Hannover Messe 2014

Günter Herkommer,

Die Messe-Neuheiten von Wago

Das vergangene Jahr ist gut gelaufen für Wago Kontakttechnik. Nicht weniger erwartungsvoll blickt das Mindener Unternehmen das laufende Geschäftsjahr 2014 beziehungsweise auf die bevorstehende Hannover Messe. Mit im Gepäck werden unter anderem ein neues I/O-System sowie eine Linux-SPS sein.

© Computer&AUTOMATION

Mit einem Umsatz von 606 Mio. Euro kann Wago-Geschäftsführer Sven Hohorst für 2013 ein Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr (570 Mio. Euro) in Höhe von 6,3 % verbuchen. Rund ein Drittel davon (34,8%) erzielte das Unternehmen in seinen traditionellen Heimatmärkten Deutschland und der Schweiz, 31,5 % im restlichen Europa und 33,7 % im Rest der Welt. Produktseitig verteilt sich das Geschäft mittlerweile zu einem Viertel auf die Automation und zu drei Vierteln auf die Verbindungstechnik. Auf die Frage, was im laufenden Geschäftsjahr zu erwarten sei, wagt Sven Hohorts die Prognose: „Ein weiteres Umsatzplus von sieben Prozent sollte durchaus erreichbar sein.“ Um die Rahmenbedingungen für weiteres Wachstum zu schaffen, sind in diesem Jahr Investitionen in Höhe von 90 Mio. Euro geplant – über 65 Mio. davon allein in Deutschland.

Neben den Zahlen, gab das Unternehmen im Rahmen einer Vorpressekonferenz zur Hannover Messe 2014 auch einen Einblick in die dort zu erwartenden Produktneuheiten. Eine davon ist das I/O-System 750 XTR. Der Zusatz XTR steht für „eXTRem“ – sprich das System ist unter anderem optimiert für Umgebungsbedingungen im Bereich von -40° C bis +70 °C. Ein großer Vorteil für den Anwender: Zusätzliche Klimatisierungskomponenten wie Heizung und Kühlung sind trotz des weiten Temperaturbereiches nicht nötigt. Und durch das Fehlen einer separaten Klimatisierung fallen zudem niedrigere Energie- und Wartungskosten an. Dadurch, dass die E/A-Lösung zudem bis in einer Höhe von 5000 Metern zuverlässig funktioniert, ist ein Einsatz selbst in der dünnen Luft einer Bergstation kein Problem. Und aufgrund der außerordentlichen Vibrationsfestigkeit von 5g gemäß DIN EN 60068-2-6 (Beschleunigung 50 m/s²) und einer Schockfestigkeit von 15g (150 m/s²) gemäß IEC 60068-2-27 beziehungsweise 25g (250 m/s²) gemäß IEC 60068-2-29 ist das Automatisierungssystem sogar in unmittelbarer Nähe zu stark schwingenden oder schockerzeugenden Anlagenteilen einsetzbar werden, wie etwa an leistungsstarken Motoren, Leistungsschutzschaltern oder in einer Tunnelbohrmaschine.

Einsatzschwerpunkte sieht Dr. Thomas Albers, Leiter des Automatisierungsbereiches bei Wago, dementsprechend insbesondere in anspruchsvolle Anwendungen wie dem Schiffbau und der On-/Offshore-Industrie, bei Anlagen für erneuerbare Energien (Windkraft-, Photovoltaik- und Biogasanlagen), Ortsnetzstationen und Energieverteilungen, der Petrochemie, der Wasser- und Abwasserindustrie und nicht zuletzt im Sondermaschinenbau. Neben klassischen Automatisierungsanwendungen lassen sich mit dem I/O-System 750 XTR auch Fernwirklösungen realisieren. Der entsprechende Controller der Serie unterstützt konkret die entsprechenden Protokolle gemäß IEC 60870-5-101/-103/-104, IEC 61850, IEC 61400-25 sowie Modbus.

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Für Embedded-Linux-Entwickler: der PFC200 als Linux-Controller

Mit dem PFC200 hat Wago bereits zur Hannover Messe 2013 eine neue SPS-Generation vorgestellt, die dem wachsenden Bedürfnis nach platzsparenden Steuerungen Rechnung trägt, welche neben klassischen SPS-Aufgaben auch die Kommunikation mit unter- und übergeordneten Systemen übernehmen. Dieser mit Codesys programmierbare Controller basiert bereits auf einem echtzeitfähigen Linux-Betriebssystem.

Jetzt geht Wago noch einen Schritt weiter und stellt Embedded-Entwicklern mit dem Board-Support-Package (BSP) für den Linux-Controller alle Möglichkeiten des Open-Source-Betriebssystems zur Verfügung. Das Wago-Basisimage lässt sich durch Open-Source-Pakete erweitern und so das Betriebssystem nach eigenen Wünschen zusammenzustellen. Auf diesem Wege können verschiedenste Umgebungen wie Java, PHP oder Python genutzt werden. Zudem sind über externe Codesys-Bibliotheken Erweiterungen der SPS-Funktionalität aus beliebigem C-Code heraus erstellbar. Der Embedded-Programmierer kann die SPS-Laufzeitumgebung auch vollständig durch eigene C/C++-Anwendungen mit Zugriff auf den Klemmenbus (K-Bus), CAN und Profibus ersetzen.

Der Einsatz von Linux im industriellen Umfeld hat Albers zufolge weitere Vorteile: „Das echtzeitfähige System ist ausgereift und läuft äußerst robust und stabil. Eine umfassende Benutzerverwaltung, Speicherschutzmechanismen und überprüfbare Datenintegrität sorgen für maximale Sicherheit. Nicht zuletzt wird Linux von einer großen Community laufend weiterentwickelt - das Open-Source-Konzept gewährleistet dem Nutzer hierbei alle Freiheiten, es gibt weder Update- oder Upgrade-Vorgaben noch proprietäre Komponenten.“ Zum Start ist der Linux-Controller in vier Varianten mit den Schnittstellen Ethernet 10/100 Mbit/s, RS-232/485, CAN und Profibus erhältlich. Später soll unter anderem auch eine „dunkelgraue“ Variante für das System 750XTR folgen.

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