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Artikel und Hintergründe zum Thema

Lenze

Günter Herkommer,

Geschäftszahlen und Ausblick auf die SPS IPC Drives

Die Lenze-Gruppe hatte unlängst allen Grund zum Feiern: Zum einen ihr 70-jähriges Bestehen, zum anderen einen Umsatzrekord im abgelaufenen Geschäftsjahr. Zur SPS IPC Drives 2017 im November geht mit dem i950 neue Servoumrichter-Generation an den Start.

© Lenze

Lenze geht es gut, wir wollen auch in Zukunft weiter wachsen – und zwar weltweit. Dazu werden wir den Fokus noch stärker auf unsere Kompetenz als Systemanbieter für die Automatisierung von Maschinen legen“ – mit diesen Worten leitete der Vorstandsvorsitzende Christian Wendler die Bilanzpressekonferenz am 12. Oktober ein und kündigte gleichzeitig ein umfassendes Investitionsprogramm für die kommenden Jahre an.

Christian Wendler, Vorstandsvorsitzender von Lenze: "„Der Trend geht auch bei uns mehr und mehr weg von der Hardware hin zur Software beziehungsweise Digitalisierung."

© Computer&AUTOMATION

Wendler zufolge stieg der Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2016/2017 (Stichtag: 30. April) um 4,9 % auf den neuen Rekord von 678,3 Mio. Euro. Den größten absoluten Umsatzanstieg erzielte das Unternehmen in Europa mit einem Plus von 3,6 % auf 514 Mio. Euro. Aber auch in anderen Regionen konnte die Firmen-Gruppe deutlich zulegen: in Asien um 12,3 % auf 83,7 Mio. Euro und in Amerika  um 6,4 % auf 77,9 Mio. Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) lag mit 58,5 Mio. Euro um 20,7 % über dem des Vorjahres, nach Steuern stehen 38,1 Mio. Euro (Vorjahr:  31,5 Mio. Euro) in der Bilanz.

Das positive Zahlenwerk schafft laut Wendler auch Raum für Investitionen in die Zukunft. Konkret plant das Unternehmen zur Umsetzung der Strategie 2020+ in den kommenden Jahren einen Betrag ein, der um deutlich mehr als 100 Mio. über dem bisher üblichen Investitionsniveau liegen soll. Ein wesentlicher Teil davon soll in das Kernprojekt ‚Mechatronic Competence Campus‘ fließen. Mit dieser bisher größten Investition der Unternehmensgeschichte werden drei Produktionsstätten in ein hochmodernes Werk mit modernster Logistik zusammengefasst. Auch weitere Akquisitionen - im Frühjahr wurde bereits das Sindelfinger Unternehmen Logicline mehrheitlich übernommen - dürften wohl nur eine Frage der Zeit sein, denn allein mit organischem Wachstum in der bisherigen Größenordnung dürfte die von Wendler in wenigen Jahren angepeilte Umsatzmarke von 1 Mrd. Euro schwerlich realisierbar sein.

Grundsätzlich will Lenze von der Antriebstechnik kommend in Zukunft die Themen Digitalisierung, Software und die Vernetzung von Maschinen stärker in den Fokus rücken und sieht sich dafür gut  aufgestellt. Das entsprechende Portfolio baut auf drei Säulen auf: zum einen auf mechatronischen Produkten und Paketen, zum anderen auf hard- und softwarebasierenden Automatisierungssystemen – dem Kerngeschäft des Unternehmens. Als dritte Säule kommen schließlich digitale Services hinzu. Was letzteres betrifft, verfügt Lenze mit dem 15 Jahre alten Tochterunternehmen Encoway - einem Softwareanbieter für Konfiguration, Preisfindung und Angebotserstellung (CPQ) - nach Überzeugung von Wendler bereits über einen Erfahrungsvorsprung gegenüber den Marktbegleitern. Ergänzend hierzu soll das bereits erwähnte Unternehmen Logicline das  Lenze-Portfolio künftig in der Rolle eines Dienstleister ergänzen mit dem Auftrag, Enterprise-Anwendungen, mobile Apps sowie Internet-of-Things-(IoT)-Sevives in (Cloud-) Umgebungen zu integrieren, die von den Maschinen- und Anlagenbauern oder auch den  Betreibern vorgegeben werden.

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Die neue Servoumrichter-Generation (im Bild links) – hier in Bauform 3 bis 4 kW – baut deutlich kleiner als der bisherige Servo 9400. Im Bild rechts: Der aktuelle Frequenzumrichter i500, der vor zwei Jahren neu auf den Markt kam.

