Perspektivwechsel
Konzept ,Hope and Trust´ als Wirtschaftsfaktor
Gerade im industriellen Mittelstand bleibt Vertrauen oft das einzige Kapital, das Krisen übersteht. „Hope & Trust Leadership“ heißt das Konzept, das aus emotionaler Stabilität wirtschaftliche Stärke formt – und damit Führung radikal neu denkt.
Planung wandelt sich zur Hypothese, Sicherheit zu Wunschdenken – in den letzten Jahren haben sich die Koordinaten verschoben. Führungskräfte versuchen Stabilität zu simulieren, Mitarbeiter wünschen sich Orientierung im Ungewissen, so fomuliert Ben Schulz, Unternehmensberater und Führungsexperte, die derzeitige Situation im Mittelstand.
Mehr als die Hälfte der Beschäftigten sehnt sich nach Hoffnung, ein gutes Drittel gibt Vertrauen als zentrales Bedürfnis an, nach dem Global Leadership Report von Gallup 2025. Kurz gesagt: Hope und Trust heißt die Devise. „Das sind keine Soft Skills, sondern harte Signale. Wer heute führt, muss nicht nur operative Fragen beantworten, sondern auch Antworten auf emotionale Unsicherheit geben“, sagt Ben Schulz, Unternehmensberater und Führungsexperte. „Es entstehen zwei Pole, indem der Markt Tempo forciert, die Menschen aber Halt fordern. Aus dieser Spannung ging in ‚Hope & Trust Leadership‘ eine neue Führungsdimension hervor.“ Was zunächst sanft klingt, kristallisiert sich als radikal heraus. „Es geht um nichts weniger als einen Perspektivwechsel, weg von Führung als Steuerung, hin zu Führung als Resonanz.“
Hoffnung und Vertrauen als neue Managementwährung
Hope Leadership bedeutet, Handlungsfähigkeit dort herzustellen, wo Angst lähmt. Trust Leadership dagegen schafft Nähe, wo Distanz entstanden ist. „Beides zusammen verkörpert das Fundament, auf dem Unternehmen in einer Dauerkrise überleben – und wachsen können. Die Rolle von Hoffnung in diesem Zusammenhang ist weder positives Denken noch Motivationstraining. Sie meint, Menschen zu befähigen, Zukunft zu gestalten, obwohl sie unsicher ist“, so Schulz.
Zahlen, die aus dem Harvard Business Review von 2024 hervorgehen, zeigen: Unternehmen mit hoher Vertrauenskultur erreichen bis zu 74 Prozent weniger Stress, 29 Prozent mehr Lebensfreude und 50 Prozent höhere Produktivität bei den Mitarbeitenden. „Dazu korreliert Hoffnung direkt mit Engagement, stärker als beispielsweise Bezahlung oder Arbeitszeitmodelle. Damit stellt Hope & Trust Leadership einen echten Wirtschaftsfaktor dar“, stellt Schulz heraus. Für Unternehmen ist das ein bedeutendes Thema, doch viele Mittelständler tun sich nach wie vor schwer, darüber zu sprechen.
Vertrauen: Das Kapital, das Krisen übersteht
In Unternehmen herrscht oftmals noch der Glaube, dass es sich bei Konzepten wie Hope & Trust vor allem um sogenanntes Feel-Good-Management handelt. Im Gegensatz dazu geht es aber vielmehr um Wirksamkeit und die Fähigkeit, Menschen in Bewegung zu halten, wenn äußere Sicherheit nicht gegeben ist. Hier liegt eine große Chance. „Gerade im industriellen Mittelstand – in Stadtwerken, im Maschinenbau, in der Energiebranche – bleibt Vertrauen oft das einzige Kapital, das Krisen übersteht. Und Hoffnung ist der Treibstoff, der Veränderung überhaupt erst ermöglicht“, zeigt Schulz auf.
Führungskräften gelingt es mit drei Prinzipien, ihren Mitarbeitenden dies zu vermitteln. „Sie erzählen von der Zukunft, aber beschönigen sie nicht. Außerdem teilen sie Verantwortung und investieren so in Vertrauen. Darüber hinaus lassen sie Nähe zu, frei nach dem Motto ‚Menschen folgen Menschen‘“, erklärt Schulz. Demnach ist Führung kein Machtinstrument, sondern ein Beziehungssystem.
Quellen: Global Leadership Report: What Followers Want, Gallup, 2025.
Harvard Business Review, 2024.











