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Artikel und Hintergründe zum Thema

Dell OEM Solutions

Dell bricht in die industrielle IoT-Welt auf

Dell will künftig im Umfeld des industriellen IoT ein gewichtiges Wort mitreden. Wie dies gelingen soll, erklären Dermot O`Connel, Executive Director von Dell OEM Solutions, und Regional Sales Director Europe Central Helmut Schmidt im Gespräch mit Markt&Technik.

Dermot O´Connell, Dell OEM Solutions: "Wenn der Kunde über Sensoren und ein Konzept verfügt, dann können wir darauf ein vollständiges und auf ihn zugeschnittenes IoT-System aufsetzen."

© Dell OEM Solutions

Bienen summen um ihren Stock, der auf dem Dach eines Gebäudes aufgestellt ist. Doch sie sollen weit mehr tun, als Pollen sammeln und Honig produzieren - sie sollen den Weg in die Zukunft weisen. Denn rund um den Bienenstock sammelt eine Vielzahl von Sensoren die Wetterdaten und Informationen aus der Umgebung, und sie überwachen die Aktivitäten der Bienen. Der Bienenstock steht nicht auf irgendeinem beliebigen Gebäude: Das Dach gehört zum IoT-Lab, das Dell im vergangenen Jahr in Limerick (Irland) eröffnet hat. "Die Daten, die die Sensoren sammeln, bereiten wir auf, und wir stellen sie Wissenschaftlern zur Verfügung, die sie auswerten, um damit die Ursachen des Bienensterbens erforschen zu können", sagt Dermot O´Connell, Executive Director & General Manager von Dell OEM Solutions EMEA.

Dell OEM Solutions will damit nicht unter die Bienenforscher gehen, sondern etwas ganz anderes zeigen: Auch wenn es viele noch gar nicht bemerkt haben dürften, beschäftigt sich Dell nach der Gründung von Dell OEM Solutions intensiv mit dem Thema Internet of Things. "Mit den Forschungen zum Bienensterben wollen wir ein Beispiel dafür geben, wie sich durch die Erhebung vieler Daten und die Analyse großer Datenmengen Probleme lösen lassen", sagt Dermot O´Connell. Das neue IoT-Lab in Limerick zeigt auch, welchen Stellenwert das Thema IoT inzwischen bei Dell einnimmt. Dell OEM Solutions beschäftigt derzeit ca. 600 Mitarbeiter weltweit. Die zuletzt veröffentlichten Umsatzzahlen lagen bei rund 2,5 Mrd. Dollar. Und Dell hat sich ein klares Ziel gesetzt: das Geschäft in den Embedded-Märkten, insbesondere auch im IoT Umfeld, stark auszubauen.
 
Deshalb auch das IoT-Lab in Limerick: Es soll den Kunden die Möglichkeit eröffnen, ihre IoT-Konzepte auf den Prüfstand zu stellen, ohne dazu zuvor das gesamte Equipment kaufen zu müssen. "Wir haben alle Geräte, um die Daten von den Sensoren in die Cloud zu übertragen, einschließlich der erforderlichen Middleware und der Analysesoftware. Wenn der Kunde über Sensoren und ein Konzept verfügt, dann können wir darauf ein vollständiges und auf ihn zugeschnittenes IoT-System aufsetzen", erklärt Dermot O´Connell. Und was ebenso wichtig sei: "Wir können unseren Kunden dabei helfen, das System global auf den Markt zu bringen."

Die Systeme können die Anwender auf Basis eines umfangreichen Angebots aufbauen: Mehrere tausend Produkte stehen zur Verfügung. Dazu zählen nicht nur die Standard-Geräte. Auf Wunsch liefert Dell die Produkte vorkonfiguriert, kann sie aber auch vollständig kundenspezifisch auslegen. "Die Stückzahl 1 ist kein Problem, und wir können die Geräte an unseren vielen Standorten weltweit bauen und versenden. Wir sind damit vom Tag eins an global", sagt Helmut Schmidt, Regional Sales Director Europe Central von Dell OEM Solutions. Er stieß vor zweieinhalb Jahren zu Dell und verfügt über viele Jahre Erfahrung in der Embedded-Industrie. Damit passt er genau in die OEM-Division von Dell: "Wir verfügen nicht nur im IT-Bereich über sehr viel Erfahrung und Know-how, sondern auch auf dem Gebiet der Operation Technology (OT). Deshalb können wir in IoT-Umgebungen sehr komplexe Systeme schnell zum Laufen bringen."

