zuruck zur Themenseite

Artikel und Hintergründe zum Thema

Studie

Davina Spohn,

Wie und mit wem automatisiert China?

China ist der weltweit wichtigste Markt für Industrieautomation. Wie stark prägen ausländische Automatisierungshersteller den Markt und wie schlagen sich die einheimischen Unternehmen in den einzelnen Produktsegmenten? Eine Studie von STM gibt Antworten.

© Fotolia / julien tromeur

Steigende Lohnkosten, eine zurückgehende Anzahl an Arbeitskräften, erhöhe Qualitätsansprüche auf den Absatzmärkten und strengere Arbeitssicherheitsnormen – Faktoren, die China zu einer stärkeren Automatisierung zwingen, so die Stieler Technologie- & Marketing-Beratung (STM) aus Lörrach. Dies hat auch die Regierung in Peking erkannt und unterstützt diesen Prozess - in Bereichen wie etwa der Robotik sogar deutlich früher als noch vor Kurzem vorgesehen. Wie hat sich der Markt für Industrieautomation in China seit 2010 bis heute entwickelt? Wie hoch sind die Marktanteile chinesischer und ausländischer Unternehmen im Bereich der Industrieautomation China? Unsere Bilderstrecke gibt Antworten.

STM analysierte für ihre Studie über 900 ausländische und einheimische Unternehmen in den einzelnen Produktsegmenten – von PLM- und ERP-Software über Antriebe bis hin zu 3D-Druckern (siehe unten Teil 2 bis Teil 15).

PLM- und ERP-Software

Im Bereich PLM-Software sind laut der STM-Studie die drei internationalen Marktführer Dassault, PTC und Siemens zusammen für etwa knapp die Hälfte des Marktes verantwortlich. In den vergangenen Jahren konnten chinesische Unternehmen wie CAXA, Yonyou, Extech, Beijing Shenzhou oder Pera Global allerdings aufholen. Laut STM profitieren sie vor allem von einem Trend zu kombinierten ERP + PLM-Lösungen.

Mit dem Wandel der chinesischen Industrie zu höherwertigen Produkten wird auch die Nachfrage nach PLM-Lösungen weiter zunehmen. Die Marktforscher von STM gehen daher davon aus, der chinesische Markt für PLM-Software stärker wachsen wird als der Weltmarkt. Allerdings wird dieses Wachstum stark von mittelgroßen Unternehmen getragen werden, was chinesische Hersteller begünstigt.

Der Bereich ERP-Software wird im High-End Markt von SAP, Oracle und Infor dominiert, während kleine und mittelgroße Unternehmen in erster Linie auf einheimische Lieferanten wie Yonyou, Kingdee, Inspur und Digiwin zurückgreifen. Den Berechnungen von STM zufolge kommen chinesische ERP-Anbieter in ihrem Heimatmarkt damit auf einen Marktanteil von über 80 %. Die führenden chinesischen Hersteller haben mittlerweile eine respektable Anwendungsbreite in verschiedenen Industrien. Insbesondere hinsichtlich Lösungen für die Planung flexibler Produktionsprozesse besteht allerdings noch eine Lücke. Auch werden multinationale Unternehmen weiterhin ihren ausländischen Lieferanten treu bleiben.

Aufgrund technologischer Weiterentwicklung geht STM davon aus, dass der chinesische Markt für ERP-Software wieder etwas schneller wachsen wird als in den vergangenen zwei Jahren. Die Zugewinne chinesischer Unternehmen am Gesamtmarkt werden laut STM allerdings vergleichsweise gering ausfallen.

Anzeige

MES und Optimierungs-Software

Noch führen den MES-Markt die Unternehmen Siemens und Honeywell an. Sie kommen in erster Linie in staatlichen Großprojekten zum Einsatz. Mehr als 60 % des chinesischen MES-Geschäfts ist allerdings in der Hand spezialisierter einheimischer Unternehmen, so STM. Zwar mangelt es diesen noch an bestimmten Funktionen und modularer Integrationsfähigkeit. Ähnlich wie in anderen Bereichen haben sie allerdings ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse chinesischer Unternehmen und sind flexibler, wenn es um die Erfüllung von deren Wünschen geht.

