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Artikel und Hintergründe zum Thema

Geschäftsjahr 2022

Mit Unterlagen der dpa | Andrea Gillhuber,

Siemens mit 10,3 Mrd. Euro Gewinn

Trotz Ukrainekrieg, hohen Abschreibungen aus dem Energiegeschäft und der Lieferkettenproblematik konnte Siemens seinen Gewinn aus dem industriellen Geschäft auf 10,3 Mrd. Euro steigern. Im Geschäftsjahr 2023 möchte der Konzern deutlich mehr verdienen.

© Sven Hoppe/dpa

Siemens hat das von Ukrainekrieg und hohen Abschreibungen auf das ehemalige Energiegeschäft geprägte Geschäftsjahr mit einem Milliardengewinn abgeschlossen. Nach einem starken vierten Quartal steht unter dem Strich ein Plus von 4,4 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag in München mitteilte. Im seit Oktober laufenden neuen Geschäftsjahr will Siemens wieder deutlich mehr verdienen.

Das zentrale industrielle Geschäft war bei Siemens sogar auf Rekordniveau gelaufen. Dort verdiente Siemens mehr als 10 Milliarden Euro. Dass der Gewinn unter dem Strich um 34 Prozent sank, lag vor allem an einer bereits im Sommer angefallenen Milliardenabschreibung auf die verbliebenen Anteile am vor gut zwei Jahren an die Börse gebrachten Energiegeschäft Siemens Energy. Sie hatte dem Konzern sogar das erste Verlustquartal seit mehr als einem Jahrzehnt beschert. Aber auch der Rückzug aus Russland hatte das Geschäft belastet.

Der Umsatz legte dennoch nominal um knapp 16 % auf 72 Mrd. Euro zu. Auch die Aktionäre bekommen vom Gewinnrückgang nichts zu spüren: Die Dividende soll um 25 Cent auf 4,25 Euro pro Aktie steigen.

Siemens-Chef Roland Busch sprach von einem »extrem herausfordernden Jahr« und einer »hervorragenden Leistung«. Siemens habe Marktanteile gewonnen und die hohe Nachfrage nach den Hard- und Softwareangeboten des Konzerns halte an, betonte er. Im vierten Geschäftsquartal war die Welt bei Siemens mit einem satten Gewinn von 2,9 Mrd. Euro auch bereits wieder in Ordnung.

Weitere Verkäufe geplant

Die nächsten möglichen Verkäufe werden bereits vorbereitet. Siemens arbeitet seit einiger Zeit daran, sein Geschäft mit großen Antrieben (LDA) auszugliedern. Hier soll es jetzt ein noch größerer Wurf werden: Siemens will nun auch Niederspannungs- und Getriebemotoren aus dem Bereich Motion Control, die Fertigungstechnik-Tochter Sykatec und das Spezialgeschäft Weiss Spindeltechnologie mit einbringen.

Insgesamt soll so im Laufe des Geschäftsjahres eine neue Einheit mit rund drei Milliarden Euro Umsatz und 14.000 Beschäftigten entstehen. Das ist etwa doppelt so groß wie der Bereich LDA, wie Busch bestätigte. »Die neue Firma wird äußerst wettbewerbsfähig sein«, sagte er. Angesichts der Vergrößerung erwartet Finanzvorstand Ralph P. Thomas den Abschluss allerdings wahrscheinlich nicht mehr im laufenden Geschäftsjahr. Das sei aber auch nicht nötig, betonte er. Man stehe nicht unter Zeitdruck.

Der bei der IG Metall für Siemens zuständige Hagen Reimer merkt zwar an: »Wir sind nach wie vor äußerst skeptisch gegenüber der Ausgliederung an sich.« Wenn sie aber nicht zu verhindern sei, »dann halten wir sie in der jetzt erweiterten Form für die günstigste Perspektive. So ist das künftige Unternehmen am stabilsten und breitesten aufgestellt.«

Für das laufende Jahr erwartet Siemens einen deutlichen Anstieg beim Gewinn. Bereinigt um gewisse Kaufpreiseffekte soll er auf 8,70 bis 9,20 Euro je Aktie steigen. Das wäre ein Anstieg um 59 bis 68 Prozent – im abgelaufenen Jahr waren es 5,47 Euro je Aktie.

 

 

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Das Jahr in Zahlen - Hohe Prognose für 2023

Der Auftragseingang im Geschäftsjahr 2022 stieg um 25 % auf 89,0 Mrd. Euro, die Umsatzerlöse erhöhten sich um 16 % auf 72,0 Mrd. Euro, das Book-to-Bill-Verhältnis lag dadurch bei 1,24. Auf vergleichbarer Basis nahm der Auftragseingang um 17 % zu, das vergleichbare Wachstum der Umsatzerlöse von 8,2 % übertraf die von Siemens gesetzte Prognose.

