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Mit Schwung in die Industrie 4.0

30. Juni 2015, 17:12 Uhr | Lukas Dehling
Skifahrer im Tiefschnee
© Blizzard

Auf dem Industrie-4.0- und Internet-of-Things-Tag am 16. Juni präsentierte IBM Projekte und Lösungen zum Thema digitale Vernetzung. Bei dem Ski-Hersteller Blizzard hat das IT-Unternehmen die Produktion digitalisiert und in Richtung Industrie 4.0 modernisiert. Armin Hofer, bei IBM verantwortlich für mittelständische Unter­nehmen in Österreich, äußert sich zur Umsetzung des Projekts.

Herr Hofer, 2011 sprach IBM im Zuge der Hannover Messe erstmals von der vierten industriellen Revolution. Ist das Blizzard-Projekt die erste Umsetzung eines Industrie-4.0-Projektes seitens IBM?
Hofer: Nein, das ist nicht unser erstes Industrie-4.0-Projekt und auch nicht das umfangreichste. Aber in einem Punkt ist es sicherlich etwas Neuartiges: Früher waren solche Optimierungsprojekte sehr langwierig und kostenintensiv und kamen daher eher für große Unternehmen in Frage. Das hat sich mittlerweile durch unsere integrierten Softwarelösungen geändert. So ist es uns nun möglich, auch mit mittelständischen Betrieben wie Blizzard komplexe Optimierungsprojekte effizient umzusetzen. Dadurch rechnen sich solche Modelle mittlerweile wesentlich schneller! Der Return on Invest wird sehr schnell erreicht.

Armin Hofer von IBM
Armin Hofer: "Mit neuen Sensoren in den Produktionsanlagen können wir die Real-Time-Auswertung umsetzen."
© IBM

Warum eignet sich die Umsetzung des Industrie-4.0-Ansatzes speziell bei Blizzard?
Zum einen durch die traditionell starke Innovationskraft von Blizzard. Sie waren damals schon eines der ersten Unternehmen, die Carving-Technik auf den Markt gebracht hat.

Zum anderen produziert Blizzard circa 400.000 Skier jährlich bei 900 verschiedenen Modellen. Insgesamt gibt es über 50.000 verschiedene Einzelteile, die dann zusammengebaut werden müssen. Dadurch ergibt sich eine sehr komplexe Produktionsplanung.

Zusätzlich hat sich in den letzten Jahren ein gewisser Druck auf die Ski-Hersteller aufgebaut, getrieben von der Sharing-Economy: Immer mehr Wintersportler leihen sich Skier anstatt welche zu kaufen, wodurch die Umsatzzahlen der Branche sinken. Deshalb entschloss sich Blizzard, die Datenanalyse zu optimieren, um die Absatzprognosen verbessern zu können. So ist Blizzard immer noch der erste und einzige Skihersteller, der nach dem Made-to-order-Prinzip  produziert. Das bedeutet: Erst wenn ein Händler einen Ski bestellt, wird er produziert. So wird die Produktion extrem verschlankt. Dieses Prinzip ist auch aus der Automobil­branche bekannt.

IBM hat zur Hannover Messe 2015 in einem umfangreichen Paper den Weg zu einer digital vernetzten Wertschöpfungskette beschrieben. Wie viele der sieben im Paper verkündeten Schritte wurden im Blizzard-Projekt umgesetzt?
Zumeist starten Kunden nur mit Teilbereichen, weshalb der komplette Prozess zur digital vernetzten Wertschöpfungskette bis dato noch nie in einem Projekt umgesetzt wurde. Bei Blizzard standen im Vordergrund die Punkte ­‚Produktion und Integration‘ ­sowie ‚Transparenz in der Lieferkette‘. Allerdings ist auch dort noch nicht alles vollumfänglich umgesetzt, weil sich solche Projekte meist über die Zeit weiter ausbreiten.

Welche Produkte hat IBM bei der ­Implementierung eingesetzt?
Bei dem Blizzard-Projekt, das wir gemeinsam mit dem IBM Business Partner Bi-Plus umgesetzt haben, ka-men der SPSS Modeler und einige Produkte aus dem Cognos-Portfolio zum Einsatz. Beide Software-Unternehmen, SPSS und Cognos, hat die IBM in den Jahren 2008 und 2009 übernommen und damit die Kompetenz in der Datenanalyse stark erweitert. Der SPSS Modeler ist eine traditionelle statische Software. Mit ihr ist es möglich, Vergangenheitsdaten zu analysieren, mit statistischen Modellen aufzubereiten und dadurch eine Sicht in die Zukunft zu ermöglichen. Hier sprechen wir dann schon von der häufig zitierten Predictive Analytics.

Durch die Auswertung von Millionen von Datensätzen aus der Produktion wurde ein Zusammenhang zwischen hoher Luftfeuchtigkeit und einem gehäuften Auftreten von einem Fehler auf den Belägen der Skier festgestellt. Deshalb werden jetzt basierend auf den Wettervorhersagen die Einstellungen in den Maschinen verändert, um diese Fehler zu verhindern.

Mittlerweile ist das Szenario umgesetzt. Was sprechen die Zahlen? Macht sich die Implementierung bereits bemerkbar?
Die Implementierung hat sich sehr schnell bemerkbar gemacht. In Zahlen ausgedrückt: Die Produktionsdurchlaufzeit ist um 53 % und der durchschnittliche wertmäßige Lagerstand um 49 % gesunken. Zudem erreichten wir eine Reduktion des physischen Platzbedarfs in den Lagerstätten von 40 %.

Auch der Bereich Internet of Things ist für IBM ein wichtiges Thema. Jüngst wurde bekanntgegeben, dass 3 Mrd. Euro in diese Technologie investiert werden sollen. Welche weiteren Szenarien lassen sich mit IoT-Technologien im besprochenen Projekt entwickeln?
Das stimmt, das Thema IoT ist momentan ein sehr starker Treiber in der IBM. Was wir bei Blizzard andiskutiert haben, ist der Einbau von Sensoren in die Skier, um bestimmte Informationen über die Dichtenbeschaffenheit des Schnees jederzeit abrufen zu können. Das würde das Ski-Erlebnis der Kunden steigern, weil diese in Real-Time Informationen zur Schneebeschaffenheit im Skigebiet bekommen.

Was für uns zudem ein ganz wichtiger Punkt ist: Die Sicherheit erhöht sich, wenn zum Beispiel ein Ski seinem Nutzer frühzeitig meldet, dass sich an einem bestimmten Ort im Skigebiet eine eisige Stelle befindet. Andere mögliche Szenarien wären, dass Vorschläge zum passenden Wachs getroffen oder Aussagen über die Kantenbeschaffenheit der Skier gemacht werden.


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