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Artikel und Hintergründe zum Thema

20 Jahre EMVA

Inka Krischke,

»Die IBV verfügt über eine natürliche Widerstandsfähigkeit«

Die European Machine Vision Association (EMVA) feiert 2023 ihr 20jähriges Bestehen. Auf die Fragen nach den ‚Ups and Downs‘ antwortet EMVA President Dr. Chris Yates.

Dr Chris Yates ist Präsident der European Machine Vision Association (EMVA).

© EMVA

Herzlichen Glückwunsch zu 20 Jahren EMVA! Im Rückblick: Was war die bedeutendste technologische Entwicklung beziehungsweise Initiative Ihres Verbandes?

Zunächst möchte ich im Namen der EMVA auch ganz herzlich der Computer&Automation zum 25jährigen Bestehen und zu einem Vierteljahrhundert qualitativ hochwertiger Berichterstattung gratulieren. Was die EMVA angeht, sind es in einer so dynamischen Branche wie der Bildverarbeitung ja die Unternehmen, die mit technologischen Entwicklungen Innovationen antreiben. Als Branchenverband begleitet die EMVA diese Prozesse etwa durch Netzwerkveranstaltungen und Konferenzen, auf denen Megatrends diskutiert werden. Ein Beispiel war die Embedded Vision Europe Konferenz 2017 und ihre Wiederholung zwei Jahre später. Eine für die Branche entscheidende Initiative waren gewiss die Standardisierungsbemühungen der letzten gut 15 Jahre. Standards haben die Vision-Tech Industrie gerade in der Akzeptanz der Technologie beim Kunden substantiell vorangebracht. Sie vereinfachen die Einführung und Integration einer Technologie, sie reduzieren die Entwicklungskosten für die Anbieter und die Lernkosten für die Anwender. Die EMVA als ein Gründungsverband der so genannten G3-Initiative, unter deren Dach bestehende Standardisierungsinitiativen vorangetrieben und neue Standardisierungsfelder erschlossen werden, hat daran sicher ihren Anteil. Die EMVA-gehosteten Standards GenICam und EMVA 1288 zählen zu den bedeutendsten in der Branche.

Gibt es ein absolutes Highlight in der Verbandsgeschichte? Welches und warum?

Die wichtigste Konstante in der Geschichte der EMVA ist die EMVA-Business Conference. Auf der allerersten Konferenz wurde die EMVA gegründet, inzwischen war die EMVA-Business Conference in 19 europäischen Metropolen zu Gast, nicht zu vergessen die beiden virtuellen Konferenzen während der Corona-Pandemie. Ich möchte daher nicht ein einzelnes Ereignis hervorheben, sondern vielmehr den über zwei Jahrzehnte anhaltenden Erfolg dieses Konferenzformats, das einmal im Jahr die Führungsebene unserer Branche zusammenbringt. Ein Konferenzjahr sticht allerdings doch hervor: Ein unvergessliches Ereignis für alle Teilnehmer war sicherlich die EMVA Business Conference 2010 in Istanbul, als während der Ankunft der Teilnehmer der Vulkan Eyjafjallajökull in Island ausbrach. In ganz Europa wurden Flüge gestrichen und niemand konnte die Stadt auf normalem Wege verlassen. Dies führte zu abenteuerlichen, aber gemeinsamen Versuchen, nach Hause zu kommen, von gecharterten Lear-Jets, die noch fliegen durften, bis zu einer 18-stündigen Busreise von etwa zwei Dutzend Teilnehmern von Istanbul über den Balkan nach München.

In 20 Jahren geht es nicht nur rosig zu – was war aus Ihrer Sicht die schwierigste Zeit für die EMVA?

