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Artikel und Hintergründe zum Thema

Job & Mensch

Autorin: Nikola Doll / Redaktion: Alexandra Hose,

Resilienz, die Superkraft im Job

© stock.adobe.com/jechm

In der modernen Arbeitswelt sollen die Mitarbeiter mit Stress-Situationen relaxt umgehen können. Resilienz ist dabei das Schlagwort, damit ein Gefordert-Sein nicht ins Überfordert-Sein umschlägt.

Die Zahl der psychischen Erkrankungen von Arbeitnehmern steigt. Als Hauptursache dafür wird meist erhöhter Stress am Arbeitsplatz genannt, der aus größerem Arbeitsvolumen, rasantem technischem Fortschritt und gesellschaftlichem Wandel resultiert. Mit diesem Befund allein kommen Unternehmen beim Fördern und Bewahren der Gesundheit ihrer Mitarbeiter aber nicht weit, da sich in ihm auch Markterfordernisse widerspiegeln. Dazu ist es sehr subjektiv, was eine Person als Stress erlebt: Widmet sich ein Mitarbeiter mit Freude einer neuen Aufgabe, gerät ein anderer in Panik.

Solche individuellen Denk- und Verhaltensmuster spielen beim Stressempfinden eine große Rolle. Und die Mitarbeiter zeigen sie außer am Arbeitsplatz auch zu Hause, denn sie sind ein Teil ihrer Persönlichkeit. Deshalb lassen sich, wenn es um den Krankmacher ‚Stress‘ geht, Berufliches und Privates schwer trennen. Unternehmen kommen daher mit einer Gesundheitsprävention, die sich rein auf ein gesundheitsgerechtes Gestalten des Arbeitsumfelds konzentriert, nicht weit. Sie müssen vielmehr den Menschen als Ganzen im Blick haben.

Work-Life-Balance-Maßnahmen genügen nicht

Präventionskonzepte orienteren sich nur noch selten ausschließlich am Ziel ‚Krankheit vermeiden‘. Ihnen liegt vielmehr ein Präventionsansatz zugrunde, der sich an Zielen wie ‚Steigern der Vitalität und Lebensfreude‘ und ‚Selbstbewusster/bestimmter leben‘ orientiert. Entsprechend boomten im vergangenen Jahrzehnt Maßnahmen zum Bewahren der Work-Life-Balance der Mitarbeiter – angefangen bei Stressmanagement-Seminaren bis hin zu Entspannungskursen. Zudem offerieren die Betriebe ihren Mitarbeitern heute mehr Möglichkeiten, ihre Arbeitszeiten flexibel zu gestalten. Auch Kinderbetreuungsangebote und Angebote zur Kurzzeitpflege von Angehörigen sind nicht ungewöhnlich.

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Das alles sind zielführende Maßnahmen zum Bewahren der Lebensbalance und Leistungskraft der Mitarbeiter. Doch inzwischen erkennen immer mehr Unternehmen: Mit ihnen allein können wir die bei unseren Mitarbeitern Stress auslösenden Faktoren nur bedingt beheben. Denn eine Fiktion wäre es anzunehmen, dass der Wettbewerbs- und Veränderungsdruck, der auf den Unternehmen lastet, in den kommenden Jahren sinkt. Also wird auch die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter steigen – ebenso der Druck, sich neuen Herausforderungen zu stellen und eine große Verhaltensflexibilität zu zeigen.

Deshalb müssen die Mitarbeiter künftig über die Kompetenz verfügen, auch in Stresszeiten, wenn es beruflich oder privat mal heiß hergeht, ihre Lebensbalance zu bewahren, und mit neuen Herausforderungen produktiv umzugehen. Beim Entwickeln dieser Fähigkeiten sollten Unternehmen ihre Mitarbeiter unterstützen.

Die Widerstandskraft erhöhen

Im Betriebsalltag registriert man oft, dass Menschen auf dieselbe Belastung unterschiedlich reagieren. Während zum Beispiel ein Mitarbeiter wegen der ‚stressigen Arbeitsbedingungen‘ einen Burn-out erleidet und für längere Zeit ausfällt, klagt ein anderer zwar auch ab und zu über die fordernde Situation im Arbeitsalltag, doch dann macht er sich wieder voller Elan und Zuversicht ans Werk.

