nachgehakt! - bei Dr.-Ing. Marc Hüske

Andrea Gillhuber | Alexandra Hose,

Eine Datenökonomie lebt von der Beteiligung vieler Parteien

Manufacturing-X nimmt Fahrt auf. Was hinter der Initiative steckt, auf welchen Bemühungen anderer Projekte sie aufbaut und welche To Dos auf der Liste stehen, erläutert Dr.-Ing. Marc Hüske, VDMA.

Dr.-Ing. Marc Hüske, Leiter des Forum Manufacturing-X des VDMA

© VDMA

Gaia-X war mit der Initiierung in 2019 als Projekt zum Aufbau einer leistungs- und wettbewerbsfähigen, sicheren und vertrauenswürdigen Dateninfrastruktur für Europa geplant. Inwieweit baut Manufacturing-X auf diesen Ergebnissen auf?

Marc Hüske: Eine wesentliche technische Basis von Factory-X, einem Förderprojekt im Rahmen von Manufacturing-X, liegt im Austausch von Daten zwischen Teilnehmern des  Datenraums. Diese Daten werden von den Business Applikationen verwendet, die es den Anwendern ermöglichen, neue Use Cases zu erschließen und damit Mehrwerte zu generieren. Der Datentransfer soll nach daten-souveränen Prinzipien unter Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen erfolgen und orientiert sich entsprechend an den in Gaia-X definierten Prinzipien.

Wie stark sind die Manufacturing-X Aktivitäten an die Catena-X Aktivitäten der Automobilindustrie angelehnt?

Bei Manufacturing-X handelt es sich um eine gemeinsame Initiative von Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Factory-X nimmt die Ideen von Manufacturing-X vollumfänglich auf und hat das Ziel, diese für den Anwendungsbereich der Fabrikausrüster und -betreiber umzusetzen. Eine Basis hierfür sind die Arbeiten und Ergebnisse von Catena-X, die wiederverwendet und um Belange des Shopfloors erweitert werden. Mit Catena-X wurde eine erste technische Basis für den offenen und souveränen Datentransfer entlang der Supply Chain umgesetzt. Ziel ist es, diese Umsetzung in Factory-X als ein Teil des ‚Kernel‘ zu verwenden und um den Austausch von Daten aus dem Shop-Floor zu erweitern.
 

Mit dem Forum Manufacturing X bündelt der VDMA seine Aktivitäten rund um Manufacturing X. Mit hineinspielen umati, IDTA und eben die Thematik Datenräume. Wie hängt das alles zusammen?

Das Forum Manufacturing-X koordiniert alle VDMA-Aktivitäten zum Thema Manufacturing-X, vertritt die Interessen der Mitgliedsunternehmen und fungiert als externe Schnittstelle zu einschlägigen Initiativen, Projekten und Organisationen. In den vergangenen Jahren hat die Industrie, getrieben von Industrie 4.0, viele Basisarbeiten geleistet, um einen standardisierten, interoperablen und lebenszyklusübergreifenden Datenzugriff und Datenaustausch zu ermöglichen. Für eine semantische Beschreibung der Maschinenbestandteile und eine logische Verknüpfung setzt sich die globale umati-Initiative ein und ermöglicht damit die Kommunikation zwischen Maschinen auf Basis von OPC UA. Die Arbeiten rund um die Verwaltungsschale AAS als Basis für den Digitalen Zwilling werden durch die Standardisierungsorganisation IDTA geleitet, umati wird gemeinsam von VDMA und VDW getragen.

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Die To Dos in Datenräumen

Welche To Dos gibt es in Bezug auf Datenräume?

Im Kern müssen die Entwicklungen der Basisdienste und Geschäftsanwendungen im Rahmen der in Factory-X und anderen so genannten X-Projekten definierten Use Cases für den Aufbau eines Datenraums rasch vorangetrieben und abgeschlossen werden. Auch das Time-to-Market ist hier entscheidend, denn die geförderten Projekte finden im vorwettbewerblichen Rahmen statt. Eine Datenökonomie lebt von der Beteiligung vieler Parteien, insbesondere um wirtschaftlich erfolgreich zu werden. Daher ist es wichtig, frühzeitig viele Unternehmen außerhalb der öffentlich geförderten Entwicklungsprojekte über einen Wissenstransfer an die Datenräume heranzuführen. Aus der souveränen Datenteilung lassen sich konkrete Umsetzungsprojekte initiieren, aus denen sich neue Anwendungen und Mehrwerte ergeben. Das BMWK fördert aktuell und auch künftig eine Vielzahl von X-Projekten, bei denen es darum geht, verschiedene branchenspezifische Datenräume aufzubauen. Dies erfordert Strukturen zur Koordination und Orchestrierung der Datenrauminitiativen wie beispielsweise eine übergreifende Governance-Organisation mit eigener Rechtsform, in der alle relevanten Branchen vertreten sind. Die Organisation muss schnell und flexibel Entscheidungen treffen können – auch schon während der Laufzeit der Förderprojekte.

Welche Normungen werden bezüglich Manufacturing X vorangetrieben?

Aktuell haben die Projekte noch keinen Reifegrad, der konkrete  Standardisierungsschritte rechtfertigen würde. Der Anspruch ist aber, dass die Projektergebnisse fundamentale Grundlagen für eine unternehmensübergreifende Datenverknüpfung vorzeichnen werden. Sollte sich dieser Anspruch erfüllen, werden wir das Thema Standardisierung auf internationale Ebene heben und die wesentlichen Projektergebnisse bezüglich offener Schnittstellen der konsensualen Standardisierung zuführen.  

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