STM erwartet das größte Wachstum für MES durch Neukunden aus Bereichen mit einem eher geringen Durchdringungsgrad. Hierbei handelt es sich in erster Linie um mittelgroße Unternehmen, wovon insbesondere chinesische MES-Lieferanten profitieren dürften. In technologischer Hinsicht ist eine tiefere Integration von ERP und MES absehbar.

Laut der STM-Studie wird der Markt für Optimierungs-Software noch von ausländischen Lieferanten dominiert. Zwar existieren große einheimische Systemintegratoren wie Supcon, die Advanced Processing Control Lösungen anbieten, reine Software-Anbieter in diesem Bereich sind bisher allerdings nur im akademischen Bereich zu finden.

Auch aufgrund des expliziten Wunschs der chinesischen Regierung geht STM davon aus, dass dieser Bereich ausgehend von einem niedrigen Niveau in den kommenden Jahren stark wachsen wird. Aufgrund des großen Erfahrungsvorsprungs ausländischer Lieferanten in diesem Bereich ist allerdings unklar, wie schnell chinesische Unternehmen daran teilnehmen werden.

Scada und Prozessleitsysteme

Der Markterfolg bei Scada-Anwendungen ist abhängig von den Entscheidungen der jeweils zuständigen Lokalregierungen. Bis auf die Öl und Gasindustrie, wo ABB, Schneider und Honeywell stark sind, konnten sich aus diesem Grund ausländische Hersteller hier nicht durchsetzen. Nach den STM-Erhebungen sind chinesische Unternehmen bereits für über 90 % des Scada-Markts in China verantwortlich. Die jeweiligen einheimischen Marktführer unterscheiden sich von Absatzmarkt zu Absatzmarkt.

Aufgrund des Aufbaus eines landesweiten Smart Grids, Investitionen in die Wasserwirtschaft sowie einer geplanten Verdoppelung der landesweiten U-Bahn-Kapazitäten und des Geschäfts mit Hochgeschwindigkeitszügen bis zum Jahr 2020 rechnet STM weiterhin mit einem rapiden Wachstum im Scada-Bereich. In Anbetracht ihrer bereits schwachen Position in diesem Markt gehen die Marktforscher davon aus, dass ausländische Unternehmen hier weiter an Bedeutung verlieren werden.

Das Geschäft mit Prozessleitsystemen (DCS) hängt stark mit den jeweiligen Investitionsplänen der chinesischen Regierung zusammen. Neue Materialien in der Chemieindustrie, der weitere Ausbau von Atom- und Windkraft, neue Projekte in der petrochemischen Industrie sowie die Modernisierung städtischer Infrastruktur werden dafür sorgen, dass diese Branchen weiterhin die Hauptabsatzbereiche bleiben werden. Gegenwärtig sind chinesische Hersteller für 43 % des DCS-Marktes verantwortlich. Unter den Top 3 sind mit Supcon und Hollysys zwei chinesische Unternehmen. Die führenden chinesischen Unternehmen in diesem Gebiet punkten mit einfacher Bedienbarkeit und Preisen, die teilweise bis zu 50 % unter denen ihrer ausländischen Wettbewerber liegen. Die Vorteile ausländischer Lieferanten liegen noch in Bereichen mit hohen Sicherheitsanforderungen, wie etwa der Ölindustrie. Allerdings konnte Supcon in der Vergangenheit auch Projekte in der petrochemischen Industrie mit ihren hohen sicherheitstechnischen Anforderungen für sich gewinnen. Das Unternehmen Hollysys' JV Techenergy verfügt bereits über 60 % Marktanteil in DCS für die Kernenergie in China.