Warum dies so ist, damit beschäftigt sich die Resilienzforschung und kommt zum Schluss: Manche Menschen haben eine höhere Widerstandsfähigkeit als andere. Sie haben sozusagen eine ‚dickere Haut‘, wenn es um den Umgang mit herausfordernden Situationen geht. Deshalb perlen Belastungen an ihnen scheinbar ab, während sie bei anderen zu einer Überforderung führen.

Acht Merkmale widerstandsfähiger Mitarbeiter

Die Resilienzforschung zeigt, dass Menschen mit einer hohen Resilienz beziehungsweise Widerstandsfähigkeit in der Regel folgende Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale haben:

Positives Denken: Widerstandsfähige Menschen reagieren auf neue An- und Herausforderungen nicht panisch. Sie denken vielmehr: Irgendwie schaffe ich das schon – auch wenn ich noch nicht weiß wie.

Selbstwertgefühl: Sie glauben an sich und an das, was sie können und tun.

Problemlösefähigkeit: Sie denken lösungsorientiert und planen ihre Zukunft. Sie blicken ihr nicht besorgt entgegen.

Selbstverantwortung: Sie nehmen ihr Leben und Schicksal in die Hand und lassen sich nicht in eine Opferrolle drängen.

Selbstwirksamkeit: Sie akzeptieren (negative) Dinge und Umstände zunächst, so wie sie sind. Sie lassen diese aber nicht so: Sie verändern sie.

Soziale Kompetenz: Sie bleiben bei Stress im Dialog mit ihrer Umwelt. Sie bitten bei Bedarf um Unterstützung oder organisieren diese selbst.

Achtsamkeit: Sie haben ein Gespür für sich selbst. Sie wissen, was ihnen (nicht) gut tut, und spüren, wann sie an ihre Belastungsgrenzen stoßen.

Stressbewältigungsstrategien: Sie haben Strategien entwickelt, um auch in Stresszeiten für die nötige Entspannung zu sorgen und, soweit möglich, die Balance in ihrem Leben zu wahren.

Eine resiliente Persönlichkeit werden

Die Resilienzforschung zeigt zudem: Die genannten Fähigkeiten und Eigenschaften schlummern in fast allen Menschen. Ohne eine externe Unterstützung fällt es aber oft schwer, diese zu aktivieren. Denn dies setzt ein Bewusstsein darüber voraus: Wie reagiere ich regelmäßig in gewissen Situationen? Zum Beispiel bei neuen Herausforderungen? Oder wenn wichtige Entscheidungen anstehen? Außerdem: Warum reagiere ich so und nicht anders?

Diese Fragen stellen sich allerdings nicht viele Menschen. Und wenn doch, dann finden sie womöglich nicht die rich-tigen Antworten, weil sie nicht registrieren, dass sie in vergleichbaren Situationen stets ähnlich reagieren. Oder weil ihnen ihr Verhalten so selbstverständlich erscheint, dass sie sich nicht vorstellen können, anders zu reagieren.

Nikola Doll ist Führungskräfte-Trainerin bei Doll Organisationsberatung in Neustadt an der Weinstraße. © Doll Organisationberatung

Unternehmen, die ihre Mitarbeiter beim Steigern ihrer Resilienz unterstützen möchten, offerieren ihnen daher entsprechende Seminare oder stellen ihnen einen Coach zur Seite. Er unterstützt, ihre Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen. Elementarer Aspekt dabei ist außerdem, die Selbst-Achtsamkeit der Mitarbeiter zu erhöhen, also ihre Sensibilität dafür, wann sie in eine Situation geraten, in der eine Überforderung droht. Denn dann können sie noch gegensteuern und sich Hilfe organisieren, so dass ein ‚Ausbrennen‘ und somit ein Burn-out gleich im Ansatz verhindert wird.

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