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Artikel und Hintergründe zum Thema

nachgehakt! - bei Steffen Winkler

Andrea Gillhuber,

KI – ein Hebel in der Industrie

Steffen Winkler von Bosch Rexroth erklärt, welchen Stellenwert Künstliche Intelligenz in der Industrie mittlerweile hat und auf welcher Art und Weise die Automatisierer KI nutzen.

Steffen Winkler ist Vertriebsleiter der Business Unit Automation & Electrification Solutions bei Bosch Rexroth AG

© Bosch Rexroth AG

Künstliche Intelligenz ist gerade in aller Munde. Ist die Bedeutung für die Industrie wirklich so groß, wie der Hype vermuten lässt?

Künstliche Intelligenz ist ein bedeutender Hebel in der Industrie. Allerdings muss man abhängig vom Einsatzfall differenzieren: Bei der Automatisierung von Geschäftsprozessen leisten KI-Systeme bereits signifikante Beiträge zur Effizienzsteigerung, z.B. bei Datenanalyse und -verarbeitung, im personalisierten Marketing, bei der Lieferkettenoptimierung, mit intelligenten Assistenten, der Sprach- und Bilderkennung und vielem mehr.

KI hat auch enormes Potenzial, Produktionsprozesse zu verbessern. Dafür bedarf es jedoch einiger Voraussetzungen: Maschinen müssen vernetzt sein, Daten nicht nur gesammelt, sondern auch sinnvoll aufbereitet werden. Und die KI muss trainiert werden.

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, kann KI zu großen Kosteneinsparungen beitragen. Der Fokus liegt derzeit vor allem in der Fehlererkennung beziehungsweise Qualitätssicherung. Die umfängliche Automatisierung von komplexen, spezifischen Prozessen innerhalb einer Produktionsmaschine mittels KI ist nach aktuellem Stand der Technik noch zu anspruchsvoll. Teilprozesse, wie etwa die Bilderkennung und -verarbeitung, lassen sich aber durch KI-Systeme schon sehr gut optimieren.

Viele Unternehmen sagen, sie nutzen KI. Wie ist diese Aussage Ihrer Meinung nach einzuschätzen?

Es gibt auf jeden Fall sehr unterschiedliche Grade der Nutzung – je nach Branche und Anwendungsfall. Viele Unternehmen nutzen KI, um ihre Geschäftsprozesse zu verbessern. Dabei reicht die Bandbreite von der Automatisierung von sich wiederholenden Prozessen bis hin zu fortgeschrittenen Anwendungen wie beispielsweise hochentwickelten maschinellen Lernmodellen. Leider wird KI auch oft als Buzzword verwendet, ähnlich wie das bei dem Begriff Industrie 4.0 in den letzten Jahren der Fall war. Tiefgreifendes Know-how zu KI liegt noch nicht flächendeckend vor. Die Implementierung von KI kann komplex sein und mit unterschiedlichen Herausforderungen wie der Datenbeschaffung, dem Fachkräftemangel und ethischen Fragestellungen verbunden sein. Häufig setzen Unternehmen daher auf Lösungen von Drittanbietenden.

Auf welche Art und Weise nutzen Automatisierungsanbieter Künstliche Intelligenz? Welche Rolle spielen dabei LLMs wie ChatGPT?

Large Language Models wie ChatGPT spielen eine wichtige Rolle bei der Implementierung von KI in Bereichen, in denen die Verarbeitung natürlicher Sprache erforderlich ist. Sie können in der Textgenerierung, Kommunikation mit Anwendenden, automatisierten Textanalysen und vielem mehr eingesetzt werden. Unternehmen können LLMs nutzen, um Chatbots und virtuelle Assistenten zu entwickeln, die in der Lage sind, menschliche Interaktionen zu simulieren und Aufgaben in natürlicher Sprache auszuführen. Eine Kommunikation zwischen Mensch und Maschine im direkten Produktionsumfeld via Sprachsteuerung gestaltet sich noch schwierig, weil auch Sicherheitsaspekte oder Störgeräusche zu berücksichtigen sind. Ansonsten besteht für Automatisierungsanbietende die gleiche bereits beschriebene Anwendungsbreite, vor allem von allgemeinen Geschäftsprozessen.

Welche konkreten KI-Lösungen bieten Unternehmen an?

Konkrete KI-Lösungen am Markt beziehungsweise Anwendungsfelder, in denen KI bereits eine wichtige funktionale Rolle spielt, sind unter anderem Übersetzung, Datenanalyse, Biometrie und Bildverarbeitung, Energiesteuerung und -verteilung, Cybersicherheit sowie Personalisierung.

Ein konkreter Anwendungsfall im Automatisierungs- und Produktionsumfeld bei Bosch ist die KI-Plattform – eine interne Analyselösung für mehr Transparenz und Einblicke in Fertigungsprozesse in Bosch-Werken. Die Lösung ermöglicht es Fachpersonal, wichtige Leistungsindikatoren zu überwachen, unabhängige Analysen durchzuführen und Fehlerursachen für komplexe Produktionsprobleme zu finden. Sie verwendet KI, um Anomalien in Echtzeit zu erkennen und Fertigungspersonal über die Fehler zu informieren. Darüber hinaus bietet die KI-Plattform den Bosch-Mitarbeitenden Funktionen zur Datenbereitstellung.

Welche Trends und Lösungen rund um dieses KI & Co. werden Ihrer Meinung nach auf der SPS im November zu sehen sein?

Auf der SPS werden vor allem KI-Anwendungen gezeigt, die speziell im Umfeld der industriellen Automatisierung relevant sind. Dazu zählen Lösungen zur Prozessoptimierung, der Qualitätskontrolle oder der vorausschauenden Wartung. Im Umfeld der industriellen Automatisierung geht es zunächst einmal darum, die Anwendung von KI überhaupt zu ermöglichen. Diese Enabler-Strategie verfolgt Bosch Rexroth mit dem Automatisierungsbaukasten ctrlX Automation, der eine durchgängige Datenverfügbarkeit sicherstellt. Er ermöglicht zudem eine skalierbare Rechenleistung vom Feldgerät über die Edge bis in die Cloud sowie eine uneingeschränkte Nutzbarkeit aller im KI-Umfeld üblichen Werkzeuge. 

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