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VDMA/ZVEI

Die neue Nutzerorganisation für Industrie 4.0

24. September 2020, 11:49 Uhr   |  Meinrad Happacher

Die neue Nutzerorganisation für Industrie 4.0
© VDMA/ZVEI

Neben dem VDMA und ZVEI zählen noch 21 Firmen zu den Gründungsmitgliedern der Industrial Digital Twin Association

Zum 23. September 2020 gründeten VDMA und ZVEI die Industrial Digital Twin Association. Was hat es mit dieser neuen Nutzergruppe auf sich? Dr. Christian Mosch (VDMA) und Meik Billmann (ZVEI) beziehen Stellung.

Herr Mosch, Herr Billmann es gibt ja schon die Plattfom Industrie 4.0. Sie rufen nun eine Nutzergruppe Industrie 4.0 – die Industrial Digital Twin Association, kurz IDTA -  ins Leben. Graben Sie jetzt an der Legitimation der Plattform?

Billmann: Die Initiative zur Aufstellung einer Nutzerorganisation ist in der Plattform Industrie 4.0 entstanden. Eine Taskforce der Plattform Industrie 4.0 war beauftragt, sich über die Weiterentwicklung der entstandenen Modelle und Lösungen Gedanken zu machen. Wir waren Teil dieser Taskforce und haben dort unser gemeinsames Konzept einer Nutzerorganisation vorgestellt, was auf große Zustimmung innerhalb der Plattform Industrie 4.0 gestoßen ist. Von Abgraben kann also nicht die Rede sein. Die Organisationen werden sehr eng und partnerschaftlich zusammenarbeiten: die Nutzerorganisation technisch, die PI4.0 politisch.
Mosch: Die Nutzerorganisation gibt den wertvollen technischen Ergebnissen der Plattform Industrie 4.0 eine Heimat, löst die bestehenden IP-Problematiken und bildet den Hafen für die Weiterentwicklung und Internationalisierung der Verwaltungsschale. Ziel ist es, die parallel verlaufenden Entwicklungsstränge zum industriellen Digitalen Zwilling der Industrie 4.0 zusammenzubringen. Mit einem möglichst offenen Ansatz möchten wir auf den aktuellen Konzepten und Entwicklungsständen aufsetzen und den industriellen Digitalen Zwilling konsolidiert zur Marktreife bringen. Und genau hier liegt auch die Ergänzung der Industrial Digital Twin Association zur Plattform Industrie 4.0. In der Plattform Industrie 4.0 wurden wesentliche Inhalte und Konzepte erarbeitet und diese werden nun in der IDTA auf Basis offener Technologien und gemeinsam mit Anwendern weiterentwickelt und getestet.
 

Christian Mosch
© VDMA

Christian Mosch, VDMA-Forum Industrie 4.0: Die technischen Ergebnisse der Plattform Industrie 4.0 erhalten jetzt mit der Association eine Heimat. 

Was genau wollen Sie entwickeln?

Mosch: Innerhalb der IDTA wollen wir den Digitalen Zwilling für Industrie 4.0 zu einer Reife bringen, auf deren Basis die Firmen für jedes ihrer Produkte zusätzliche digitale Dienstleistungen entwickeln können. Erste Prototypen haben wir bereits auf der SPS 2019 erleben können. Nun müssen wir aber zunehmend vom Stadium des Prototypen hin zur Industrielösung kommen. Letztlich dient der Digitale Zwilling im Industrie-4.0-Einsatz als Schnittstelle der physischen Industrieprodukte in die digitale Welt, verbunden mit Potenzialen für neue datenbasierte Geschäftsmodelle sowohl für kleine und mittelständische Fabrikausrüster als auch für große Endanwender beispielsweise aus der Fahrzeug- und Prozessindustrie.
Billmann: Darüber hinaus möchten wir die über die letzten Jahre gewachsene deutsche Verwaltungsschalen-Community zu einer internationalen Digital-Twin-Community entwickeln. Das Konzept der Verwaltungsschale hat in Deutschland bereits überzeugt und viele Anhänger gefunden. Einige Pflänzchen sind auf europäischer und internationaler Ebene auch schon entstanden. Nun gilt es die Internationalität weiter zu steigern und die Verwaltungsschale in Asien und Amerika noch bekannter zu machen.

Meik Billmann
© ZVEI

Meik Billmann, Fachverband Automation im ZVEI: Wir wollen die deutsche Verwaltungsschalen-Community zu einer internationalen Digital-Twin-Community weiterentwickeln.

Wie sieht diese Entwickler-Plattform in der Praxis aus:
 

Billmann: Aktuell sind wir noch in der Gründung des Vereins, die praktische Ausgestaltung ist daher noch nicht geschehen - wir sind in der Konzeptphase. Die Nutzerorganisation versteht sich als Integrator der vielen bestehenden Initiativen und als erste Anlaufstelle für Informationen zur Verwaltungsschale.
Mosch: Wie die Weiterentwicklung der Modelle, das Testen und Zertifizieren, Schulungen und die Zusammenarbeit mit den Partnern aussieht, wird in den kommenden Wochen und Monaten definiert werden. Wir haben eine sehr starke Gruppe von Gründungsmitgliedern, die hier ihre verschiedenen Sichtweisen und Bedürfnisse einbringen. Wir sind überzeugt, dass hier eine wichtige Organisation für die industrielle Produktion der Zukunft ihren Ursprung findet.

Sie gehen jetzt mit insgesamt 23 Gründungsmitgliedern an den Start. Wie sehen die nächsten Schritte aus?
 

Mosch: Schon mit der Idee der IDTA als Nutzerorganisation für Industrie 4.0 haben wir eine Reihe von wichtigen Firmen gewinnen können. Von Softwareanbietern über die Komponentenhersteller und Maschinenbauer bis hin zum Anwender ist die Industrie bereit, diese Initiative nach vorne zu tragen. Daran sehen Sie, in welcher Marktbreite das Thema Industrie 4.0 und die damit verbundene Verwaltungsschale als digitaler Zwilling angekommen ist.
Billmann: Für die Nutzerorganisation ist aber auch das Engagement der weiteren Technologievereine wichtig, die ihr Know-how einbringen. Wir haben ja inzwischen gelernt, Industrie 4.0 funktioniert nur gemeinsam. Sowohl der AutomationML- und eClass-Verein als auch die OPC Foundation und die Profibus Nutzerorganisation begrüßen diese Vereinsgründung. Gemeinsam haben wir damit einen Hebel, den Digitalen Zwilling für Industrie 4.0 technologisch nach vorne zu bringen und in die Welt zu tragen.

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1. Die neue Nutzerorganisation für Industrie 4.0
2. Die Gründungsmitglieder

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