Aufgrund des sich abkühlenden Investitionsklimas rechnet STM im Vergleich zu den anderen Segmenten nur mit einem moderaten Wachstum von durchschnittlich sechs Prozent bis zum Jahr 2020.

PLC / SPS

Insbesondere kleine PLC wurden stark vom Abschwung in Windkraft, Textilmaschinen, Werkzeugmaschinen und metallurgischen Anlagen nach dem Jahr 2012 getroffen, so STM. Aufgrund eines starken Projektgeschäfts in der Chemieindustrie, mit Stadtwerken und der Automobilindustrie sowie einem anziehenden OEM-Geschäft in den Bereichen Aufzüge und Elektronikprodukten hat sich der Markt seit 2013 wieder etwas erholt. Die Märkte für große und mittlere PLCs werden laut der STM-Forscher noch fast ausschließlich von ausländischen Herstellern dominiert. Allerdings drängen führende chinesische Unternehmen der Industrieautomation auch in diesen Bereich. Hollysys etwa hat bereits einen guten Ruf bei großen PLC für bestimmte Anwendungen und arbeitet intensiv daran, zu internationalen Anbietern im Bereich kleiner und mittlerer PLC aufzuschließen. Auch das chinesische Unternehmen Inovance drängt in diesen Bereich.

Generell stellt STM fest, dass chinesische PLC-Hersteller flexibler als ihre ausländischen Wettbewerber sind und besser auf die Bedürfnisse ihrer chinesischen Kunden eingehen. Zudem bieten chinesische PLC-Lieferanten ihren Kunden auch kostenlose Schulungen oder Dienstleistungen bei der Produktanpassung. Aufgrund der hohen Sicherheits- und Zuverlässigkeitsanforderungen herrscht bei der Mehrheit der chinesischen Kunden allerdings noch Skepsis beim Einsatz von einheimischen PLC. Nichtsdestotrotz geht STM davon aus, dass ein aggressiveres Auftreten einheimischer Automatisierungsunternehmen ein wichtiger Markttreiber in der Zukunft sein wird.

In technologischer Hinsicht beobachten die Forscher einen Trend zu maßgeschneiderten, auf spezifische Industrieanforderungen abgestimmten PLC. Außerdem erproben erste Unternehmen softwarebasierte PLC-Lösungen, bei denen die PLC-Funktionen in einer übergeordneten Rechnerebene ablaufen.

CNC-Systeme

Seit dem Jahr 2013 leiden CNC-Systeme unter dem schwierigen Marktumfeld im Bereich Werkzeugmaschinen, so STM. Zwar hat die chinesische Regierung ehrgeizige Quotenziele für einheimische CNC-Systeme formuliert. Gemessen am Markterfolg sind die Resultate allerdings bisher enttäuschend, wie STM feststellt. Etablierten chinesischen Herstellern von CNC-Systemen ist es bisher nicht gelungen, im mittleren Marktsegment eine dominierende Position aufzubauen, geschweige denn ins High-End-Segment vorzudringen. Chinesische CNC-Systeme haben immer noch Nachteile hinsichtlich Zuverlässigkeit, Präzision und Zugriffsgeschwindigkeit.

Ein vielversprechender Ansatz ist das neue Steuerungssystem i5 der Shenyang Machine Tool Group, das nun auch die Steuerung von 5-achsigen Bearbeitungszentren beherrscht. Durch die Marktmacht des Mutterunternehmens wird dieses System eine entsprechende Verbreitung erfahren. Auch wurden zukunftsbezogene Aspekte wie vernetzte Produktionsprozesse in der Entwicklung von Anfang an berücksichtigt.

HMIs

Auch der chinesische Markt für Human Machine Interfaces (HMI) konnte sich dem Abschwung in einigen nachgelagerten Industrien nicht entziehen und schrumpfte in den Jahren 2012 und 2013, konnte sich allerdings 2014 erholen. Im Zuge des verstärkten Wettbewerbs senkten einige Hersteller ihre Preise teilweise um über 15 %. Ausländische Hersteller wie Siemens, Mitsubishi und Schneider profitieren davon, dass sie ihre HMIs als Teile größerer Systeme anbieten können. Auch attackieren europäische und amerikanische HMI-Hersteller stärker im unteren mittleren Marktsegment.

