Rittal
Einfacher planen mit 3D
Statt Anreihschrank-Kombinationen setzt der Steuerungs- und Schaltanlagenbau zunehmend auf standardisierte Einzel-Schaltschränke – nicht zuletzt wegen der erleichterten Planbarkeit durch digitale Zwillinge. Ein Anwenderbericht.
Ein eher ungewöhnlicher Anblick: In der großen Fertigungshalle von Ripploh in Ostbevern stehen nicht nur Anreihschränke, vielmehr besteht ein beachtlicher Teil der Schaltanlagen aus Einzelschränken, also aus Schränken, die als Stand-Alone-Lösung eingesetzt werden. »Einzel-Schaltschränke haben bei uns mittlerweile einen Anteil von 20 %«, erklärt Andreas Ripploh, Geschäftsführer von Ripploh Elektrotechnik & Engineering, einem Unternehmen, das Steuerungs- und Schaltanlagen für die Industrie projektiert und baut. Beispielsweise habe man einen Maschinenbauer als Kunden, der pro Jahr 150 Einzelschränke in Auftrag gebe. Andere Aufträge für Einzelschränke kämen zum Beispiel von Maschinenbauern, die Kälte- und Müllpressanlagen herstellen. Alle setzen bei ihren speziellen Anwendungen auf Einzelschränke, da für diese Anlagen von vorneherein keine oder keine großen Erweiterungen geplant sind. Zur Sicherheit werden teilweise noch 20 % als Platzreserve gehalten, um geringfügig nachzurüsten und zu erweitern. Damit lassen sich noch Klemmen auf die Hutschiene setzen oder weitere Sicherungsautomaten, Koppelrelais oder Schnittstellen einbauen. Die Maschinen an sich sind bei solchen Anwendungen aber nicht zu erweitern, sie sind abgeschlossene Systeme.
3D-Zwilling ändert alles
»Der Ansatz der einfachen Erweiterbarkeit als Hintertür ist heute oft nicht mehr erforderlich«, erklärt Ripploh. »Der Trend ist, dass Anlagen mehr standardisiert geplant werden und Einzelschränke von vorneherein eingeplant werden können.« Früher seien Anreihschränke immer die erste Wahl gewesen, weil man diese einfach durch Anreihung erweitern konnte – es galt der Grundsatz: Fang schon mal an zu bauen, erweitern können wir ja immer noch. Mit Einsatz des 3D-Zwillings im Engineering habe sich dies grundlegend geändert. »Wir machen die 3D-Aufbauplanung mit Eplan Pro Panel seit acht Jahren und wir routen jeden Schaltschrank seit fast 18 Jahren. Von daher kennen wir immer das exakte Layout des Schaltschranks auch in Losgröße 1«, betont Ripploh. Ist das Engineering fertig, nimmt der Kunde es ab. Wenn er mehr Einbauten benötigt, wird geprüft, ob sie noch in den Schrank passen. Dank dem 3D-Zwilling ist schnell erkennbar, was realisierbar ist. »Wir müssen nicht erst alle Bauteile bestellen und testen, ob sie noch in den Einzelschrank passen. Wir sehen das im 3D- Aufbau – und wissen dann schon vorher, ob die Tür noch zugeht«, illustriert Ripploh.
Ende der Bastelei
Den Trend zur Standardisierung im Maschinen- und Anlagenbau hat Andreas Ripploh auch in seinem eigenen Engineering verankert. Der eigens entwickelte Schaltschrank-Konfigurator ‚Unit-E‘ ermöglicht das baukastenbasierte Engineering mit Komponenten, die im Eplan Engineering Center (EEC) hinterlegt sind. Bausteine für den Schaltschrankausbau lassen sich so individuell und schnell konfigurieren und aufeinander abstimmen. »Viele wollen das ‚Gebastel‘ nicht mehr, denn das ist nicht mehr kontrollierbar«, fasst Ripploh zusammen.
| VX SE mit digitaler Schaltplantasche |
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| Mit der digitalen Schaltplantasche ‚ePocket‘ von Rittal hat die dicke Papier- Dokumentation ausgedient. Jeder ‚VX SE‘ hat seinen eigenen Platz in der gesicherten Eplan Cloud. Über einen QR-Code auf dem Schaltschrank sind Unterlagen wie die Maschinen- und Anlagendokumentation jederzeit digital erreichbar – für alle Projektbeteiligten, denen der Besitzer der ePocket Zugriff geben möchte. Dies spart Papier, CO2 und Zeit bei der Maschinen- und Anlagendokumentation. Der Nutzen des digitalen Zwillings verlängert sich mit stets aktuellen Daten in den Betrieb, beispielsweise für die Instandhaltung oder die schnelle Fehlersuche. |
Passen alle Rahmenbedingungen wie Breite und Tiefe für den Einsatz eines Einzelschranks und ist klar, dass Erweiterungen nicht geplant sind, empfiehlt Ripploh seinen Kunden den System-Einzelschrank ‚VX SE‘ von Rittal. »Insgesamt kommt man mit dem Einzelschrank auf Einsparungen von 10 bis 15 % gegenüber Anreihschrank-Kombinationen. Große Einzelschränke müssten wir sonst mit zwei Anreihschränken aufbauen«, erklärt der Geschäftsführer.
Ein weiterer Vorteil ist, dass der Anlagenbauer mit Einzelschränken sofort loslegen kann, da Seitenwände und Dach nicht erst montiert werden müssen. Auch die Einzelteile mit dem Korpus müssen nicht separat bestellt werden. Zudem kann Ripploh kompakter bauen, weil die Montageplatte von 600 bis 1800 mm breiten Schränken durchgängig zur Verfügung steht. »Wir haben im Einzelschrank mehr Platz, können eine höhere Baudichte einbringen und den Schrank auch nach Fertigstellung einfacher transportieren. Das durchgängige Rastermaß vereinfacht den Fertigungsprozess deutlich. Mit dem VX-Systemzubehör haben wir vielfältige Ausbaumöglichkeiten, etwa im Bodenbereich. Im Engineering können wir bei Bedarf einfach auf das Anreihsystem umstellen«, fasst Ripploh zusammen.













