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Artikel und Hintergründe zum Thema

Vision Optrix / Teledyne Dalsa

von David Dozor | Inka Krischke,

Faltenfreie Klebebänder für die Medizin

Der US-amerikanische Systemintegrator Vision Optronix hat ein Bildverarbeitungssystem entwickelt, das während der Herstellung von selbsthaftendem kohäsivem Material dessen Qualität prüft. Die Grundlage des Systems, das für deutlich weniger Ausschuss sorgt, sind Zeilenkameras.

© Vision Optrix

Selbsthaftende kohäsive Materialien und Klebebänder (Pressure-Sensitive Adhesives, PSA) werden häufig bei der Herstellung medizinischer Produkte wie etwa Wundpflastern verwendet. Sie basieren auf nicht reaktiven Klebstoffen, die eine Verbindung eingehen, wenn Druck ausgeübt wird, um das Material auf einer Oberfläche zu befestigen. Im medizinischen Bereich werden PSA am häufigsten für die Wundversorgung oder chirurgische Reparaturverfahren verwendet, weshalb die Qualität des Materials von größter Bedeutung ist. Gegenüber herkömmlichen Dicht- und Klebstoffen bieten PSA Vorteile wie zum Beispiel die einfache Anwendung und die Vielseitigkeit der Bindungsstärke.

Ein Hersteller von PSA für medizinische Anwendungen hatte auf seiner Fertigungslinie Ertragseinbußen aufgrund von Faltendefekten, die in der mullartigen Vliesschicht des Produkts auftraten. Diese Vlies-PSA werden auf leichten PET-Kunststoff- und Papierträgermaterialien mit einer Breite von rund 70 cm und einer Dicke von 0,025 bis 0,075 mm produziert. Nach der Klebstoffbeschichtung des Trägermaterials wird ein dickes, weißes Vliesmaterial mit einer Dicke von ebenfalls etwa 0,025 bis 0,075 mm mit Geschwindigkeiten von bis zu 55 m/min auf das Trägermaterial laminiert.

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Problem Faltenbildung

Während des Laminiervorgangs kann das Vliesstoffmaterial periodisch Falten bilden, die das Produkt unbrauchbar und zu Ausschuss machen. Aber: Mit dem menschlichen Auge sind die bei der Herstellung entstehenden Falten nur schwer zu erkennen, da das mullartige Vliesmaterial sehr dünn und durchscheinend ist. Werden die Falten nicht erkannt und beseitigt, können sie sich über viele hundert Meter erstrecken – mit der Folge des Verlusts an eingesetzten Rohstoffen, unnötig verbrauchter Arbeitskraft, erhöhten Allgemeinkosten für den Auftrag und verärgerten Kunden, falls die Falten vor dem Versand nicht entdeckt werden.

Da der Hersteller keine handelsübliche Bildverarbeitungslösung für diese Anwendung finden konnte, wandte er sich an den Systemintegrator Vision Optronix, um ein Bildverarbeitungssystem zu entwickeln, das bei der Erkennung, Lokalisierung und Meldung von Faltendefekten während der PSA-Fertigung hilft. Aufgabe des Bildverarbeitungssystems sollte sein, das Bedienpersonal des PSA-Produzenten zu warnen, damit sie auftretende Falten sofort beseitigen können, und zudem die Position der Faltenfehler automatisch zu markieren. Darüber hinaus sollte eine Datei mit erkannten Faltendefekten erstellt und zusammen mit den Defektbildern gespeichert werden, anhand derer die Bediener der Schneidemaschine die markierten Faltenfehler vor dem Versand entfernen können.

Abbildung der Faltendefekte

Vision Optronix untersuchte das Problem im Labor, um die beste Methode zur Abbildung der Faltendefekte zu finden. Neben der Größe der Defekte sowie der Prozessgeschwindigkeit erwiesen sich die Beleuchtungsanforderungen als technisch anspruchsvoll.

Bei einer Untersuchung vor Ort überprüfte der Systemintegrator zunächst die Faltendefekte und die Bahnbeschichtungsanlage, die die speziellen Beschichtungen aufträgt. Wichtig war, zu verstehen, wie die verschiedenen Komponenten des Bildverarbeitungssystems optomechanisch gestaltet sein müssen, um in den verfügbaren Raum eingepasst werden zu können. Auf dieser Basis entwickelte, realisierte, programmierte und testete der Systemintegrator ein vorläufiges Design des Bildverarbeitungssystems inklusive der nötigen Elektronik, der Bildverarbeitungsalgorithmen sowie der grafischen Benutzeroberfläche für den Kunden.

