risiko eines Arbeitsplatzverlusts ist gering, weil wir finanzstarke Shareholder im Rücken haben, die das hohe Potenzial unserer Technologie erkennen. Und die Branche ist zukunftssicher.", glaubt Rohr, auch wenn die Solarbranche insgesamt sich derzeit konsolidiere, weil der Druck auf der Kostenseite enorm sei. Am Einstellungsbedarf der Firmen ändere das aber wenig, auch nicht bei Heliatek: "Wir entwickeln uns weiter, wir rekrutieren weiter!" Derzeit warteten vier Stellen für Ingenieure auf Besetzung, darunter drei Leitungspositionen.

Phönix Solar, Sulzemoos zwischen München und Augsburg

Andrea Wegner, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Phoenix Solar AG, und Lydia Dyck, verantwortlich für das Recruiting, standen für das Interview zur Verfügung: "Die Phoenix Solar AG ist ein international führendes Photovoltaik-Systemhaus. Wir entwickeln, planen, bauen und übernehmen die Betriebsführung von Photovoltaik-Großkraftwerken. Außerdem sind wir Fachgroßhändler für Solarstrom-Komplettanlagen, Solarmodule und Zubehör." Derzeit arbeiten über 400 Mitarbeiter an 13 Standorten auf vier Kontinenten für Phoenix Solar.  Vor allem Projektingenieure/Anlagenplaner, natürlich auch Frauen, werden unter anderem für die elektrotechnische Auslegung von Photovoltaikanlagen, gesucht. Die Besetzung der offenen Stellen ist anspruchsvoll, trotz attraktiver Vergütung und eines hervorragenden Betriebsklimas, das Wegner als "Phoenix Spirit" beschreibt.  Mitarbeiter hätten viel Raum für eigene Ideen, engagierten und flexiblen Mitarbeitern würden eine Vielzahl an Möglichkeiten geboten - national aber vor allem auch international.

Um die Worklife-Balance der Beschäftigten zu unterstützen, steht den Mitarbeitern der Phoenix Solar ein Familienservice zur Verfügung. Ethik werde ebenfalls groß geschrieben, "so wollen wir zum Beispiel CO2-neutral werden", berichtet Andrea Wegner. Auch wenn der Solarmarkt derzeit unter Druck sei und somit auch Phoenix Solar als wichtiger Player, ändere das nichts am Einstellungsverhalten. "Wir werden weiter wachsen, und stellen wie geplant weiterhin ein. Vor allem für den Kraftwerksbau, für den Bereich Technik und das Projektgeschäft werden qualifizierte Mitarbeiter, Elektroingenieure, Maschinenbauer sowie Wirtschaftsingenieure gesucht. Bewerber mit fundiertem Photovoltaik-Know-how haben sehr gute Chancen bei uns," wirbt Lydia Dyck.

Soleg - Lebensqualität im Bayerischen Wald

Bernhard Seiler leitet die Soleg Group AG im niederbayerischen Teisnach im Bayerischen Wald, ein international agierendes Großhandelsunternehmen und Systemspezialist für Solarstrom, Solarwärme und innovatives Heizen mit Holz sowie Generalunternehmer für schlüsselfertige Photovoltaik-Großprojekte. Besonders gesucht ist neben weiteren offenen Stellen für Ingenieure, Meister und Techniker ein Leiter Projektentwicklung für Photovoltaik-Großanlagen. Seiler: "Ein Ingenieur mit Schwerpunkt Nachrichtentechnik oder Energietechnik wäre ideal!" Deshalb sucht Bernhard Seiler auch überregional, wohl wissend, wie schwierig es ist, Nicht-Bayern die Vorzüge des Bayerischen Waldes zu vermitteln. "Wir sind hier eine Urlaubsregion, das wissen noch die meisten. Teisnach ist aber zum Beispiel auch Forschungs- und Dienstleistungsstandort für optische Technologien und Hochfrequenztechnik. Ostbayern hat zu Unrecht ein Imageproblem."

Um seinen Fachkräftebedarf zu decken, kooperiert Soleg viel mit regionalen Hochschulen wie Deggendorf, Landshut oder Regensburg, vergibt Stipendien und beschäftigt Praktikanten, Diplomanden und Werkstudenten. Diese Rechnung geht auf, "wir haben einen hohen Anteil an Neueinsteigern, doch erfahrende Leute zu bekommen, ist ein großes Problem." Zudem attackierten häufig Headhunter sein Personal und lockten mit hohen Gehältern - da mitzugehen ist Seiler aber nicht immer in der Lage. "Dafür sind aber auch unsere Lebenshaltungskosten niedrig, Baugrund und Mieten günstiger! Die Lebensqualität hier stimmt einfach."