In Anbetracht der nach wie vor schwachen Nachfragesituation in den traditionell wichtigen Absatzmärkten für HMIs rechnet STM nur mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von unter fünf Prozent für die nächsten fünf Jahre. Tablets und Touch Screens werden stärker wachsen, während die Nachfrage nach Texteingabe-Terminals weiter zurückgehen wird. Die Lörracher Forscher gehen davon aus, dass der Marktanteil einheimischer HMI-Hersteller im Gefolge einheimischer Anbieter umfassenderer Automationslösungen moderat zulegen wird.

Ventile & Sensoren

Chinesische Ventilhersteller sind heute für 50 % des Ventilabsatzes in ihrem Heimatmarkt verantwortlich. Der Markt ist allerdings sehr fragmentiert, die Mehrzahl der einheimischen Unternehmen sind kleine Familienbetriebe. Bei Mikroventilen sind chinesische Anwender immer noch von ausländischen Produkten abhängig. STM erwartet, dass Unternehmen wie der börsennotierte Ventilhersteller Neway allmählich aufholen und auch in Anwendungen in der Petrochemie und Kernkraft vorstoßen werden.

Sensoren sind das Segment, in dem die STM-Forscher für die kommenden fünf Jahre nominal das größte Wachstum erwarten. Chinesische Hersteller verfügen hier bereits über 33 % Marktanteil. Nach Maßgabe der chinesischen Regierung soll dieser bis zum Jahr 2020 auf 50 % steigen. Allerdings sind die technischen Fertigkeiten der einheimischen Sensorindustrie noch sehr unterentwickelt – von etwa 20.000 weltweit bekannten Sensortypen können in China nur etwa 3.000 hergestellt werden. Einheimische Unternehmen sind noch stark abhängig von importierten Chips und liegen bei der Empfindlichkeit zurück. Es gibt nur etwa 50 kleine einheimische Hersteller, die MEMS-Sensoren produzieren. Die chinesische Regierung möchte dies ändern, indem sie in den nächsten Jahren 500 Mrd. RMB (umgerechnet etwa 74 Mrd. Euro) für die Entwicklung neuer elektronischer Komponenten bereitstellt und im Land zehn Industriecluster geschaffen werden sollen. Ferner sollen verstärkte M&A-Aktivität und einfachere IPOs die Wettbewerbsfähigkeit einheimischer Sensorhersteller stärken. Tatsächlich gibt es erfolgsversprechende Ansätze wie etwa vom chinesischen Marktführer für Gas-Sensoren Hanwei: Das Unternehmen hat ein breiteres Produktspektrum und stößt in neue Dienstleistungs- und Technologiebereiche wie Micromachining, Thick Film und Microelectronic Technology vor.

Unter dem Strich sind Erfolge der Bemühungen der chinesischen Regierung allerdings noch sehr vage, resümiert STM. Eine erfolgreiche Innovationskultur lässt sich nur schwer staatlich verordnen. Die Forscher halten daher ein Erreichen des Quotenziels bis zum Jahr 2020 für illusorisch.

Antriebe

Bei Hochspannungsantrieben dominieren chinesische Hersteller wie Harvest (2011 von Schneider Electric gekauft) und Hiconics bereits den Markt aufgrund günstiger Kostenstrukturen und einer engen Abstimmung auf die Bedürfnisse chinesischer Kunden. Auch werden die Produkte bereits erfolgreich in andere Schwellenländer exportiert. Das am stärksten umkämpfte Marktsegment in den kommenden Jahren werden LV-Antriebe sein. Hier werden immer stärker individuelle Lösungen gefordert. STM prognostiziert, dass einheimische Hersteller, die immer mehr Systemlösungskompetenz aufbauen, von diesem Trend profitieren können. Mit dem erwarteten Durchbruch einer chinesischen IGBT-Lösung innerhalb der kommenden zwei bis drei Jahre werden chinesische Unternehmen den Rückstand auf ihre etablierten Wettbewerber weiter verkürzen können.