Eine grafische Benutzeroberfläche ermöglicht es Bedienern und Ingenieuren, das Bildverarbeitungssystem für jedes Produkt mit Hilfe von Rezepturen einzustellen und erkannte Fehler darzustellen.

© Vision Optrix

Besonders anspruchsvoll war die Entwicklung des Kontrasts, für das hauchdünne, gazeartige, weiße Vliesmaterial, das auf weißes PET laminiert ist. Mit Hilfe des in Massachusetts ansässigen Unternehmens CPU Automation wählte Vision Optronix handelsübliche CCS-Linienbeleuchtungen für diese Aufgabe aus. Sie ermöglichten es dem Bildverarbeitungssystem, genügend Kontrast zu entwickeln, um die Faltendefekte zu finden. Um sicherzustellen, dass das System so viele Faltendefekte wie möglich, dabei aber auch so wenig falsche Defekte wie möglich detektiert, setzte Vision Optronix eine Reihe von Bildverarbeitungsalgorithmen ein.

Bei den Kameras entschied sich das Unternehmen für die Zeilenkameras Linea 2K und 4K von Teledyne Dalsa. Da diese über integrierte Encoder und eine Zeilenbeleuchtung verfügen, eignen sie sich gut für diese Anwendung, da die Vlies-PSA im Bahnverfahren hergestellt werden und sich das Material während des Herstellungsprozesses über Rollen bewegt.

Es wurden verschiedene Bildverarbeitungsalgorithmen angewandt, die auf dem Vision Controller bei den erforderlichen Bahnbeschichtungsgeschwindigkeiten laufen. Dadurch wurde sichergestellt, dass der gesamte Bahnprozess während der Herstellung mit ausreichendem Kontrast abgebildet und Bild für Bild analysiert werden kann, um die Faltendefekte zu erkennen, zu lokalisieren und zu melden. Das System besitzt digitale Ein- und Ausgänge für die Prozesssteuerung und -überwachung sowie Optionen zur Speicherung von Fehlerbildern und zur Berichterstellung. Zudem wurde eine grafische Benutzeroberfläche entwickelt, die es Bedienern und Ingenieuren ermöglicht, das Bildverarbeitungssystem für jedes Produkt mit Hilfe von Rezepturen einzustellen, die bei der Herstellung des Produkts verwendet werden.

Nachdem Vision Optronix im Labor Rezepturen für drei Produkte des Kunden entwickelt hatte, wurden diese vor Ort weiter optimiert, während die Ingenieure des Kunden im Rezeptur-Entwicklungsprozess für die weitere Verwendung mit allen Produkten des Kunden geschult wurden. Die Benutzeroberfläche ermöglicht den Bedienern auch die Eingabe von Auftragsdaten, die Auswahl von Rezepturen und die Steuerung von Parametern wie Bild-Handling, Speicheroptionen und Fehlerklassifizierungseinstellungen.

Der Autor: David Dozor ist Gründer von Vision Optronix in Belmont, USA.

© Vision Optronix

Um die Linea-Kameras einzurichten und zu testen, nutzte Vision Optronix die Konfigurationsanwendung ‚CamExpert‘ von Teledyne Sapera. Auch konnte das Team die Zeilentriggerung über einen Encoder aktivieren, um die Zeilenerfassung an die optische Auflösung (Pixel auf der Bahn) mit dem integrierten Multiplikator/Teiler anzupassen. Das Design des Inspektionssystems erforderte die Integration verschiedener Komponenten, einschließlich der Anbindung digitaler I/O-Elektronik, der Zeilentriggerung mit dem integrierten Multiplikator/Teiler und der Einrichtung einer Bildpuffergröße, um die Wahrscheinlichkeit von verlorenen Bildern zu begrenzen.

Was die monetären Aspekte anbelangt, waren die Kosten für die Konstruktion und Entwicklung des Systems sowie die geringfügigen Änderungen an der Produktionslinie zur Anpassung an das Bildverarbeitungssystem deutlich geringer als die Verluste einer einzigen Materialcharge und andere damit verbundene direkte Kosten. Darüber hinaus bietet das System Sicherheit und entlastet die Bediener, die früher viel Zeit in der Nähe der Laminiermaschine verbringen mussten, um auf mögliche Faltenbildung zu kontrollieren. Mit dem System erfüllte Vision Optronix zudem den Wunsch des Anwenders, die erfassten Bilder auf einem großen Bildschirm mit nativer Auflösung darzustellen, so dass die Bahn nach der Laminiermaschine für jedermann auf einfache Weise sichtbar ist. Das System speichert erkannte Fehler auch auf einer Festplatte ab und verweist in einem Bericht auf sie.

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