Dazu liefert Dell sowohl alle Geräte, die zum Aufbau der Infrastruktur erforderlich sind, um die Daten zu sammeln und zu speichern, als auch die dazugehörige Software für das Data-Management und die Integration bis zur tiefgehenden Datenanalyse. Den Datenmengen sind laut Dermot O´Connell kaum Grenzen gesetzt: "Zu viele Daten gibt es für uns einfach nicht."

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Unternehmenszukäufe

Helmut Schmidt, Dell OEM Solutions: "Von außen sehen unsere Gateways aus wie Industrie-Computer. Im Inneren verhalten sie sich allerdings wie ganz normale PCs und sind so einfach zu managen und abzusichern wie ein Standard-System von Dell."

© DELL OEM Solutions

Um das Angebotsspektrum auf der Hardware- wie der Software-Seite zu vervollständigen, hat Dell über die vergangenen Jahre zahlreiche Unternehmen zugekauft. So verstärkte Dell im März 2014 mit der Übernahme von StatSoft die Position im Information-Management in den Bereichen Data-Mining, vorausschauende Analyse und Visualisierung. Vor allem hat das Unternehmen jetzt mit der von StatSoft entwickelten Software Statistica ein starkes Analyse-Tool im eigenen Programm. Weit über 1 Mio. Nutzer aus unterschiedlichen Branchen wie Pharmazie, Finanzwirtschaft, und Produktion arbeiten heute bereits mit Dell Statistica - nicht zuletzt weil Dell nach der Übernahme weiter stark in Dell Statistica investiert hat und Synergien zu den bestehenden Information-Management-Tools wie Toad, Spotlight on SQL Server Enterprise, Shareplex, Boomi, Toad Business Intelligence Suite und Kitenga Analytics nutzen konnte.

Auf der Hardware-Seite hat Dell im Jahr 2011 Wyse übernommen, ein Unternehmen, das sich unter anderem auf die Entwicklung von Thin Clients spezialisiert hatte. Die Geräte ohne Lüftung waren der Einstieg von Dell ins Geschäft für IoT-Gateways. Daraus entwickelte Dell eine Familie modular aufgebauter Geräte, die über verschiedene Protokolle und Verbindungen verfügen und über den erweiterten Temperaturbereich arbeiten, wie in der Industrie üblich. Und sie erreichen auch die in der Industrie geforderten langen Lebensdauern, die mehreren Lebenszyklen normaler PCs entsprechen. "Von außen sehen unsere Gateways aus wie Industrie-Computer. Im Inneren verhalten sie sich allerdings wie ganz normale PCs und sind so einfach zu managen wie ein Standard-System von Dell", sagt Helmut Schmidt. Sie lassen sich einfach im Feld oder remote warten und updaten. Vor allem sind sie aber sehr kosteneffizient.

Als Alleinstellungsmerkmal sieht Schmidt an, dass Dell in der Lage ist, nicht nur die Gateways, sondern das Gesamtsystem einschließlich weiterer Funktionen wie Betriebssystem und Sicherheitsfunktionen aus einer Hand weltweit anbieten zu können. "Selbst kundenspezifische Ausführungen können wir innerhalb von zwei Wochen auch in sehr hohen Stückzahlen liefern, die auf unseren Standard-Produktionslinien gebaut werden."

Hier sieht er den großen Vorteil von Dell: die hochvolumigen Produktionslinien, auf denen sich auch kundenspezifische Produkte kostengünstig fertigen lassen. "So können wir große Aufträge in kurzer Zeit abarbeiten", sagt Schmidt. Als Beispiel nennt er ein Entertainment System, bei dem es sich praktisch um ein modifiziertes Tablet ohne Akku handelt. "Wir können innerhalb kurzer Zeit in allen Dell-Fabriken rund um die Welt verteilt auch 100.000 Stück oder mehr fertigen und mit Software in den entsprechenden Konfigurationen liefern."

Damit sieht Dell sich in einer entscheidenden Position in der IoT-Welt: Das Unternehmen hat verschiedene, für IoT relevante Geschäftsfelder unter seinem Dach vereint. Selbstverständlich will Dell nicht selbst ins Sensorgeschäft einsteigen, sondern Sensorhersteller sowie weitere Zulieferer und Systemintegratoren einbinden, um so vollständige Turn-Key-Systeme aufzubauen, wie sie die großen OEMs verlangen. "Wir ebnen den Weg zu Partnerschaften, ohne die sich IoT gar nicht umsetzen lassen würde", erklärt O´Connell.