© Computer&AUTOMATION

Neuer Servoumrichter zur SPS IPC Drives

Ungeachtet der auf Industrie 4.0 ausgerichteten Zukunftsstrategie liegen die Wurzeln von Lenze im Geschäft mit der Antriebstechnik. Auch auf diesem Gebiet will der das Unternehmen aus Hameln laut seinem Vorstand für Innovation, Frank Maier, zur bevorstehenden SPS IPC Drives 2017 ein neues Kapitel der Automatisierung aufschlagen: Mit dem neuen Servo-Inverter i950, der in Nürnberg erstmals der breiten Öffentlichkeit vorgestellt wird, sollen die bisherigen Grenzen zwischen Controller-based und Drive-based Automation aufgehoben werden.

Zur Erläuterung: Schon von jeher hat Lenze zwei unterschiedliche Automatisierungskonzepte verfolgt. Auf der einen Seite die Drive-based Automation mit einer dezentralen, auf die Antriebstechnik verteilten Intelligenz – wie zum Beispiel beim bisherigen Servoumrichter 9400 realisiert. Auf der anderen Seite die Controller-based Automation, die auf einer zentralen Intelligenz in der SPS basiert. Das Manko bis dato: Eine nahtlose Durchgängigkeit in puncto Engineering und Programmierung war dabei nicht gewährleistet. Zwar basierten beide Ansätze auf der IEC 61131-3; während aber das Engineering bei den Controllern mit dem PLC Designer, die SPS-Programmierung mittels Codesys 3.x und die Bewegungssteuerung über SoftMotion erfolgte, hießen die Tools auf der Drive-Seite L-Force-Engineer, Codesys 2.x und 9400 Motion. Inkompatibilität herrschte zudem auf der Btriebsystem-Ebene – Windows CE auf der einen Seite, MicroOS auf der anderen.

Frank Maier: "Mit der Kombination aus dem i950 (links im Bild), dem permanenterregten Synchronmotor m850, den wir ebenfalls zur SPS IPC Drives neu vorstellen, sowie unserem g700-Getriebe haben wir eine extrem leistungsfähige Servoachse im Portfolio."

© Computer&AUTOMATION

Mit dem neuen Servo-Inverter i950 ist es Frank Maier zufolge nun gelungen, die Plattform der Controller-based Automation 1:1 in den Regler zu integrieren. Das heißt: Beide Lösungsansätze verwenden den PLC Designer, sind per Codesys 3.x programmierbar und ermöglichen es dem Anwender, die standardisierten Technologiemodule der Application Software Toolbox ‚Fast‘ zu verwenden, diese bei Bedarf individuell anpassen oder eigene in IEC-61131-3 programmierte Software einsetzen. Kurzum: „Das Versprechen der  Durchgängigkeit, das wir vor zehn Jahren abgegeben haben, haben wir jetzt eingelöst!“, so Maier. Unterschiede gibt es lediglich noch beim Betriebssystem, da dem i950 Linux RT zugrunde liegt. Der nächste Schritt ist damit bereits vorgezeichnet, nämlich die Umstellung der Controller-Welt ebenfalls auf Linux RT.

Mit der Einführung des i950 wird es aus Sicht des Software-Engineerings letztlich irrelevant, ob ein Servo-Inverter als einfacher Stellantrieb, als parametrierbare Achse oder aber als frei programmierbare Achse in die Maschinentopologie integriert wird. Mit anderen Worten: Für den Anwender spielt es in Zukunft keine Rolle mehr, ob er eine zentrale oder dezentrale Automatisierungstopologie oder einen intelligenten Mix aus beiden anstrebt.

Zurück zur eingangs angesprochenen Digitalisierungsstrategie: Die Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle im Rahmen der Digitalen Transformation ist nach Überzeugung von Frank Maier untrennbar mit Cloud Computing verknüpft. Daten aus Maschinen und Anlagen werden dort gesammelt, analysiert und gegebenenfalls mit weiteren Informationen verknüpft. „Connectivity in die Cloud wird in den nächsten Jahren analog zur Feldbuskommunikation zu einem Standard-Feature der Feldebene“, ist Maier überzeugt. Das Unternehmen setzt deshalb bei seinem Automatisierungsportfolio konsequent auf standardisierte Protokolle wie zum Beispiel OPC UA oder MQTT.

Was Lenze definit nicht machen werde, ist eine eigene Cloud-Lösung anzubieten. Maier hierzu: „Erstens gibt es schon zu viele davon. Und zweitens bestimmt am Ende letztlich der Endanwender beziehungsweise Betreiber über die Daten und gibt demzufolge auch die Cloud-Umgebung vor. Entscheidend ist, dass wir uns an alle gängigen Lösungen anbinden können.“ Dem Rechnung tragend kann unter anderem der i950 als potentielles Gateway in die Cloud fungieren und darüber hinaus die Rolle eines Edge-Controllers übernehmen. Zum Marktstart „spricht“ der neue Servo bereits MQTT und unterstützt demnächst auch den Mechanismus Publish/Subscribe.

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