M2M / Fernwartung
Flexibilität durch Mainstream-Betriebssystem
M2M-Funktionalität ist für Geräte, Maschinen und Anlagen ein wichtiger Wettbewerbsfaktor, um als „Cyber-Physical-System“ mit anderen Systemen interagieren zu können. Wegen der dadurch steigenden Anforderungen hinsichtlich Leistungsfähigkeit, Flexibilität und Sicherheit braucht es bedarfsgerecht auslegbare Systeme. Was wäre hier besser geeignet als PC-basierende Gateways?
Die M2M-Kommunikation (Machine-to-Machine) hat sich gewandelt: Längst reicht eine einfache Übertragung kleinster Datenmengen von Maschinen an die Zentrale nur noch bei einfachen Anwendungen aus. Ein typisches Beispiel solcher M2M-Verbindungen stellt die ereignisgesteuerte Übertragung von Füllständen, Grenzwerten, oder Alarmen bei Tanklagern und POS-Automaten für Süßigkeiten oder Getränke dar. Schon lange werden mittels M2M wesentlich komplexere Applikationen umgesetzt, die bidirektional und permanent kommunizieren.
Voraussetzung für diese Entwicklung sind mehrere Evolutionsschritte: Zuerst musste die Performance des Netzes ausgebaut werden. Lieferte GSM ursprünglich eine aus heutiger Sicht bescheidene Datenrate von gerade einmal 9600 Bit/s (V.110) sind es mit UMTS aktuell bis zu 7,2 MBit/s bei HSDPA (High Speed Downlink Packet Access). Mit dem Mobilfunkstandard LTE (Long Term Evolution) stehen sogar Download-Kapazitäten von bis zu 100 MBit/s bereit.
Um eine ständige Online-Anbindung realisieren zu können, waren zudem Tarife nötig, bei denen solche Bandbreiten auch über 24 Stunden nutzbar und bezahlbar bleiben. Schließlich braucht es global geltende Datentarife, die für weltweit agierende Unternehmen ein wichtiger Aspekt in ihren M2M-Strategien sind.
Ohne großen Aufwand kann heute auf Geräte, Maschinen und Anlagen jederzeit zugegriffen werden. Und mit der steigenden Leistungsfähigkeit der Netze sind zu der einfachen Füllstandkontrolle sukzessive weitere Anwendungen hinzugekommen, beispielsweise der Fernzugriff auf komplexere Anlagen wie Feuermeldezentralen in Gebäuden, unbemannte Klärwerke oder Staudämme. Sogar Multimedia-Applikationen wie das Streaming von Videos aus Überwachungskameras im Bereich Facility-Management, in weitläufigen Anlagen oder auf öffentlichen Plätzen lassen sich inzwischen realisieren.
Massenmarkt M2M
Das M2M-System KM2M806XT ist für den Temperaturbereich zwischen –40 °C und +85 °C ausgelegt und erweitert so die Einsatzbereiche von Kontrons M2M-Lösungen auf den Außen- und Fahrzeug-Bereich.
© KontronAus der Ausnahme-Applikationen M2M und Fernwartung mit vergleichsweise hohen Kosten und minimalen Verbindungszeiten sind inzwischen Lösungen geworden, die für nahezu jede Anwendung bezahlbar sind. Der Mobilfunk-Anschluss kann über die Einbindung von Funkmodulen in die Geräte-Elektronik sogar schnell zum Standard-Feature werden, ohne dass diese Anschlussfähigkeit (Konnektivität) zusätzlich bezahlt werden muss. Aber längst nicht jedes Gerät braucht einen unmittelbaren Zugang zum Internet oder sollte einen haben. Speziell bei der M2M-Komunikation in der Automatisierung kommen Zugangs-Gateways als Knotenpunkte zum Einsatz. Diese bilden dezentrale Automatisierungszellen, die – geschützt von einer Firewall – nur autorisierte Zugriffe über VPN-Verbindungen (Virtual Private Network) zulassen.
Neben den Standard-Features eines Routers wie die regelbasierte Paketweiterleitung oder Firewall-Funktionen benötigen OEM weitere, oft sehr spezifische Ergänzungen, die die Anwender in M2M-Komponenten integrieren wollen. Dazu zählen unter anderem:
- der Betrieb einer firmeneigenen Antiviren-Software
- die Nutzung des M2M-Gateways als lokaler Server
- die Datenaggregation und
- Integration eines Webservers für den Remote-Access auf die im Gateway installierten Applikationen wie Benutzerverwaltung und Protokollierung der M2M-Vorgänge.