Roboter

Der Absatz von Robotern in China hat sich zwischen 2009 und 2014 verzehnfacht. Seit 2013 hat das Land Japan als größten Robotermarkt der Welt abgelöst. Ausländische Hersteller wie ABB, Fanuc, Yaskawa und Kuka dominieren den chinesischen Robotermarkt mit einem Marktanteil von etwa 71 %. Im Automobilbereich, dem bisher wichtigsten Marktsegment, liegt dieser Anteil noch höher. Bis zum Jahr 2020 sollen nach Vorgabe der chinesischen Regierung allerdings 45 % der im Land verkauften Roboter von einheimischen Herstellern kommen. Ferner sollen bis dahin drei bis fünf international wettbewerbsfähige chinesische Roboterhersteller entstehen. In Zeitungsberichten ist laut STM immer wieder von über 400 Roboterherstellern in China die Rede. Tatsächlich handelt es sich bei den meisten dieser Unternehmen um Systemintegratoren, viele von ihnen mit sehr begrenzten technischen Fähigkeiten, so die Forscher. Tatsächliche Roboterhersteller im eigentlichen Wortsinn gibt es in China etwa 20. Chinesischen Roboterherstellern fehlen noch wichtige Schlüsselkomponenten wie Servomotoren, Steuerungen und Getriebe für Hochpräzisionsanwendungen. Da diese Produkte von ausländischen Herstellern zugekauft werden müssen, haben chinesische Hersteller insbesondere bei Robotern für Schweißanwendungen oder das Heben schwerer Lasten deutliche Kostennachteile. Selbst der größte chinesische Roboterhersteller Siasun erzielt einen großen Teil seines Umsatzes mit Integrationsdienstleistungen.

Nichtsdestotrotz konnten chinesische Roboterhersteller ihren Anteil am Gesamtmarkt während der vergangenen Jahre kontinuierlich ausbauen, weiß STM. Die Absatzbereiche mit den gegenwärtig besten Wachstumschancen liegen in den Bereichen Elektronik, Maschinenbau, Nahrungsmittel und pharmazeutische Produkte. Chinesische Hersteller können dort mit ihren Preisvorteilen und einer großen Marktnähe punkten. Mängel an Zuverlässigkeit und Präzision fallen in diesen Bereichen nicht so stark ins Gewicht. Wir gehen daher davon aus, dass die Quotenziele der chinesischen Regierung für einheimische Roboter bis 2020 erreicht werden können. Basierend auf dem gegenwärtigen Wachstumsmoment und dem bestehenden Potential rechnet STM damit, dass sich der Roboterabsatz bis zum Jahr 2020 noch einmal mehr als verdoppeln wird. Neben der großen Nachfrage wird dieser Trend durch sinkende Roboterpreise sowie einen Zuwachs an Fähigkeiten von Robotern gestärkt.

Motion Control

STM konstatiert eine große Dichotomie zwischen den Fähigkeiten chinesischer Unternehmen in den Bereichen Motion Controller und Servo-Systemen. Während einheimische Unternehmen im niedrigen und mittleren Marktsegment für Motion Controller bereits etwa einen Marktanteil von 50 % haben, liegt dieser bei kompletten Servo-Systemen bei unter 20 %. Komplette Servosysteme machen etwa 75 % des chinesischen Marktes für Motion-Control-Produkte aus. Dieser Bereich wird von ausländischen, insbesondere japanischen Lieferanten beherrscht. Chinesische Unternehmen in diesem Bereich haben immer noch Nachteile hinsichtlich Steuerungsgenauigkeit, Stabilität, Drehmomentpulsation, Performance unter hohen Geschwindigkeiten und Netzwerk-Unterstützung. Der Markteintritt führender chinesischer Hersteller von Antrieben hat diesen Bereich stärker unter Druck gesetzt.