Das Ergebnis Industrielles Geschäft erhöhte sich im Geschäftsjahr 2022 gegenüber dem Vorjahr um 17 % auf den Rekordwert von 10,3 Mrd. Euro, der Gewinn nach Steuern belief sich auf 4,4 Mrd. Euro. Vor allem die Umsatzerlöse in Digital Industries und Smart Infrastructure stechen mit prozentual zweistelligem Wachstum hervor.

Währungsumrechnungseffekte unterstützten das Wachstum von Auftragseingang und Umsatzerlösen um jeweils acht Prozentpunkte, meldet der Konzern. Portfolioeffekte hielten Wachstum von Auftragseingang und Umsatzerlösen um einen beziehungsweise zwei Prozentpunkte zurück. Der freie Cash-Flow aus fortgeführten und nicht fortgeführten Aktivitäten lag mit 8,2 Mrd. Euro auf dem Niveau des Geschäftsjahrs 2021.

Das vierte Quartal in Zahlen

Der Gewinn nach Steuern hat sich für den Konzern im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2022 auf 2,9 Mrd. Euro mehr als verdoppelt. Begünstigt wurde das Ergebnis durch ein starkes Industrielles Geschäft sowie durch einen Gewinn aus dem Verkauf des Brief- und Paketabwicklungsgeschäfts von Siemens Logistics.

Im vierten Quartal stieg der Auftragseingang auf 21,8 Mrd. Euro (Q4/2021: 19,1 Mrd. Euro) und zeichnete sich durch starke Zuwächse insbesondere bei Smart Infrastructure und Siemens Healthineers aus. Ebenso stiegen die Umsatzerlöse auf vergleichbarer Basis um 12 % auf 20,6 Mrd. Euro (Q4/2021: 17,4 Mrd. Euro). Zu diesem Wachstum trugen alle industriellen Geschäfte bei, angeführt von einem prozentual zweistelligen Wachstum bei Digital Industries und Smart Infrastructure. Das Book-to-Bill-Verhältnis liegt mit 1,06 weiter deutlich über 1.

Digital Industries

Das Wachstum des Auftragseingangs im Wesentlichen bestimmt durch eine erhebliche Anzahl größerer Aufträge im Softwaregeschäft des Produktlebenszyklusmanagements (PLM). Aufgrund des hohen Volumens an vorgezogenen Kundenbestellungen in den Vorquartalen war der Auftragseingang im Factory-Automation-Geschäft niedriger als im starken Vorjahresquartal (Q4/2021). Die Umsatzerlöse erhöhten sich in allen Geschäften, allen voran leisteten die Geschäftsbereiche Factory Automation und Motion Control die stärksten Wachstumsbeiträge. Alle Berichtsregionen konnten zulegen. Die starke Umsatzerlöszunahme im Softwaregeschäft war vor allem auf das EDA-Geschäft (Electronic Design Automation) zurückzuführen. Ebenfalls eine starke Ergebnisentwicklung verzeichnet der Konzern in den Automatisierungsgeschäften, unterstützt wird dieses durch höhere Kapazitätsauslastung, Preisanpassungen zum Ausgleich der Kosteninflation und günstigere Zusammensetzung der Geschäfte. Das Ergebnis im Softwaregeschäft sank vorwiegend aufgrund niedrigerer Umsatzerlöse im PLM-Geschäft sowie höherer Aufwendungen für cloudbasierte Aktivitäten, einschließlich Auswirkungen aus der Umstellung auf Software as a Service (SaaS)

Smart Infrastructure

Der Geschäftsbereich ‚Smart Infrastructure‘ konnte über alle Geschäfte hinweg zweistellige Wachstumsraten beim Auftragseingang vorweisen. Treiber war dabei die starke Nachfrage nach Rechenzentren und digitalen Gebäudediensten. Einen großen Beitrag zum Umsatzwachstum leistet das Geschäft ‚Electrical Products‘. Geografisch betrachtet verzeichneten alle Berichtsregionen Volumenzunahmen, größter Wachstumsbeitrag kam aus den USA, vor allem vom Electrification- und vom Electrical-Products-Geschäft.

Der Ergebnisanstieg in allen Geschäften ist vorwiegend höhere Kapazitätsauslastung, Preisanpassungen zum Ausgleich der Kosteninflation sowie wegen Kosteneinsparungen aus bisheriger Umsetzung des Programms zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen.

