Siemens

Alexandra Hose,

Nationale Energiesicherheit wird wichtiger als Klimaschutz

Eine Studie von Siemens zeigt, dass geopolitische Faktoren die Energie- und Infrastrukturstrategien weltweit neu prägen. Nationale Energiesicherheit hat sich dabei als wichtigster Treiber der Energiewende etabliert und löst die internationale Klimakooperation als oberste Priorität ab.

© Siemens AG

Der ,Siemens Infrastructure Transition Monitor 2025´ belegt: Eine widerstandsfähige Energieversorgung gilt unter den befragten Führungskräften als zentrales staatliches Ziel. 2023 lag dieser Aspekt noch auf Platz drei. Gleichzeitig gewinnen Energieunabhängigkeit und ein aktives Management von Klimarisiken weiter an Bedeutung. 

Die Siemens-Studie, basierend auf einer Befragung von 1.400 Führungskräften und Regierungsvertretern in 19 Ländern, verdeutlicht einen grundlegenden Wandel: weg von einer multilateralen Vision sauberer Energie hin zu einem stärker national und regional geprägten Ansatz. Energieresilienz wird dabei nicht mehr als Gegensatz zur Energiewende verstanden, sondern als deren Voraussetzung.

„Der Infrastrukturwandel tritt in eine neue Phase ein, in der die nationalen Ziele der Energiesicherheit wichtiger sind als die globale Zusammenarbeit zur Dekarbonisierung. Angesichts zunehmender Klima- und Energieherausforderungen ist Resilienz keine Option, sondern Notwendigkeit. KI, Technologie und Digitalisierung spielen dabei eine zentrale Rolle. Denn sie versetzen Unternehmen und Regierungen in die Lage, komplexe erneuerbare Energiesysteme effizient zu steuern, eine zuverlässige Versorgung sicherzustellen und den Übergang zu sauberer Energie smarter und nachhaltiger voranzutreiben“, erklärt Matthias Rebellius, Mitglied des Vorstands der Siemens AG und CEO von Smart Infrastructure.

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Von der globalen Transformation zur nationalen Resilienz

Mehr als drei von fünf Befragten (62 %) erwarten, dass künftige Energiesysteme stärker auf lokale oder regionale Produktion setzen und weniger auf globalen Handel angewiesen sind. Zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren zählen die Integration erneuerbarer Energien, ausreichend Speicherkapazitäten und moderne Stromnetze. Gleichzeitig schwindet das Vertrauen in die Erreichung der Klimaziele: Mehr als die Hälfte der Führungskräfte rechnet mit steigenden Investitionen in fossile Energien, nur noch 37 % glauben, ihre Dekarbonisierungsziele bis 2030 erreichen zu können.

Der Report versteht sich auch als Weckruf vor der COP30: Ohne eine feste Verankerung von Resilienz in der Energieplanung drohten ökonomische wie ökologische Rückschläge. Siemens betont, dass gezielte Netzinvestitionen und digitale Innovationen dazu beitragen können, Klimaziele und Energieresilienz zugleich zu beschleunigen.

KI beschleunigt den Wandel

Digitale Technologien bleiben dabei das Herzstück des Infrastrukturwandels. Laut Studie ist Digitalisierung nach dem Ausbau von Energiespeichern der zweitwichtigste Faktor zur Beschleunigung der Energiewende. Besonders Künstliche Intelligenz wird als Schlüsselfaktor gesehen: 66 % der Befragten sind überzeugt, dass KI die Widerstandsfähigkeit kritischer Infrastrukturen stärkt; 59 % setzen sie gezielt zur Dekarbonisierung ihrer Betriebe ein.

Der Siemens Infrastructure Transition Monitor ist eine alle zwei Jahre erscheinende Siemens-Studie, bei der 1.400 Führungskräfte und Regierungsvertreter in 19 Ländern zu den Bereichen Energie, Gebäude und Industrie befragt werden. Der Report 2025 ist der zweite dieser Reihe und wird im Vorfeld der COP30 veröffentlicht.
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