Die Prognose von STM: Die anhaltende Automatisierung wird für eine wachsende Nachfrage nach Motion Control-Lösungen - insbesondere aus den Bereichen High-End-Werkzeugmaschinen, Textilmaschinen, Anlagen zur Herstellung von Halbleitern und Lagerhausequipment sowie verstärkt Robotik - sorgen. Es gibt eine Hand voll einheimischer Unternehmen mit erfolgsversprechenden Ansätzen, die in erster Linie auf die Bewegungskontrolle von Robotern zielen. Auch haben sich in den vergangenen Jahren einheimische Roboterhersteller durch Zukäufe aus diesem Bereich verstärkt. Einheimische Hersteller werden ausgereiftere und günstigere Lösungen anbieten können und sich stärker zu Systemanbietern entwickeln, wie das einheimischen Unternehmen in bestimmten Segmenten bereits gelungen ist. STM geht davon aus, dass chinesische Hersteller innerhalb der nächsten fünf Jahre ihren Marktanteil auf 30 % bei Servo-Systemen und 70 % bei Motion Controllern werden steigern können.

Machine Vision

Im Bereich Machine Vision sind etwa 100 ausländische Unternehmen aktiv. Auf chinesischer Seite existieren etwa 200 Distributoren und etwa 50 Systemintegratoren. Führende chinesische Unternehmen in diesem Bereich sind Systemintegratoren, die bei der Erstellung ihrer Lösungen auf ausländische Lieferanten zurückgreifen. Allerdings sind erste Anzeichen zu beobachten, dass einheimische Systemintegratoren beginnen, eigene Komponenten zu entwickeln. Noch ist die Lücke zu international führenden Unternehmen insbesondere im Hinblick auf Genauigkeit und Taktzeiten allerdings groß, so STM. Aufgrund steigender Lohnkosten und wachsender Qualitätsanforderungen erwartet das Lörracher Beratungshaus für diesen Bereich bis 2020 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 16 %. Chinesische Hersteller preisgünstiger Lösungen werden stärker wachsen als der Markt.

Maschinensicherheit

Der Bereich Maschinensicherheit wird noch deutlich dominiert von ausländischen Unternehmen wie etwa Omron, Banner, Pilz und Sick. Sie haben einen Marktanteil von 90 %. STM geht davon aus, dass der Bereich durch steigende Sicherheitsanforderungen von Endkunden und sowohl aufgrund strengerer Sicherheitsstandards ein stetiges Wachstum erfahren wird. Einheimische Lieferanten werden versuchen, sich mit preisgünstigen Nachbauten bestehender Lösungen einen Teil dieses Wachstums zu sichern.

Werkzeugmaschinen

Für die chinesische Regierung sind CNC-Werkzeugmaschinen eine der strategischen Schlüsselindustrien für die laufende Fünfjahresplan-Periode und darüber hinaus, so die Einschätzung von STM. Peking hat ehrgeizige Quotenziele formuliert: So sollen etwa einheimische Hersteller im Bereich Mid- to High-End-Werkzeugmaschinen bis zum Jahr 2020 60 % des Marktes beherrschen. Die chinesische Werkzeugmaschinenindustrie ist zwischen 2002 und 2012 spektakulär gewachsen: Der Produktionswert der Branche versechsfachte sich während diesem Zeitraum. Seither leidet der Sektor unter der Abkühlung des Investitionsklimas. Besonders hart betroffen von dieser Entwicklung sind die einheimischen Werkzeugmaschinenhersteller im Low- und Mid-End Segment, während viele ausländische Anbieter von High-Tech Werkzeugmaschinen bis 2014 weiter wachsen konnten. In unserer Arbeit mit führenden chinesischen Werkzeugmaschinenherstellern sehen wir, dass es den meisten von ihnen an den organisatorischen und kulturellen Fähigkeiten fehlt, um in absehbarer Zeit technologisch zur Weltspitze aufzuschließen.

