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Artikel und Hintergründe zum Thema

nachgehakt! - bei Dr. Reinhard Heister, VDMA Elektrische Automation

Andrea Gillhuber,

Offene Datenräume für KI im Maschinenbau

Manufacturing-X zielt darauf ab, ein kollaboratives Datenökosystem zu schaffen, das Unternehmen entlang der Wertschöpf-ungskette miteinander verbindet. Dr. Reinhard Heister erklärt, wie diese Initiative die Grundlage für erfolgreiche ‚Industrial AI‘ Projekte legt.

nachgehakt! - bei bei Dr. Reinhard Heister, Geschäftsführer VDMA Elektrische Automation © VDMA

Welche Bedeutung kommt ‚Industrial AI‘ im Rahmen der Initiative Manufacturing-X zu?

Die Initiative Manufacturing-X steht für den nächsten großen Schritt in der digitalen Transformation der industriellen Wertschöpfung. Ziel ist es, ein souveränes, kollaboratives Datenökosystem zu schaffen, das Unternehmen entlang der gesamten Lieferkette miteinander verbindet – sicher, interoperabel und skalierbar. Ein zentraler Bestandteil ist das Aufbrechen bestehender Datensilos, um die Verfügbarkeit und Nutzbarkeit von Daten deutlich zu verbessern. Dadurch entsteht die Grundlage für innovative Anwendungen, insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz, die auf umfassende, qualitativ hochwertige Daten angewiesen sind. Die Initiative zahlt so auf drei Ebenen auf das Thema ‚Industrial AI‘ ein. Erstens will  sie dafür sorgen, dass industrielles Wissen branchenübergreifend für KI nutzbar wird. Das Zusammenführen von Daten aus verschiedenen Branchen bietet enormes Potenzial für das Training von großen Grundlagenmodellen (Foundation Models).

Zweitens wird die Zusammenarbeit in branchenspezifischen Datenräumen gefördert, um die Grundlagenmodelle mit Branchenwissen zu spezifischen Modellen weiterzuentwickeln.
Diese Modelle können anschließend von den beteiligten Unternehmen zu firmenspezifischen „Industrial AI“-Modellen optimiert werden.   Drittens will Manufacturing-X durch die Verknüpfung mit anderen Initiativen wie 8ra, IPCEI-CIS und IPCEI-AI den Zugang zur benötigten Infrastruktur erleichtern.

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Zudem soll dadurch Basissoftware bzw. Middleware bereitgestellt werden, um Daten zu verarbeiten und die jeweiligen Modelle zu trainieren.

Welche konkreten Use Cases für KI erwarten Sie?

Neben den bereits genannten Grundlagen innerhalb von Manufacturing-X wird an dem Use Case ‚AI-as-a-Service (AIaaS)‘ gearbeitet. Dieser befasst sich mit der Bereitstellung von KI-Modellen für Unternehmen über den Datenraum. Somit können KI-Modelle im industriellen Umfeld genutzt werden, ohne dass jedes Unternehmen eigene KI-Lösungen von Grund auf entwickeln muss. Der Datenraum stellt den vertrauenswürdigen Rahmen zur Verfügung, in dem Unternehmen KI-Modelle und benötigte Daten teilen können, ohne ihre digitale Souveränität zu verlieren. AIaaS ist ein wichtiger Bestandteil der Vision von Manufacturing-X, um künstliche Intelligenz breitenwirksam nutzbar zu machen und die Mehrwerte von KI in die industrielle Praxis zu bringen.

Wie wichtig sind offene Datenräume für den erfolgreichen Einsatz von KI im Maschinenbau?

Offene Datenräume sind entscheidend für den erfolgreichen Einsatz von KI im Maschinenbau. KI-Anwendungen benötigen große Mengen qualitativ relevanter und kontextbezogener Daten, um zuverlässig zu funktionieren. Diese Daten stammen häufig nicht nur aus dem eigenen Unternehmen, sondern auch von Partnern, Kunden oder Zulieferern entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Offene Datenräume ermöglichen es, solche Daten sicher, kontrolliert und interoperabel auszutauschen und schaffen damit die Grundlage für viele industrielle KI-Anwendungen.

Ein entscheidender Vorteil offener Datenräume liegt in der Datensouveränität: Unternehmen behalten die Kontrolle darüber, wer auf ihre Daten zugreifen darf und zu welchem Zweck. Gleichzeitig fördern sie Vertrauen zwischen den Beteiligten, da sie transparente Regeln für den Datenaustausch sowie technische Standards für Sicherheit und Nachvollziehbarkeit bieten. Gerade im Maschinenbau, wo sensible Produktions- und Betriebsdaten im Spiel sind, ist das essenziell.

Darüber hinaus ermöglichen offene Datenräume die Skalierung von KI-Lösungen. Statt isolierter Insellösungen können datengetriebene Anwendungen über Unternehmensgrenzen hinweg genutzt und weiterentwickelt werden, etwa für Predictive Maintenance, Qualitätsüberwachung oder adaptive Produktionssteuerung.

Nicht zuletzt fördern offene Datenräume Innovationen: Sie schaffen die Basis für neue datenbasierte Geschäftsmodelle wie KI-gestützte Assistenzsysteme oder intelligente Services rund um Maschinen und Anlagen. Ohne diese Infrastruktur bleiben viele KI-Projekte im Prototypenstadium stecken und entfalten keinen nachhaltigen Nutzen.

Wie positioniert sich Manufacturing-X in diesem Zusammenhang im Vergleich zu internationalen Initiativen wie Gaia-X oder Catena-X?

Manufacturing-X positioniert sich als branchenübergreifende Initiative zur Umsetzung vertrauenswürdiger Datenräume in der Industrie – insbesondere für den Maschinenbau und den Mittelstand. Im Unterschied zu Gaia-X, das als europäischer Rahmen für digitale Souveränität die technischen und organisatorischen Grundlagen für Datenräume definiert, und zu Catena-X, das diese Prinzipien konkret für die Automobilindustrie umsetzt,
verfolgt Manufacturing-X das Ziel, ein skalierbares und interoperables Datenökosystem für die gesamte produzierende Industrie zu schaffen. Dabei greift Manufacturing-X nicht nur auf die Infrastrukturkonzepte von Gaia-X und die operativen Erfahrungen aus Catena-X zurück, sondern integriert auch die technischen Standards der International Data Spaces Association (IDSA). Die IDSA liefert mit ihrem Referenzarchitekturmodell (IDS-RAM) die Grundlage für sicheren und souveränen Datenaustausch – ein zentraler Baustein für die Umsetzung von Manufacturing-X. So entsteht ein Ökosystem, das den vertrauensvollen Austausch industrieller Daten ermöglicht und gleichzeitig die Anforderungen an Datenschutz, Interoperabilität und Skalierbarkeit erfüllt. Insgesamt ist Manufacturing-X keine Konkurrenz zu Gaia-X, Catena-X oder IDSA. Vielmehr handelt es sich um eine strategische Erweiterung, die deren Konzepte in die breite industrielle Praxis überführt.

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