3 Fragen an ... Rutronik
»Die beste Lösung für den individuellen Fall«
Den allgemeingültigen Standard für das perfekte Edge-System gibt es nicht. Wie man sich dem annähert, beschreibt Bernd Hantsche im Interview
Bernd Hantsche ist seit 2005 bei Rutronik und spezialisierte sich im hochdynamischen Marktsegment der Funktechnik. Seit 2015 zeichnet der Diplom-Ingenieur für Elektro-/Automatisierungstechnik (FH Aachen) als Director Product Marketing für den Bereich Embedded & Wireless verantwortlich und (er-)kennt die Funk-Trends für Industrie & Endverbraucher.
Durch das Industrial Internet of Things fallen immer mehr Daten an, die es zu bewältigen gilt. Es gilt, dieser Datenkomplexität Herr zu werden. Welche Rolle spielt dabei Edge Computing?
Hantsche: Im Allgemeinen ist das Wachstum der erzeugten Daten wesentlich höher als das Wachstum der Datenübertragungsraten und Übertragungskapazitäten. Dadurch entsteht eine Überlastung der Übertragungswege. Das heißt, eine entsprechende Komprimierung des Übertragungsvolumens nah am Ort der Datenerhebung ist unabdingbar, um der weiteren Digitalisierung bzw. Vernetzung von Dingen auch langfristig gerecht zu werden. Ohne Edge Computing hätten wir also schnell noch größere Infrastruktur- und Übertragungskapazitätsprobleme, als dies bereits heute schon kritisiert wird.
An der Edge werden Sensordaten vorausgewählt, Softwareapplikationen abgearbeitet oder gar KI-Berechnung durchgeführt. Was sollten Anwender in Bezug auf die Edge-Software-Landschaft beherzigen? Welche Technologien sollen/müssen unbedingt berücksichtigt werden?
Hantsche: Pauschal ist dies nicht zu beantworten, sondern es geht darum, die beste Lösung für den individuellen Fall zu finden. Wenn beispielsweise nur wenige Daten vorverarbeitet werden sollen, womöglich auch noch batteriebetrieben und ohne das Volumen der Sensorhardware merklich zu vergrößern, fällt die Wahl auf System-on-Chip bzw. bei kleineren Mengen zu einem System-in-Package oder System-on-Module. Bei diesen Beispielen für KI-Einsätze, Pattern-Matching oder ML-Algorithmen empfehlen wir aufgrund unserer Erfahrungswerte, sich beispielsweise das Softwareangebot von ‚Edge Impulse‘ anzuschauen, welches zu einem Großteil unserer Hardware kompatibel ist. Unser Ziel ist es dabei, erprobte Softwarelösungen für die Hardware zu vermitteln, um im Sinne des Anwenders ein innovatives Gesamtprodukt zu erhalten.
Mit den Aufgaben wachsen die Anforderungen an die Hardware. Auf was sollten Anwender bei der Auswahl der passenden Edge-Computing-Hardware achten?
Hantsche: Die Wahl der passenden Edge-Computing-Hardware wird entscheidend von der Art der anfallenden Daten wie Video, Audio, Sensorwerte, Dateien, Datenbanken, als auch von der Masse der Daten, also Anzahl und Takt des auftretenden Volumens, beeinflusst. Daher decken wir bei Rutronik mit unserem Produktportfolio – vom stromsparenden Controllerchip bis zum Mehrkern-Hochleistungsmikroprozessor – die gesamte Brandbreite ab, um je nach Anwendung die passende Hardware zu finden. Unsere FAE´s und Produktspezialisten unterstützen bei der Vorauswahl zu den jeweiligen Kundenprojekten und stellen komplette Systemlösungen zusammen. Ein Leistungspolster für zukünftige Softwareupdates sollte man jedoch prinzipiell einplanen.