Eine Ausnahme sieht STM beim Marktführer Shenyang Machine Tools. Das Unternehmen zeigt erfolgsversprechende Ansätze, wie der Strukturwandel weg von einfachen Maschinen hin zu komplexeren Bearbeitungszentren für die Wachstumsmärkte auf der Welt, gelingen kann. STM rechnet damit, dass durch die neue Wirtschaftspolitik der chinesischen Regierung formende Werkzeugmaschinen in den kommenden fünf Jahren stärker wachsen werden als zerspanende.

3D-Drucker

China startete laut STM recht spät mit der Anwendung von 3D-Druckern. Mit der anhaltenden Verlagerung von Aktivitäten in der Forschung & Entwicklung in das Land ist dieser Markt in den vergangenen drei Jahren insbesondere durch Nachfrage aus der Automobilindustrie allerdings rasant gewachsen. Seit 2012 haben sich die Absätze von 3D-Druckern jedes Jahr verdoppelt. Die Anwendungen im Automobilbereich werden noch von ausländischen Lieferanten von 3D-Druckern dominiert. Chinesischen Herstellern mangelt es insbesondere noch an einer zuverlässigen Versorgungskette mit hochwertigen lichtempfindlichen Harzmaterialien oder hochwertigen Metall, Keramik und Polymerpulvermaterialien. Chinesische Unternehmen produzieren bisher vorrangig 3D-Drucker für den Konsumentenbereich. Dies allerdings mit wachsendem Erfolg: Jeder zweite in China hergestellte 3D-Drucker wird exportiert und konkurriert mit den Erzeugnissen etablierter westlicher Hersteller.

Die chinesische Regierung hat eine eigene "China 3D Printing Technology Alliance" ins Leben gerufen, die mit 200 Mio. RMB (Chinesisiche Renminbi Yuan) - umgerechnet etwa 30 Mio. Euro - unterstützt wird und über das Land verteilt zehn Forschungscluster für diesen Bereich aufbauen soll. Einen Durchbruch für chinesische Forscher stellte im vergangenen Dezember der erste 3D-Drucker dar, der in der Schwerelosigkeit funktioniert. Bis heute von offizieller Seite unbestätigt ist die Ankündigung des CEO des größten taiwanesischen Herstellers von 3D-Druckern, wonach die chinesische Regierung bis zum Jahr 2017 in allen 400.000 Grundschulen des Landes einen 3D-Drucker installieren wolle. Mit der fortschreitenden Entwicklung besitzt 3D-Druck das Potential, mittel- bis langfristig althergebrachte Produktionsprozesse zu revolutionieren. Vor dem Hintergrund der nächsten fünf Jahre sieht STM das größte Potenzial für diese Technologie allerdings in erster Linie in den Bereichen Ausbildung, Produktdesign und Formenbau für Kleinserien.

STM erwartet, dass China bis Ende 2016 der größte Markt der Welt für 3D-Drucker sein wird und einheimische Hersteller, die international bereits erfolgreich sind, ihre Marktnähe auf ihrem Heimatmarkt erfolgreich nutzen werden, um dort ihren Marktanteil zu erhöhen.

Systemintegratoren

Systemintegratoren schreibt STM eine wesentliche Bedeutung bei der Automatisierung von Chinas Industrie zu. Auch wenn es zahlenmäßig viele Systemintegratoren in den Bereichen Prozessautomation, genereller Fabrikautomation und Robotik gibt, stellt der Mangel an leistungsfähigen Systemintegratoren einen wesentlichen Engpass dar. Ausländische Automationsunternehmen führen in China mehr Integrationsleistungen selbst durch als in frühindustrialisierten Ländern. Es gibt in China etwa 500 Systemintegratoren im Bereich Prozessautomation, von denen etwa 30 % Jahresumsätze von über 100 Mio. RMB (umgerechnet etwa 15 Mio. Euro) erwirtschaften.