Will man solche Lösungen individuell mit M2M-Komponenten kombinieren, steht schnell die Frage im Raum: Mit welcher Plattform lässt sich das am besten umsetzen? Zwar gibt es spezielle Switching- und Routing-Prozessoren für die Telekommunikationsindustrie, die auf hohen Datendurchsatz für Backbones optimiert sind und ein Ökosystem (Treiber, Softwarebibliotheken, Entwicklungstools) haben, das exakt auf diese Anwendungsfälle zugeschnitten ist. Funktionen, die nicht genau in dieses Szenario passen, lassen sich jedoch nur recht aufwendig implementieren. Als Alternative zu diesen speziellen Telekom-Lösungen setzen viele M2M-Implementierungen auf Mikrocontroller. Diese sind aufgrund der geringen Rechenleistung in ihrer Flexibilität aber ebenso eingeschränkt und für die meisten OEM-Applikationen im industriellen Umfeld zu leistungsschwach.
PC-Plattform sorgt für Flexibilität
Die individuell konfigurierbaren M2M-Gateways lassen sich mit verschiedenen Atom-Prozessorboards und Kommunikationsschnittstellen spezifischen Anforderungen anpassen. Weitere 3G/4G-Module können über den PCI-Express-Steckplatz nachgerüstet werden.
© KontronAls eine gute Mischung aus Flexibilität und umfangreichen Ökosystem erweisen sich PC-kompatible Low-Power-Prozessoren wie die Atom-Prozessoren von Intel. Alle Komponenten und Tools, die für den Aufbau von M2M-Gateways benötigt werden, sind auf dem Markt verfügbar. Folglich können OEM mit der Entwicklung von Gateways für die M2M-Kommunikation beginnen, sobald sie die einzelnen Bestandteile – Hardware, Kommunikationskomponenten und Speichermedien sowie Betriebssystem und Treiber – aufeinander abgestimmt haben. Allerdings verursacht das immer noch einen enormen Aufwand. Genau an diesem Punkt setzen Unternehmen wie Kontron an, die mit einem vorintegrierten M2M-Entwickler-Kit und einem M2M-Gateway den Aufwand für die Implementierung von M2M-Infrastrukturen in Maschinen und Anlagen reduzieren.
Die Systeme mit Atom-Prozessor stellen diverse Kommunikationsmöglichkeiten über Mobilfunknetze, LAN, WLAN (802.11a/b/g/n) und WPAN (802.15.4) bereit und sind zur Anbindung lokaler Peripherie flexibel anpassbar. Möglich ist diese Flexibilität auch durch den modularen Aufbau. Über die auf dem Trägerboard implementierten USB- und Ethernet-Schnittstellen kann beispielsweise eine direkte Kamera-Anbindung umgesetzt werden, so dass sich die M2M-Systeme auch für Mauterfassungsstellen oder zur Verkehrsüberwachung eignen. In diesen Szenarien spielt der integrierte x86er-Prozessor sein Potenzial aus, da er eine Vorverarbeitung der Bild- und Video-Daten übernehmen kann. Ohne zusätzliche Rechnerhardware sind diverse Mustererkennungsverfahren auf die Bild- oder Videodaten anwendbar, so dass nur relevante Daten übertragen werden. Zudem lässt sich mittels Kompressionsalgorithmen das Datenvolumen weiter reduzieren. Diese Funktionen sind immer dann relevant, wenn es bei volumenbasierten Mobilfunktarifen gilt, die Kosten so gering wie möglich zu halten. Der Nutzen ist im Zeitalter nationaler Flatrates nicht direkt ersichtlich. Wer aber die Tarife im internationalen Business kennt, weiß die Einsparpotenziale zu schätzen.
Ein modularer Aufbau ermöglicht es, nur die benötigten Funktionen, Schnittstellen und Rechenleistung in die M2M-Lösung zu integrieren.
© KontronÜber den in einigen Atom-Prozessoren integrierten FPGA lassen sich bei Bedarf individuelle Funktionen wie die Ethernet-Protokolle Profinet oder andere Feldbus-Anbindungen flexibel realisieren. OEM erhalten dabei vollständigen First-Level- und Second-Level-Support für die komplette Hard- und Software. Außerdem übernimmt Kontron auf Wunsch das gesamte Lizenz-Management für die OEM-spezifische Software, etwa für das vorinstallierte Betriebssystem, für Standard-Software wie Antiviren-Lösungen oder von Open-Source-Lösungen wie Linux-basierte ISDN-, DSL- und Ethernet-Router. Da Anwender all dies aus einer Hand erhalten, werden sie nach erfolgreicher Spezifizierung und Validierung ihres Systems vom gesamten administrativen Aufwand befreit. Das M2M-Entwickler-Kit ist für viele OEM von großem Interesse, da diese Komponenten bislang nicht mit validierter Kompatibilität aus einer Hand zur Verfügung stehen. Dies spart bei der Entwicklung und Umsetzung einer spezifischen M2M-Lösung Zeit und Kosten.
Autor: Claus Giebert ist Product Manager für Embedded Computer Systeme & Boards bei der Firma Kontron in Eching.













