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Artikel und Hintergründe zum Thema

Nachgehakt bei Christian Eder

Lukas Dehling,

In Echtzeit investiert

Auf der zurückliegenden embedded world gab Congatec die Übernahme des Hypervisor-Herstellers Real-Time-Systems (RTS) bekannt. Christian Eder über die Hintergründe der ersten Akquisition der Firmengeschichte.

"Ziel ist es, den Real-Time Hypervisor als De-facto-Standard in unserer Branche zu etablieren", so Christian Eder, Director Marketing bei Congatec.

© congatec

Herr Eder, wie ist die Integration des ­Unternehmens geplant? 
Das Unternehmen bleibt in seiner jetzigen Form bestehen und wird auch weiterhin alle Hersteller von Computersystemen beliefern und unterstützen. Dabei kann Real-Time Systems nun auf die weltweiten Ressourcen von Congatec zurückgreifen, um den Vertrieb des Real-Time-Hypervisors global ­voranzubringen. Auch RTS-Geschäfts­führer Gerd Lammers wird weiter an Bord bleiben. 

Was ist technologisch zu erwarten? 
Mit dem RTS-Hypervisor können verschiedene Betriebssysteme auf einer einzigen Hardware-Plattform betrieben werden. Der weiterhin starke Trend hin zur Multicore-Technologie sowie erweiterter Echtzeit-Fähigkeit macht den Einsatz dieser Technologie notwendiger denn je. Durch die Übernahme können jetzt x86-Hardware-Entwickler sowie BIOS- und Firmware-Ingenieure mit den Hypervisor-Entwicklern ganz eng zusammenarbeiten, um die bestmögliche Echtzeit-Performance und Determinismus zu erzielen. Insbesondere Anwender im Bereich der Automatisierung und Medizintechnik werden davon unmittelbar profitieren. 

Können Sie hier konkrete Anwendungen in der Automatisierung nennen?
Kunden können durch die steigende Zahl der CPUs zunehmend modularer arbeiten und Virtuelle Maschinen als Funktions­module entwickeln, die etwa für Motion Control von mehreren Achsen oder die Kommunikation über Echtzeit-Ethernet, TSN und viele weitere Aufgaben des Edge-Computings erforderlich sind. Zudem kann nun auch dem Endanwender eine eigene ­Virtuelle Maschine für seine Betriebssystem-Umgebung zur ­Verfügung gestellt werden, die er exklusiv für seine spezifischen Aufgabenstellungen nutzen kann. Beispielsweise zur Synchro-nisation einer Maschine mit den Aufgaben seiner Multi-Vendor-Fabrik. Solche Aufgaben liegen regelmäßig außerhalb des ­primären Funktionsumfangs der Steuerung und des HMIs des OEM. Dennoch müssen OEM heute solche Industrie-4.0-Schnittstellenfunktionen ermöglichen.

Was zeichnet den RTS-Hypervisor gegenüber Wettbewerbslösungen aus?
Er läuft ohne Anpassung auf beliebigen x86-Multicore-Systemen und unterstützt dabei alle gängigen Echtzeit- und General-Purpose-Betriebssysteme. Durch den sogenannten Privilegierten Modus für den Betrieb von Echtzeit-Betriebssystemen werden zusätzliche Latenzen durch Virtualisierung ausgeschlossen und die harte Echtzeit-Fähigkeit und Determinismus bleibt erhalten. Zudem ist er einfach zu in-stallieren und es können die bestehenden Gerätetreiber, Entwicklungstools und -prozesse weiter genutzt werden, um eigene Echtzeit-Applikationen mit Virtuellen Maschinen für ein Gateway oder ein HMI zu ergänzen.

Für den Hypervisor selbst sind keine speziellen Entwicklungstools erforderlich. Das macht die Entwicklung für RTS-Anwender besonders sicher, denn sie können für jedes Betriebssystem die jeweils vom Hersteller vorgesehenen Entwicklungswerkzeuge und Compiler nutzen. Durch die klare Partitionierung werden den Gastbetriebssystemen üb-licherweise keine emulierten, sondern die real existierenden Geräte zugewiesen. Dadurch können die vorhandenen Gerätetreiber ohne Anpassungen weiter verwendet werden. 

Gemeinsam mit weiteren Unternehmen der SGET hat Congatec den ‚Universal IoT Connector‘ entwickelt. Noch ein ­Einsatzfeld für den Hypervisor?
Es ist sicherlich hochinteressant, diese Gateway-Logik in einer Virtuellen Maschine abzubilden, da man sie so auch leicht ­portieren kann. Deshalb werden wir den Universal IoT Connector selbstverständlich auch als Virtuelle Maschine ­anbieten. Das ist aber kein Muss. Letztlich müssen Kunden selbst ent­scheiden, wie sie ihre Daten in die Cloud bekommen wollen. Da gibt es viele Lösungswege. Da der UIC aber ein rein ­softwarebasierter Standard ist, um die Verbindung zwischen ­Hardware und Cloud zu standardisieren, ist er dazu prädestiniert, in einer Virtuellen Maschine betrieben zu werden, die das ­Echtzeitsystem nicht stört.                                                 

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