Normalerweise bieten sie umfassende Dienstleistungen und Lösungen für bestimmte Produkte wie DCS, SCADA, Ventile, Sensoren und spezifische Industrien. Der Markt für Fabrikautomation- Systemintegrationsdienstleistungen ist stärker fragmentiert. In diesem Bereich gibt es über 2000 Systemintegratoren - die meisten von ihnen kleine und mittlere Unternehmen spezialisiert auf eine einzelne Industrien. Händler sind verantwortlich für über 50 % der Verkäufe in diesem Segment – ein deutlich höherer Prozentsatz als in der Prozessautomation. In den vergangenen Jahren war es laut STM eine beliebte Strategie chinesischer Unternehmen, als Robotik-Systemintegrator an diesem wachsenden Markt teilzuhaben. Es existieren etwa 400 Unternehmen in diesem Bereich. Die meisten von ihnen entstanden in den vergangenen drei bis fünf Jahren und sind recht klein mit einem lokalen Fokus.

  • Xing Icon
  • LinkedIn Icon
Anzeige
zurück zur Themenseite
Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Die SIAF 2016

Automation in China

Made in China 2025 - unter diesem Motto will China zur High-Tech-Nation aufsteigen. Anfang März fand in Guanghzou die 'SPS-Industrial Automation Fair' (SIAF) statt. Computer&AUTOMATION hat eruiert, auf welchem Niveau sich die...

mehr...

Computer Vision

Manuelle Montageprozesse digitalisiert

Das Hauptaugenmerk von Industrie 4.0 liegt auf der intelligenten Vernetzung von Maschinen. Menschliche Arbeit in der Fertigung hingegen wird oft noch mit antiquierten Methoden gemessen und analysiert. Computer Vision und Künstliche Intelligenz...

mehr...
Anzeige
Anzeige

Robotik

Eindrücke von der iREX 2017 in Tokio

Anfang Dezember 2017 fand in Tokio zum 22. Mal die internationale Robot Exhibition (iREX) statt. Gemeinsam mit der zeitgleich stattfindenden System Control Fair gilt diese alle zwei Jahre durchgeführte Veranstaltung als die größte Roboter- und...

mehr...
Anzeige

Marktstudie

Die Robotik in China

Die International Federation of Robotics (IFR) geht davon aus, dass China bereits in zwei Jahren für 40 % des Robotik-Welt­marktes verantwortlich sein wird. Was sind die Treiber hierfür? – Ein Vor-Ort-Trendbericht.

mehr...

Apps

Wie nutzt China das Internet?

Welches sind die populärsten Apps in Chinas Consumer-Internet und wie lassen sie sich mit der Internet-Nutzung weltweit ­vergleichen? Das Shanghaier Team der Stieler-Technologie- und Marketing-Beratung hat acht  Apps analysiert.

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Industrie 4.0

China als Leitmarkt?

Kann sich China zum Industrie-4.0-Leitmarkt entwickeln? Trotz mancher Fehlanreize durch staatliches Eingreifen, Investitionsblasen und Überkapazitäten ist Chinas Innovationskraft nicht zu unterschätzen: Es gibt Pioniere, von denen sich in Sachen...

mehr...

Mobile Maschinen

Datenbank für Innovationen

Zulieferer für Landtechnik und Baumaschinen müssen mit der technischen Weiterentwicklung der Branche Schritt halten und sollten deren Trends im Auge behalten, um durch neue Produkte Wachstum generieren zu können. Hilfreich dabei: ein Blick auf die...

mehr...

Mobile Automation

High-Tech in mobilen Arbeitsmaschinen

Mobile Arbeitsmaschinen bieten für die Zulieferindustrie aus Hydraulik und Elektronik auch in Zukunft einen wichtigen Markt. Allerdings hat sich dieser Markt gewandelt. Die Hersteller von Hydraulik und Elektronik müssen sich neuen Herausforderungen...

mehr...
Jetzt Newsletter abonnieren