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Artikel und Hintergründe zum Thema

3S-Smart Software Solutions

Günter Herkommer,

Codesys auf dem Raspberry Pi

Seit kurzem stellt 3S-Smart Software Solutions eine Image-Datei des Codesys-Laufzeitsystems für den Raspberry Pi zur Verfügung. Hilmar Panzer, Entwicklungsleiter für Applikations-Produkte bei der Kemptener Software-Schmiede, erläutert die Hintergründe.

Hilmar Panzer: "Wir haben bereits positive Rückmeldungen auf die Lösung bekommen - insbesondere von Hocchschulen, die auf so eine Plattform schon länger gewartet haben."

© 3S-Smart Softwre Solutions

Herr Panzer, welche Absicht steckt dahinter, eine kostenlose Demoversion Ihres Laufzeitsystems für den Raspberry Pi, eine mittlerweile sehr weit verbreitete Embedded-Plattform, anzubieten?
Wir wollen damit Hochschulen und anderen Lehreinrichtungen eine kostengünstige, aber realitätsnahe Unterrichtsplattform anbieten. Der Raspberry Pi mit seinem Preis-Leistungs-Verhältnis eignet sich hierfür sehr gut, weil er eben auch für Studenten und Schüler erschwinglich ist. Darüber hinaus gibt es Ingenieure und Techniker, die für Hobbyanwendungen nach einer kostengünstigen Plattform gesucht haben, auf der sie beispielsweise Automatisierungsfunktionen im Eigenheim oder Spielzimmer umsetzen wollen.

Wie lässt sich die Soft-SPS verwenden und welche Funktionen werden konkret unterstützt?
Der Einsatz ist ganz einfach – SD-Karten-Image kostenlos aus dem Codesys Store herunterladen und mit einem geeigneten Tool auf eine Flashkarte kopieren. Nach einem Neustart verhält sich das Gerät wie eine mit Codesys programmierbare SPS. Das heißt, man kann beliebige Applikationsprogramme in den Sprachen der IEC 61131-3 erstellen und compiliert downloaden. Nach Ablauf der begrenzten Laufzeit der Soft-SPS von zwei Stunden kann das System beliebig oft neu gestartet werden.
Das Paket enthält neben der Installationsanleitung diverse kleinere Beispielprojekte, die die angebotenen Funktionen zeigen. Dazu zählt die Unterstützung der lokalen I²C- und SPI-Schnittstellen, über die sich diverse Peripherie-Hardware anschließen lässt, wie etwa das Erweiterungsboard PiFace zur Anbindung digitaler E/As oder eine 16-kanalige PWM-Platine zur Steuerung von Modellbau-Servos. Zudem werden verschiedene Ethernet-basierte Feldbusse wie Ethercat-Master, Modbus-TCP-Master und -Slave oder Ethernet/IP-Scanner unterstützt.
In Codesys erstellte Visualisierungen kann man mittels der enthaltenen Webvisu auf anderen Geräten – auch Tablets und Smartphones – per Web­browser öffnen und bedienen. Schließlich ist das Funktionspaket 'Softmo­tion CNC' enthalten, das einfache Motion-Control-Funktionen bis hin zu komplexen Bahnbewegungen anbietet.
Kurz gesagt: Wir haben möglichst viel Funktionalität in das Paket gepackt, um Instituten und Studierenden eine Automatisierungsplattform für ganz unterschiedliche Aufgabenstellungen an die Hand zu geben.

Ist eine Vollversion geplant? Wenn ja, ließe sich damit der Raspberry Pi auch als Industrie-Steuerung einsetzen?
Eine unbegrenzte Vollver­sion werden wir im zweiten Quartal in den Codesys Store einstellen. Aber damit wird aus der Lösung keine vollwertige industrielle SPS. Dafür sind Hardware- und Betriebssystem-Komponenten des Raspberry Pi nicht ausgelegt. Beispielsweise fehlt ein remanenter Speicher, auch der Tem­peraturbereich ist nicht für einen industriellen Einsatz geeignet. Mit gewissem Aufwand könnte man wohl einige Industrie-Anforderungen, wie etwa Echtzeit-Fähigkeit, erreichen. Ob sich dieser Aufwand lohnt, können und wollen wir jedoch nicht abschätzen.

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Der Raspberry Pi

Beim Raspberry Pi handelt es sich um einen kreditkartengroßen Einplatinencomputer, der von der britischen Raspberry Pi Foundation entwickelt wurde. Der Name wird wie das englische Wort für Himbeerkuchen – raspberry pie – ausgesprochen. Ursprünglich sollte der Rechner mit fest eingebautem Interpreter für die Programmiersprache Python geliefert werden, ähnlich wie die Homecomputer der achtziger Jahre mit Basic – daher der Zusatz Pi für 'Python Interpreter'. Die Himbeere als Logo knüpft an die Tradition an, Computer nach Früchten zu benennen, wie etwa Apple oder Acorn.

Die Platine enthält im Wesentlichen das Ein-Chip-System BCM 2835 von Broadcom mit dem 700-MHz-Prozessor ARM1176JZF-S sowie 512 MByte Arbeitsspeicher. Als Betriebssystem sind angepasste Linux-Versionen oder andere Betriebssysteme installierbar, die die ARM-Architektur unterstützen. Eine eigene Festplatten-Schnittstelle ist nicht vorhanden, stattdessen lassen sich Speicherkarten oder externe Festplatten und USB-Sticks über den USB-Port als nicht-flüchtiger Speicher nutzen. Bis November 2013 wurden mehr als zwei Millionen Geräte verkauft.

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