Lapp Gruppe
Wachstum trotz fallendem Kupferpreis
Die Stuttgarter Lapp Gruppe konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr ihren Umsatz um knapp zwei Prozent steigern. Als neuen Wachstumsmarkt nimmt das Unternehmen jetzt auch den Bereich Schienenfahrzeuge ins Visier.
Konkret erzielte der Stuttgarter Anbieter von integrierten Lösungen der Kabel- und Verbindungstechnologie im Geschäftsjahr 2015/2016 (1. Oktober bis 30. September) einen Nettoumsatz von 901,5 Mio. Euro – 1,7 % mehr als im Vorjahr (886,2 Mio. Euro). Das Ergebnis vor Steuern erhöhte sich um 3,9 % auf 42,9 Mio. Euro (Vorjahr: 41,3 Mio. Euro). „Wäre der Kupferpreis nicht im Jahresverlauf weiter deutlich gesunken, und wären auch die Währungskurse stabil geblieben, dann hätten wir sogar ein Umsatzwachstum von knapp 8 % verzeichnen können“, so Firmenchef Andreas Lapp. Im Jahresdurchschnitt war der Kupferpreis um 17 % von 527 Euro/100 kg auf 438 Euro/100 kg gesunken.
Europa ist mit einem Anteil am Gesamtumsatz von 69 % weiter der wichtigste Absatzmarkt für die Lapp Gruppe. Hier stieg der Umsatz um 5 % auf 620,6 Mio. Euro. Der bedeutendste Einzelmarkt ist Deutschland mit einem Umsatzanteil von fast 30 % und einem nahezu unveränderten Umsatz von 268,2 Mio. Euro. Innerhalb Europas haben sich die Umsätze in Benelux, Spanien, Polen und Italien besonders positiv entwickelt. Auch die Region Amerika (USA, Kanada, Mittel- und Südamerika) konnte ihren Umsatz leicht um 1 % auf 109,0 Mio. Euro steigern. In Asien (mit Afrika, Australien und Neuseeland) hingegen sank der Umsatz projektbedingt um 9 % auf 171,9 Mio. Euro.
Für das laufende Geschäftsjahr 2016/2017 geht die Lapp Gruppe von einem leichten Umsatzwachstum aus. Umsatzsteigerungen werden vor allem im europäischen Raum erwartet. Wichtige Impulse verspricht sich das Unternehmen vom Erwerb der italienischen Firma Ceam Cavi Speciali im vergangenen Oktober, einem Hersteller von Datenleitungen für spezielle industrielle Anwendungen.
Einstieg in den Markt für Schienenfahrzeuge
Überall auf der Welt wird laut Georg Stawowy, Vorstand für Technik und Innovation der Lapp Holding, kräftig in den Ausbau des Schienenverkehrs investiert – Experten gehen von einem jährlichen Marktvolumen von 162 Mrd. Euro aus: „Bei allen Komponenten von Schienenfahrzeugen haben Sicherheit und Zuverlässigkeit oberste Priorität – das gilt natürlich auch für die Verkabelung. Und der Bedarf an Verbindungslösungen ist groß: Bremssysteme, Führertische, Antriebsumrichter, Kupplungen und Zugsteuerungen müssen verkabelt werden, ebenso wie Schaltschränke, Antriebe oder Lüfter.“ Konkret beziffert Stawowy das Marktpotential für entsprechende Verbindungslösungen auf 500 Millionen Euro pro Jahr und betont daher: „Hier wollen wir mit dabei sein!“
Die Barrieren für einen Markteintritt seien in dieser Branche allerdings sehr hoch. Alle eingesetzten Produkte müssen höchsten Sicherheitsanforderungen entsprechen. Insbesondere im Personenverkehr ist der Brandschutz besonders wichtig. Deswegen gelten in der Bahnindustrie international besonders hohe Anforderungen, die allerdings in den einzelnen Weltregionen in unterschiedliche Normen übersetzt werden. Alle Anbieter und alle Produkte weltweit müssen zudem dem Bahnstandard IRIS (International Railway Industry Standard) entsprechen. Die zweite Herausforderung seien die OEMs selbst. „Diese nehmen einen Anbieter nur als gelisteten Lieferanten auf, wenn sie deren Produkte selbst auch noch geprüft haben“, so Stawowy.
Um sich als neuer Anbieter für Verbindungstechnik in Schienenfahrzeugen zu positionieren, hat Lapp dementsprechend ein spezialisiertes Produktportfolio unter anderem mit speziellen Ölflex-Train-Kabeln, Unitronic- und Etherline-Datenleitungen, Skintop-Kabeldurchführungen, Epic-Steckern und weiteren Systemprodukten entwickelt, das erstmals im Herbst 2016 auf der internationalen Leitmesse für Verkehrstechnik, der InnoTrans, in Berlin vorgestellt wurde.