Im vierten Quartal konnte Smart Infrastructure die Akquisition von Brightly Software, einem amerikanischen Anbieter von cloudbasierter SaaS für das Anlagen- und Instandhaltungsmanagement sowie das Energie- und Nachhaltigkeitsmanagement, abschließen.

Mobility

Der Auftragseingang des Geschäftsbereichs Mobility beinhaltete im vierten Quartal 2022 eine Reihe von Großaufträgen für Lokomotiven im Wert von insgesamt rund 500 Mio. Euro, darin enthalten ist auch ein Auftrag für Zweikraftlokomotiven in Deutschland, ein 0,1-Mrd.-Euro-Auftrag für Zuggarnituren in den USA sowie die Erweiterung eines Auftrags für ein SaaS-Reservierungssystem in Frankreich um 0,1 Mrd. Euro. Der Rückgang des Auftragseingangs ist auf ein höheres Volumen aus Großaufträgen im Q4/2021 zurückzuführen.

Das Wachstum der Umsatzerlöse in allen Geschäften ist laut Siemens maßgeblich bestimmt durch Servicegeschäft und Bahninfrastrukturgeschäft. Wie in vergangenen Quartalen wurde das Umsatzerlöswachstum in einigen Geschäften durch Lieferverzögerungen bei bezogenen Materialien und Bauteilen sowie durch Auswirkungen in Zusammenhang mit COVID-19 (insbesondere krankheitsbedingte Mitarbeiterausfälle) zurückgehalten. Der Ergebniszuwachs ist im Wesentlichen bestimmt durch das Service- und Bahninfrastrukturgeschäft. Generell aber gingen Belastungen von Ergebnis und Profitabilität durch Lieferverzögerungen und COVID-19-Auswirkungen zurück.

Healthineers

Siemens Healthineers kann ein prozentual zweistelliges Volumenwachstum in allen Geschäften vorweisen. Geografisch betrachtet war ein starker Volumenanstieg in den Berichtsregionen Asien, Australien und Amerika mit beträchtlichen positiven Währungsumrechnungseffekten zu verzeichnen.

Der Bereich verzeichnet einen Ergebnisanstieg auf breiter Basis, angeführt vom Imaging- und vom Diagnostics-Geschäft, bestimmt durch das Umsatzerlöswachstum und begünstigt durch im Vorjahresvergleich geringere negative Folgebewertungseffekte aus Kaufpreisallokation in Zusammenhang mit der Akquisition von Varian Medical Systems. Belastet wurde das Ergebnis durch Kostensteigerungen insbesondere bei Beschaffung und Logistik.

Die Prognose für das Geschäftsjahr 2023 beruht auf den Annahmen, dass geopolitische Spannungen nicht weiter eskalieren und die Herausforderungen aufgrund von COVID-19 und der Engpässe in den Versorgungsketten weiter zurückgehen werden. Unter diesen Bedingungen und angesichts des hohen Auftragsbestands, insbesondere in den kurzzyklischen Geschäften, erwartet Siemens, dass die industriellen Geschäfte weiter profitabel wachsen werden.

Für den Siemens-Konzern wird ein Umsatzerlöswachstum auf vergleichbarer Basis (bereinigt um Währungsumrechnungs- und Portfolioeffekte) in einer Bandbreite von 6 Prozent bis 9 Prozent und ein Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatzerlösen (Book-to-Bill-Verhältnis) von über 1 erwartet.

Digital Industries geht davon aus, im Geschäftsjahr 2023 ein Umsatzerlöswachstum auf vergleichbarer Basis zwischen 10 Prozent und 13 Prozent zu erreichen. Die Ergebnismarge wird zwischen 19 Prozent und 22 Prozent erwartet.

Smart Infrastructure erwartet im Geschäftsjahr 2023 ein Umsatzerlöswachstum auf vergleichbarer Basis zwischen 8 Prozent und 11 Prozent und eine Ergebnismarge in einer Bandbreite von 13 Prozent bis 14 Prozent.

Mobility beabsichtigt, im Geschäftsjahr 2023 ein Umsatzerlöswachstum auf vergleichbarer Basis zwischen 6 Prozent und 9 Prozent zu erzielen. Die Ergebnismarge wird zwischen 8 Prozent und 10 Prozent erwartet.

Siemens erwartet, dass durch das profitable Wachstum die industriellen Geschäfte im Geschäftsjahr 2023 ein unverwässertes Ergebnis je Aktie (für den Gewinn nach Steuern) vor Effekten aus der Kaufpreisallokation (EPS pre PPA) in einer Bandbreite von 8,70 € bis 9,20 € erreichen werden.

Von diesem Ausblick sind Belastungen aus rechtlichen und regulatorischen Themen sowie wesentliche Wertminderungen ausgenommen.

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