SPS 2019
ZVEI propagiert Klimaschutz
Der ZVEI nahm die traditionelle Pressekonferenz auf der SPS zum Anlass, für den Klimaschutz zu werben. Ein weiteres Thema: Industrie 4.0 mit 5G.
„Technologischer Fortschritt ist ein wichtiger Hebel für mehr Klimaschutz“, lautet das zentrale Statement von Dr. Jan Mrosik, neuer Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Automation, vor versammelter Fachpresse in Nürnberg auf der SPS 2019. Das Klimaziel, den CO2-Ausstoß bis 2050 gegenüber dem Vergleichsjahr 1990 um 80 % zu reduzieren, lasse sich erreichen – bei höheren Anstrengungen sogar bis zu 95 %. Das belege die vom BDI veröffentlichte Klimapfade-Studie, an der sich der ZVEI beteiligt hat. Mrosik hierzu: „Die Industrie hat bereits geschafft, was anderen Sektoren noch bevorsteht: die Entkopplung von Wachstum und Energieverbrauch.“ Zwischen 2005 und 2016 sei die Brutto-Wertschöpfung um fast ein Fünftel gestiegen, der Stromverbrauch im selben Zeitraum hingegen gesunken. Dieses Verhältnis werde sich weiter zugunsten der Stromproduktivität verbessern. „Wir sehen, dass die Effizienzpotenziale noch nicht ausgeschöpft sind und moderne Automatisierungstechnik weitere Chancen eröffnet“, so Mrosik.
Ein Beispiel für einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen sei das Digitale Typenschild, das der ZVEI auf der SPS 2019 erstmals vorstellt. Als Teilmodell der Industrie-4.0-Verwaltungsschale (AAS) biete es zahlreiche Vorteile. „Nicht nur spezifische Geräteinformationen können digital, mehrsprachig und stets aktuell abgerufen werden, sondern perspektivisch auch die ganzer Maschinen“, erläutert Gunther Koschnick, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbands Automation und ergänzt: „Die altherbrachte papierbegleitende Dokumentation entfällt somit – das ist eine riesige Entlastung für die Umwelt.“
Auch das vom ZVEI begleitete Forschungsprojekt DC-Industrie, welches im September nach drei Jahren Forschungsarbeit abgeschlossen wurde, weist Koschnick zufolge hohe Einsparpotenziale nach – im Durchschnitt bis zu 10 %: „Ein gleichstrombasiertes Smart Grid in der industriellen Produktion ist deutlich energieeffizienter als eine wechselstrombasierte Energieversorgung. Darüber hinaus bietet es mehr Energieflexibilität und eine über das einzelne Produkt hinausgehende systemische Betrachtung.“ Der ZVEI arbeitet deshalb aktuell in dem Nachfolgeprojekt DC2 mit Partnern daran, die Gleichstromversorgung in einer gesamten Produktionshalle zu erforschen.

Wachstum nur beim Export
Die deutsche Elektroindustrie konnte 2019 nur bei den Exporten ein Wachstum verzeichnen; Produktion, Umsatz und Auftragseingang hingegen mussten Rückgänge hinnehmen, wie der ZVEI anlässlich der Jahresauftakt-Pressekonferenz mitteilte.
5G – ein neuer Exportschlager?
Ein weiteres Thema der ZVEI-Pressekonferenz war der neue Mobilfunkstandard 5G. Nach dem Abschluss der Frequenzauktion im Frühjahr und der Bekanntgabe der Vergabebedingungen durch die Bundesnetzagentur folge nun die Zeit des Erprobens von 5G. „2020 wird zum Test-Jahr und den Nachweis erbringen, dass lokale 5G-Campusnetze zu Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen führen“, ist der Fachverbandsgeschäftsführer überzeugt. In Verbindung mit Industrie-4.0-Anwendungen könne hieraus ein neuer Exportschlager entstehen. In der ZVEI-Arbeitsgemeinschaft 5G-ACIA arbeiten mittlerweile 56 international tätige Unternehmen zusammen, damit 5G von Beginn an weltweit industriefähig gestaltet wird.
Nicht zuletzt gab der ZVEI in Nürnberg einen kurzen Abriss der aktuellen Konjunkturlage. Mrosik hierzu: „Die Situation hat sich für uns Automatisierer gewandelt. Vor einem Jahr berichteten wir am selben Ort noch von Beschaffungsproblemen bei Rohstoffen und Vorleistungen. Hier drücken uns heute keine Sorgen mehr.“ Nachdem die preisbereinigte Produktion der Automation in Deutschland seit 2008 durchschnittlich um 2,1 % pro Jahr gewachsen sei, ging sie von Januar bis September 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,4 % zurück. „Wir erwarten nicht, dass sich diese Entwicklung alsbald wieder umkehrt“, konstatiert Mrosik, versucht aber trotz aller einschlägig bekannten Unsicherheiten auf dem Weltmarkt dennoch verhaltenen Optimismus zu verbreiten: „Die langfristigen Entwicklungstrends – insbesondere die Anforderungen an einen wirkungsvollen Klimaschutz und die voranschreitende Digitalisierung – sind für die Automation nach wie vor intakt.“