In den vergangenen 20 Jahren der EMVA gab es sicherlich auch schwierige Zeiten. Die globale Finanzkrise von 2008 bis 2009 führte zu erheblicher Unsicherheit auf allen Märkten, und die Bildverarbeitungsbranche bildete da keine Ausnahme. Die starken Antriebskräfte der Branche und der strategische Bedarf an Bildverarbeitungstechnologien haben jedoch in der Folgezeit zu einer raschen Erholung geführt. In jüngster Zeit haben die weltweite Covid-19-Pandemie und die daraus resultierenden Einschränkungen in der Lieferkette sicherlich viele Unternehmen und auch die Tätigkeit der EMVA beeinträchtigt, so dass etwa die Möglichkeit, die für unsere Mitglieder so wichtigen persönlichen Networking-Veranstaltungen zu organisieren, drastisch eingeschränkt wurde. Insgesamt hat sich die EMVA als widerstandsfähig gegenüber globalen Ereignissen erwiesen, und wir freuen uns darauf, unsere Mitglieder auch in Zukunft zu unterstützen, auch wenn wir künftige störende Ereignisse nicht vorhersagen können.

Welche technologischen Trends sehen Sie, die für die Arbeiten der EMVA wichtig sind beziehungsweise werden?

Zum einen prägt die zunehmende Digitalisierung die Entwicklung des Vision-Tech-Markts. Die Digitalisierung industrieller Prozesse zur Schaffung eines einheitlichen Produktlebenszyklus, von der Konstruktion über die Fertigung bis hin zur Anwendung, bietet für die Bildverarbeitung viele Einsatzmöglichkeiten. Dazu zählen etwa die Definition von Inspektions- und Messplänen zum Zeitpunkt der Konstruktion oder die Nutzung von Bildverarbeitungstechnologie zur Analyse manueller Montagevorgänge. Des Weiteren schafft der zunehmende Einsatz von Bildverarbeitungssystemen auf KI-Basis ein ganzes Technologie-Ecosystem mit vielen Unternehmen. Diese entwickeln Low-Code/No-Code-Toolchains, um den Einsatz von KI-Modellen zu erleichtern. Damit verbunden wird die Verwendung vollständig synthetischer Daten zum Trainieren von KI-Modellen an Bedeutung gewinnen ebenso wie Tools zur Quantifizierung und Validierung der Robustheit und Sicherheit von Modellen. Viele Unternehmen erkennen auch den Wert zusätzlicher Erkenntnisse, die sich aus automatisierten Qualitätsmessungen gewinnen lassen, etwa zur Vorhersage der Leistungsfähigkeit eines Werkstücks und zur Unterstützung von Predictive Maintenance.

Was glauben Sie, was wird die größte Herausforderung der nächsten Jahre, geschäftlich und/oder technisch?

Sicherlich wird die Bildverarbeitungsbranche auch in Zukunft mit Herausforderungen konfrontiert sein. Doch als ein Sektor, der viele verschiedene Branchen beliefert, verfügt die industrielle Bildverarbeitung über eine natürliche Widerstandsfähigkeit, und als dynamische Branche schaffen unvorhergesehene Herausforderungen oft neue Möglichkeiten für innovative Unternehmen. Gewiss gibt es Veränderungen in der Branchenstruktur. Dazu gehört die zunehmende Konsolidierung, die zu größeren Bildverarbeitungsunternehmen führt, obwohl dies teilweise durch den kontinuierlichen Markteintritt von Unternehmen ausgeglichen wird, die neue Ansätze zur Lösung von Bildverarbeitungsanwendungen anbieten. Der Preisdruck insbesondere bei den Unternehmen, die Hardwarekomponenten herstellen, wird wohl anhalten, so dass sich die gesamte Branche darauf konzentrieren wird, ein breiteres Produktportfolio oder höherwertige Lösungen anzubieten. Auf der technischen Seite bringt der zunehmende Einsatz von KI in Bildverarbeitungsanwendungen zusätzliche Vorteile, führt aber auch zu wettbewerblichen Herausforderungen, da die Marktzutrittsschranken für Unternehmen außerhalb des traditionellen Bildverarbeitungssektors abgenommen haben und die KI-Leistung für die Endnutzer transparenter gemacht werden muss, etwa um strenge Qualitätsanforderungen zu erfüllen.

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