IoT-Systeme für jede Größe

Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit mit der in Berlin ansässigen azeti Networks AG, einem globalen Hersteller und Anbieter von M2M-Technologien mit umfangreicher Erfahrung im Bereich des Monitorings und Managements komplexer industrieller Infrastrukturen wie z.B. Mobilfunkstationen, Glasfaserknotenpunkten oder Ölförderanlagen. Dazu gehören die Kontrolle von Umweltparametern, Sicherheits- und Zugangs-Management sowie passive Überwachung. Neuartig ist, dass die IoT-Technologie von Dell zusammen mit der M2M-Software von azeti sogar die Steuerung von verteilten Infrastrukturen wie Generatoren, Klimaanlagen, Kühlanlagen, USV und Pumpen ermöglicht.

Ein weiteres Beispiel ist die Firma Zfx, die Zahnärzten, Dentallaboren und Fräszentren dentale Produkte wie 3D-Scanner, Fräsmaschinen, Zahnfarbmessgeräte und CAD-Systeme anbietet. Nachdem sich das Unternehmen entschieden hatte, mit Dell OEM Solutions zusammenzuarbeiten, erhielt es den Zugang zu den auf Intel-Xeon-Prozessoren basierenden Dell Precision Workstations, was die Leistungsfähigkeit seiner Rechner gegenüber den Vorgängermodellen um 70 Prozent verbesserte. Über Dell ProSupport hat sich die Reaktionszeit im Service-Fall auf einen Tag verkürzt, und weltweit erhalten die Kunden den Support jeweils am nächsten Arbeitstag. Die Hardware liefert der Dell-Partner Forcenet GmbH aus Regensburg vor Ort. Über die Kooperation mit Dell gelang es Zfx, den Absatz in den USA stark auszubauen und die Zahl der verkauften Systeme insgesamt zu verdreifachen. Auf diese Weise konnte das in Dachau ansässige Unternehmen einen wichtigen Schritt in Richtung Globalisierung gehen.

Dell kann die vorgefertigten Produkte schnell liefern und dann seine Kunden und Partner dabei unterstützen, die installierten Lösungen über die gesamte Lebenszeit - oft zehn Jahre und mehr - in Betrieb zu halten. Mussten früher Kundensysteme alle paar Jahre aktualisiert werden, bietet Dell drei- bis fünfjährige Lebenszyklen und fünf- bis siebenjährige Wartungszyklen an. Das senkt die Service-Kosten erheblich. Dazu bietet Dell umfangreiche Dienstleistungen, beispielsweise um Partner beim Kundendienst zu unterstützen.

"Diese Beispiele zeigen, dass wir sowohl mit großen OEMs wie mit kleinen und mittelständischen Unternehmen die jeweils passenden IoT-Systeme aufbauen können", sagt Dermot O´Connell. "Die jeweiligen Kunden können sich auf ihr Kernwissen und auf ihr Wachstum konzentrieren. Wir von Dell OEM und unsere Partner übernehmen Inbetriebnahme und Wartung für das IoT-System." Dass Dell es mit IoT ernst meint, ist auch daran zu erkennen, dass das Unternehmen in diesem Jahr auf der embedded world in Nürnberg als Aussteller teilnahm.

Dell und EMC: Die Größe zählt

Die Reise geht für Dell in Richtung IoT und Industrie 4.0. Das zeigt auch die Ende vergangenen Jahres angekündigte Übernahme von EMC und VMware für 67 Mrd. Dollar. Dell führt damit die Strategie fort, sich über Zukäufe in die Position zu bringen, alles aus einer Hand bieten zu können, was IoT-Systeme im weitesten Sinn brauchen: von der Hardware für das Sammeln und Speichern von Daten aus den unterschiedlichsten Quellen und die gesamte IT-Infrastruktur über sichere Software für das Informations-Management bis zur Datenanalyse. Das Geld, das Dell für die EMC-Übernahme ausgibt, sprengt allerdings alles bisher Dagewesene.

Offenbar ist Dell überzeugt, dass nur die Größe es ermöglicht, in der neuen IoT- und Industrie-4.0-Welt zu überleben. Einige Branchen hat das Internet bereits kräftig umgekrempelt. Firmen wie Uber zeigen, wo es künftig hingehen wird, und die Industrie steht gerade am Anfang des Umbruchs, der sich schneller vollzieht, als viele noch vor zwei Jahren dachten. Ein Blick auf die Entwicklung der Drohnen, des autonomen Fahrens und der Robotertechnik zeigt das. Den Kunden auf sie zugeschnittene übergreifende Plattformen anbieten zu können, und das sehr schnell und aus einer Hand - dies ist das Ziel, das hinter der EMC-Übernahme steht (und den vielen Zukäufen über die vergangenen Jahre).

Damit will Dell die Claims abstecken und auch den Industriesektor erobern.Denn die Welt verändert sich rasend schnell, und die Erfahrung zeigt: Nur die Marktführer werden sich künftig über größere Margen freuen dürfen.

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