3D-Bildverarbeitung
Die Augen des Roboters
Eines der zentralen Themen der Automatica ist die Bildverarbeitung. Bei den ausgestellten Vision-Systemen sind zwei teils gegenläufige Trends zu beobachten: Einerseits gibt es eine klare Tendenz zu komplexen 3D-Systemen und andererseits setzen etablierte Lösungen nicht mehr zwangsläufig Expertenwissen voraus.
Die dreidimensionalen Systeme erweitern die Aufgaben der Bildverarbeitung im Maschinenbau um Bereiche, die klassische 2D-Technologien nicht schaffen. Denn um mit 2D-Systemen Objekte zu erkennen, muss ihre Orientierung im Raum bekannt sein. 3D-Vision dagegen kann Objekte erfassen, egal welche Lage sie im Raum einnehmen.
Dr. Olaf Munkelt, Geschäftsführer bei MVTec: „Die Roboter der Zukunft sind integrierte Geräte, bei denen 3D-Bildverarbeitung und Steuerungssoftware verschmelzen.“
© MVTecPatrick Schwarzkopf vom VDMA Industrielle Bildverarbeitung dazu: „Nach unserer Marktanalyse werden bereits 10 % des gesamten Branchenumsatzes allein mit dreidimensionalen Messaufgaben realisiert - Tendenz steigend!" Zwar dominieren heute noch 2DSysteme und einfache Vision-Sensoren den Markt. Doch 3D ist in der Bildverarbeitung gerade mit Blick auf die Handhabung und Robotik auf dem Vormarsch. Dr. Olaf Munkelt, Vorsitzender des VDMA Industrielle Bildverarbeitung und Geschäftsführer der MVTec Software GmbH, macht klar: „3D-Vision steht am Anfang einer rasanten Entwicklung. Die Verschmelzung von Maschinen und Bildverarbeitungstechnologien ist vorauszusehen."
MVTec, bekannt für die Bildverarbeitungs- Software Halcon, präsentiert auf der Automatica ein neues oberflächenbasiertes 3D-Matching-Verfahren anhand einer Robotik-Applikation. Dieses Verfahren kommt im Oktober 2010 mit der Version Halcon 10 auf dem Markt. Maciej Kaniewski, Teamleiter bei Robo3DVision, erklärt das ' Adaptive Vision System II‘: „Unser System gehört zu den sogenannten ' Vision Based Robot Guidance Systems‘. Solche Systeme scannen die Szene, finden die Position von gesuchten Elementen und berechnen den Pfad für den Roboter. Sie eignen sich besonders zum Greifen, Palettieren und Montieren sowie für Klebe- und Schweißeinsätze des Roboters."
Durch die dreidimensionalen Informationen kann das Bildverarbeitungssystem den Objekttyp identifizieren und seine Lage erkennen. Das ist für die korrekte Handhabung eine wichtige Voraussetzung. Auch die Firma VMT bietet eine Komplettlösung zur Roboter-Bahnkorrektur an, die sich für die Nahtabdichtung, Kantenbearbeitung und zur Führung von Schweißrobotern eignet. Dabei findet die Bahnkorrektur offline statt, wodurch Messung und Bearbeitung voneinander entkoppelt sind. Ein weiters Beispiel für Bildverarbeitung in der Robotik ist die vollautomatische Kommissionierzelle „Robo Pick" vom Lagertechnik-Spezialisten SSI Schäfer.
Das Handhabungssystem kann laut Hersteller Artikel in unterschiedlichen Größen und Formen handhaben und das bei bis zu 2400 Pick-Vorgängen pro Stunde - sprich rund das Doppelte, was herkömmliche Systeme bewältigten. Um das zu meistern, wird ein zweistufiges Bildverarbeitungssystem basierend auf 2D- und 3D-Verfahren genutzt. Eine Eingabe von Produktmerkmalen oder Lagepositionen ist nicht erforderlich; weder Aufkleber am Artikel, noch schräge Produktkanten oder besonders dunkle oder helle Farbgebungen stören laut Hersteller das System.

3D-Bildverarbeitung spielend umgesetzt
MVTec hat den Kamera-Sensor Kinect der Spielekonsole Xbox erfolgreich mit seiner 3D-Bildverarbeitungssoftware Halcon verbunden. Trotz des spielerischen Ansatzes bietet die Kombination durchaus Potential für industrielle Anwendungen.
