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Artikel und Hintergründe zum Thema

Accenture-Studie

Inka Krischke,

Hyperautomatisierte Fabriken

Fabrikleiter in Asien erwarten, dass ihre Produktionsstätten bis 2040 weitgehend mit KI-gestützten, selbstlernenden Maschinen und Robotern ausgestattet sein werden. Menschen nehmen dabei vor allem eine überwachende und unterstützende Rolle ein. Vor allem in Deutschland ist eine gewisse Skepsis gegenüber der Hyperautomatisierung erkennbar.

© Pixabay

Diese Ergebnisse entstammen der Accenture-Studie „Rethinking the course to manufacturing’s future“, für die Accenture im Dezember 2024 weltweit 552 Fabrikmanager aus den Bereichen Maschinenbau, Automobil und Luftfahrt befragt hat.

Die Studie beschreibt die Bedeutung von KI, Automatisierung und Digitalisierung für die Zukunft der Fertigung. Im Jahr 2040 werden Hyperautomatisierungs-Technologien und -Anwendungen das Bild von Fabriken prägen, das erwartet rund die Hälfte der Befragten. Deutlich weniger sind es in Deutschland und Europa. Zu den abgefragten Kernelementen der Zukunftsfabrik zählen:

  • Autonome Betriebsabläufe (Industrie 5.0): Die Zustimmung weltweit liegt bei 53 %, in Deutschland nur bei 40 % und in Europa sogar bei nur 38 %.
  • Selbstlernende Maschinen mit generativer KI finden weltweit bei 52 % Zustimmung, in Deutschland jedoch nur bei 42 % und in Europa bei 39 %.
  • Vollautomatisierte Lager halten 51 % der Befragten weltweit für entscheidend, verglichen mit 38 % in Deutschland und 35 % in Europa.
  • Intelligente, vernetzte Fertigungszellen werden global von 49 % als relevant angesehen, aber nur von 27 % in Deutschland und von 31 % in Europa.
  • Autonome mobile Roboter (AMR) werden weltweit von 49 % priorisiert, in Deutschland von 42 % und in Europa von 32 %.
  • Digital vernetzte und interagierende Teams erhalten weltweit 48 % Zustimmung, in Deutschland 31 % und in Europa 30 %.
  • Digitale Zwillinge von Betriebsabläufen werden weltweit von 47 % für wichtig gehalten, in Deutschland und Europa jedoch nur von 29 %.
  • Fahrerlose Transportfahrzeuge (AGV) halten global 45 % für relevant, während die Zustimmung in Deutschland darunter bei 31 % und in Europa bei 25 % liegt.
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In China und Japan liegen die Zustimmungswerte mit 51 % bis 83 % deutlich höher.

Dark Factories und Co.

Je fortschrittlicher das Konzept, desto deutlicher sind die regionalen Unterschiede:

  • 74 % der Fabrikleiter in Japan gehen davon aus, dass ihr Unternehmen im Jahr 2040 vornehmlich ‚Dark Factories‘ bauen wird (China: 53 %, USA: 29 %, Europa: 20 %). In Deutschland sind es lediglich 24 %.
  • Gleichzeitig werden humanoide Roboter in den Montageprozessen ihrer Unternehmen Standard sein, glauben 72 % der Befragten in Japan, 65 % in China und 35 % in den USA. Deutlich weniger sind es in Deutschland (23 %) und Europa (21 %).

Hyperautomatisierung erfordert Umgestaltung der Arbeit

Hyperautomatisierte Fabriken verändern die Arbeitsweise, Rollen und dafür erforderlichen Fähigkeiten der Mitarbeitenden. Demzufolge halten 70 % der Fabrikleiter die Umgestaltung der Belegschaft für den wichtigsten Wegbereiter der Fertigung der Zukunft, gefolgt von Automatisierung (63 %), KI (62 %) und Digitalisierung (61 %).

In Deutschland priorisieren 53 % den Wandel der Belegschaft (Europa: 58 %), 53 % die Automatisierung (Europa: 51 %), 54 % das Thema KI (Europa: 51 %) und 48 % die Digitalisierung (Europa: 49 %).

Besonders entscheidend für die Umgestaltung von Arbeit und Belegschaft seien Erhalt und Weitergabe von Produktionswissen (global: 74 %, Deutschland: 54 %, Europa: 64 %). Auch die Integration von Datenanalyse (global: 73 %, Deutschland: 58 %, Europa: 64 %) und datengestützte Entscheidungsfindung (global: 72 %, Deutschland: 63 %, Europa: 64 %) sehen sie als wesentlich an.

Für knapp die Hälfte der Befragten weltweit (49 %) und in Deutschland (48 %) sind umfangreiche Investitionen in Schulungsprogramme das größte Hindernis bei der Umgestaltung der Belegschaft. Im Schnitt sehen europäische Firmen weniger Handlungsbedarf in diesem Bereich (43 %). Ganz anders in China, wo 62 % die nötigen Investitionen als Herausforderung betrachten.

Eine weitere Barriere ist die Angst der Belegschaft vor dem Arbeitsplatzverlust, so 46 % aller Befragten. In Deutschland und Europa ist sie etwas geringer ausgeprägt (40 %). Am weitesten verbreitet ist die Sorge, den Arbeitsplatz zu verlieren, in Indien (70 %). Darüber hinaus bremse der Widerstand der Belegschaft gegen neue, erweiterte Arbeitsrollen die Umgestaltung, so 38 % der Befragten. Noch mehr sind es in Deutschland und Europa (46 %); Spitzenreiter ist Italien mit 66 %. Zu neuen Rollen zählen etwa Human-Robot Collaboration Manager oder Autonomous Logistics Coordinator.

Weltweit beklagen 51 % der Fabrikleiter einen Mangel an Fachkräften mit KI-Kenntnissen und -Qualifikationen. Besonders stark wird dieses Problem in Indien und Japan wahrgenommen (67 %), deutlich geringer dafür in China (40 %). In Deutschland sehen 46 % der Fabrikleiter im Mangel an KI-Fachkräften ein Problem, 49 % sind es in Europa.

Überfällige Digitalisierungsmaßnahmen

Weltweit setzen Fabrikleiter klare Prioritäten bei den Digitalisierungsmaßnahmen, die eigentlich bereits überfällig sind. An erster Stelle steht Cybersicherheit (77 %), gefolgt von der Einführung von Manufacturing Execution Systems (70 %) und von Cloud-Plattformen (67 %). Die Werte der deutschen und europäischen Befragten liegen bei allen Maßnahmen unter dem globalen Durchschnitt. Warum sie geringeren Handlungsbedarf in diesen Feldern sehen, darüber gibt die Studie keine Auskunft.

Bedenklich sei es laut Studie jedoch, dass Technologien wie das Industrial Internet of Things (IIoT) und Digitale Zwillinge von Maschinen und Produkten in kaum einem Land zu den Top-Prioritäten zählten. Immerhin bildeten diese Technologien die digitale Basis moderner Fabriken.

Zur Studie

Accenture befragte im Dezember 2024 552 erfahrene Fabrikleiter in Asien (China, Indien, Japan), Europa (Österreich, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Italien und der Schweiz) und den USA. Die Befragten repräsentieren Automobilhersteller und -zulieferer, Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus, Elektrogerätehersteller sowie Flugzeughersteller und -zulieferer.

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