Solutronik, Esslingen

Solutronik hat seinen Sitz in Köngen, fünf Kilometer von Esslingen entfernt und ist Spezialist für die Entwicklung und den Vertrieb von Wechselrichtern. Das Unternehmen sucht Ingenieure, "aber es ist richtig schwierig", sagt Sybille Scheuerle, die Marketing und Personal in der Firma verantwortet. Im Umkreis zögen die Großen, Daimler, Bosch oder Porsche, alle guten Absolventen von den Unis ab und zahlten zudem Gehälter, bei denen Sybille Scheuerle passen muss. "Es ist ein enger Wettbewerb", seufzt sie. Solutronik sucht Elektroingenieure und gute Techniker, Leistungs- und Hardware-Elektroniker, die hard- und softwareübergreifend arbeiten und denken können, "Generalisten eben.", sagt Scheuerle.

Aber: "Richtig schwierig, die zu finden", wiederholt sie und gibt zu, dass man eben auch hohe Ansprüche an die Bewerber habe und Absolventen nicht in Frage kämen, weil man keine Zeit habe, die Leute einzuarbeiten, "wir wachsen extrem schnell!" In anderthalb Jahren habe sich die Mitarbeiterzahl verdoppelt. Das Gehaltsniveau? "Normal, zwischen 4500 und 6500 pro Monat." Bachelor oder Master? "Wir brauchen den Master." Ein gutes Team sei man, mit guter Infrastruktur und regelmäßigem Firmenfrühstück, als Firmenleitung lege man Wert auf regelmäßige und gute Kommunikation. "Aber es ist wirklich sehr schwierig", schließt Scheuerle.

Juwi, Wörrstadt in Rheinhessen

Juwi plant, projektiert, finanziert und betreibt seit 1996 Anlagen zur Nutzung von Wind- Sonnen und Bioenergie. Inzwischen ist aus dem Zwei-Mann-Büro der Firmengründer Fred Jung und Matthias Willenbacher ein internationales Unternehmen mit gut 1400 Mitarbeitern weltweit geworden. Firmenphilosophie ist "100 Prozent Erneuerbare Energien". Aktuell sind 180 Stellen offen, darunter zehn für Elektroingenieure, die vor allem im Solarbereich zum Einsatz kommen. Jeder neue Mitarbeiter in Festanstellung beginnt seine Aufgabe bei Juwi erstmal in der firmeneigenen Akademie, die ein halbes Jahr lang parallel zum Job läuft und die Grundlagen zu Bio-, Solar- und Windenergie vermitteln soll.

"Personalentwicklung ist bei uns sehr wichtig", sagt Christina Castor, Projektmanager Personal bei Juwi, genauso wie die Unternehmenskultur. "Wir bieten einen Fitnessraum, einen Betriebskindergarten und einen Shuttle-Service aus Mainz, um unsere Mitarbeiter zur Arbeit zu bringen. Sie arbeiten mit Herzblut, ihre Leidenschaft für unsere Unternehmensvision 100 Prozent Eneuerbare Energien spüren wir täglich."

Q3, Biberach

Q3 ist ein noch junges Unternehmen aus Biberach, südlich von Ulm, das sich auf die Entwicklung von Wechselrichtern, Visualisierungssysteme und Antriebselektronik spezialisiert hat. "Vorzugsweise für die Erneuerbaren Energien. Wir stehen nicht nur auf einem Fuß", sagt Geschäftsführer Joachim Koch, "gerade haben wir eine Notabschaltung für Photovoltaikanlagen entwickelt." Man suche "dringend" Ingenieure, "da uns die Manpower fehlt." Arbeiten bei Q3 bedeute, dass man von Anfang bis Ende für ein Projekt verantwortlich sei, "bei uns ist man kein kleines Rädchen im Getriebe."

Doch die Arbeitslosigkeit im Umkreis Biberach betrage 2,6 Prozent, "Vollbeschäftigung", sagt Koch. Es sei schwer, Ingenieure zu bekommen. Momentan suche man drei Entwickler für Leistungselektronik. Betriebsklima? "Ist uns wichtig", sagt Koch. "Wir haben Spaß miteinander und einen lockeren Umgangston." Gehalt? "Bei den Mitarbeitern sollte man nicht sparen. Hier in der Region liegen die Gehälter ab 40.000 Euro für den Einsteiger." Bachelor oder Master? "Ich glaube an den Bachelor", sagt Koch, "den kann man noch formen."

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