Einfache Bedienung und hohe Flexibilität
Geht es nach Maciej Kaniewski von Robo3DVision, ist ein Merkmal zukünftiger Bildverarbeitungssysteme eine hohe Flexibilität: „Heutzutage sind Vision-Systeme meist auf konkrete Aufgaben spezialisiert.
Das Adaptive-Vision-System von Robo3DVision dient der Roboter-Bahnsteuerung bei Aufgaben wie Greifen, Montieren, Kleben und Schweißen.
© Robo3DVisionJede Änderung in der Prozess-Spezifikation ist kosten- und zeitintensiv. Das muss sich ändern." Wichtige Voraussetzung dazu ist: Roboter und Vision- System müssen einfacher zu handeln sein.
Dazu sollte seiner Meinung nach ein einheitliches System auf PC-Plattform entwickelt werden, das den Roboter und die Zusatzgeräte - wie etwa Schweißgeräte - steuert, aber auch die Vision-Algorithmen umsetzt. Dr. Olaf Munkelt von MVTec hat ähnliche Zukunftsvorstellungen: „Die Roboter der Zukunft werden sicherlich integrierte Geräte sein, bei denen die Bildverarbeitungs- und Steuerungssoftware verschmelzen.
Natürlich ist es dabei wichtig, die Bedienfreundlichkeit zu steigern und integrierte Entwicklungsumgebungen einzusetzen. Viele Automatisierungen laufen zukünftig weniger auf PC- als auf stromsparender Embedded-Hardware. Dazu müssen die Software-Hersteller Standardprodukte zur Verfügung stellen, die auf solchen Systemen ohne Umstellungsaufwand zum Einsatz kommen können.
Eine Kombination aus 2D- und 3DVerfahren verhelfen der Kommissionierzelle „Robo Pick“ am Stand des Lagertechnik-Herstellers SSI Schäfer zu einer Leistung von 2400 Picks pro Stunde.
© SSI SchäferDas führt dann auch immer stärker hin zu kostengünstigeren Lösungen." Die Entwicklung geht vermehrt in Richtung einfacherer Bedienoberflächen und intelligenterer Systeme, beobachtet Stemmer Imaging, Anbieter von IBV-Komponenten: Bildverarbeitungssysteme werden nicht mehr ausschließlich von spezialisierten Dienstleistern eingerichtet.
Peter Stiefenhöfer, Marketingleiter bei Stemmer, beschreibt die Auswirkungen: „Tiefes Spezialwissen ist heute nicht für jeden Einsatz von Bildverarbeitung notwendig. Daher bauen immer mehr Endanwender selbst entsprechendes Know-how auf, um sich mit diesem Wissen einen Wettbewerbsvorsprung gegenüber ihrer Konkurrenz zu verschaffen. Die Anwenderstruktur in diesem Bereich verändert sich also. Bildverarbeitung wird zunehmend zu allgemein genutzter Technik."
Dr.-Ing. Heiko Frohn, Geschäftsführer Industrieautomation der Firma Vitronic Dr.-Ing. Stein Bildverarbeitungssysteme, präzisiert: „Pick-and-Place-Zuführaufgaben und ähnliche einfache Lösungen übernehmen zunehmend die Maschinenbauer und Automatisierer selbst. Wir konzentrieren uns auf komplexere Lösungen, wo das Vision-System nicht nur Mess- und Prüfsystem ist, sondern sich als Instrument zur Prozessverbesserung etabliert."
Kostenlose Technologie-Seminare
Besucher, die sich zum Thema Vision informieren möchten, finden die Bildverarbeitungsanbieter in den Hallen A2 und B2. In der „Machine Vision Knowhow Lounge" in Halle B1 thematisieren die Referenten in ihren Vorträgen bildverarbeitende Sensoren, Intelligente Kameras, 3D-Vision, Machine-Vision-Software und Thermografie. Zielgruppe sind Entscheider, Planer, Konstrukteure und Entwickler aus der verarbeitenden Industrie, die sich für Machine-Vision- Lösungen interessieren und noch keine oder nur wenig Erfahrungen gesammelt haben.













