Nachgehakt bei Wolfgang Schenk

Meinrad Happacher,

Zur Übernahme von GarrettCom und Hirschmann durch Belden

Ende letzten Jahres hat Belden den US-amerikanischen Netzwerk-Spezialisten GarrettCom gekauft. Wie GarrettCom insbesondere mit dem vor vier Jahren ebenfalls übernommenen Unternehmen Hirschmann zusammenpasst, erläutert dessen Geschäftsführer Wolfgang Schenk.

„Mit GarrettCom verdoppeln wir unseren Marktanteil in den USA.„

© Belden

Herr Schenk, Ende 2010 hat Belden das amerikanische Unternehmen GarrettCom erworben, das einen Jahresumsatz von rund 40 Mio. US-Dollar generiert. Wie passt die Übernahme in die Gesamtlandschaft von Belden?

Schenk: Mit den Produktmarken Hirschmann, Lumberg Automation, Telecast und Fiber Systems bietet Belden bis dato schon ein komplettes Produktportfolio für Netzwerklösungen; angefangen bei Signalübertragungslösungen, über Datenkabel, Stecker, I/O-Module bis hin zu industriellen Netzwerkkomponenten. GarrettCom ist ein amerikanischer Marktführer im Bereich Switches für industrielle Anwendungen, WAN-Router, Seriell-Konverter, Kommunikations- Gateways und Sicherheitssoftware. Mit dem Unternehmen im Boot ist es uns jetzt möglich, komplette Netzwerklösungen aus einer Hand mit weltweitem Marktzugang und Lieferservice zu bieten.

Hirschmann hat einen Marktanteil von über 50 % bei gehärteten Switches in industriellen Anwendungen. Ist es da noch sinnvoll, ein Unternehmen mit einem ähnlichen Portfolio zu übernehmen? Wäre es nicht besser gewesen, den eigenen Unternehmensumsatz zu steigern anstatt zuzukaufen?

Schenk: Zugegeben, die Technologien der jeweiligen Produktlinien ähneln sich. Aber die Funktionalität, Konfigurierbarkeit und die vertikalen marktspezifischen Merkmale weichen voneinander ab. Wir planen, die Technologien zu integrieren und auszutauschen, wo es sinnvoll ist. Aber wir wollen die Einzigartigkeit der einzelnen Portfolios erhalten, um auch weiterhin die Kunden- und Marktanforderungen für die jeweiligen Zielmärkte zu erfüllen.

Unterscheiden sich denn die Zielmärkte?

Schenk: GarrettCom verkauft seine Produkte in den Bereichen Energieversorgung, Überwachung und Sicherheit, Transport, Industrieautomatisierung, Telekommunikation und für andere anspruchsvolle Umgebungen über ein Netzwerk von Systemintegratoren, OEMs und internationalen Vertriebspartnern. Der Heimatmarkt von GarrettCom sind die USA und hier verdoppelt Belden mit dieser Übernahme seinen Marktanteil. Hirschmann ist stark in den europäischen Ländern und China vertreten und vor allem in den Absatzmärkten Transport und Energieversorgung aber auch im Maschinenbau und den Bereichen Wind beziehungsweise Öl und Gas präsent.

Wie wollen Sie GarrettCom integrieren und in welchem Maße wird das Unternehmen unabhängig bleiben?

Schenk: Da GarrettComs Produktlinien zu Beldens Hirschmann- Lösungen synergetisch und komplementär sind, werden wir ihre jetzigen Produkte auch in Zukunft anbieten. GarrettCom hat zudem ein starkes Führungsteam, das wir behalten wollen. Die Management-Teams beider Unternehmen sind bemüht, eine nahtlose Integration herbeizuführen. Da wir Technologien integrieren und austauschen wollen, werden wir voraussichtlich unsere Roadmaps zusammenlegen, um sicherzustellen, dass unsere Kunden die optimalen Lösungen erhalten. Wir glauben, dass durch den Zusammenschluss von GarrettCom, Hirschmann und Belden die Kunden nun jegliche unternehmenskritischen Signalübertragungslösungen von einem einzigen Anbieter beziehen können.

Cisco, unangefochtene Nr. 1 des Netzwerkmarktes im Büro- Umfeld, schickt sich ja an, das Industrieumfeld zu erobern. Wie wollen Sie der neuen Konkurrenz begegnen?

Schenk: Stimmt, eine Konkurrenz-Situation mit Anbietern aus dem Büroumfeld wird immer realer, insbesondere in Anwendungsbereichen, wo die beiden Bereiche – raues Industrie-Umfeld und Büro-Umfeld – enger verschmelzen. Aktuellstes Beispiel: der Markt der Smart Grids und des Smart Metering. Und genau hier setzen wir auf die Stärken von GarrettCom. Das Unternehmen ist ein Marktführer im Bereich der Stromübertragung und -verteilung – bis dato zugegebenermaßen vertreten bis hin zur Umspannstation, aber jetzt auch mit starkem Fokus auf die sogenannte letzte Meile.

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