Internet der Dinge
M2M - Fit für eine Industrie 4.0?
Die Industrie 4.0 steht als große Vision im Raum der Fertigungsfachleute. Durch das Internet getrieben, sollen reale und virtuelle Welt zu einem Internet der Dinge zusammenwachsen. Der M2M-Kommunikation kommt hierbei eine, wenn nicht gar die Schlüsselrolle zu. Aber wie reif ist M2M heute schon? Welche Barrieren stehen einer breiten Einführung von M2M noch im Wege? Alles Fragen, die im Zentrum einer Experten-Diskussion auf der SPS IPC Drives standen.
Klaus-Dieter Walter, Geschäftsführer SSV: "Großer Bremsklotz ist, dass die heutigen Geschäftsmodelle der Automatisierungsanbieter in einer interoperablen Welt der Industrie 4.0 nicht funktionieren würden."
© Computer&AUTOMATIONDie Machine to Machine Kommunikation „ist heute den Kinderschuhen entwachsen“, sagt Klaus-Dieter Walter zu Beginn der Podiumsdiskussion auf der SPS IPC Drives, „aber mit Sicherheit noch nicht reif, um die gesamten Herausforderungen zu lösen, die gerade unter dem Stichwort Industrie 4.0 auf uns zukommen.“ Dies liege unter anderem an dem einen oder anderen Standard, für den man sich noch entscheiden müsse, um die nach wie vor proprietären Dateninseln im Industrieumfeld zu beseitigen, ergänzt der Geschäftsführer von SSV und betont: „Die Standards fehlen nicht, durchgängige Datenkommunikation ist technisch machbar.“ Seiner Meinung nach liegt es vielmehr an den Geschäftsmodellen der Marktteilnehmer, dass die industrielle Kommunikation nach wie vor durch Dateninseln geprägt sei.
Stefan Hoppe, Präsident der OPC Europe Foundation: "OPC UA könnte der Schlüssel für eine notwendige durchgängige Datenkommunikation sein. Wir müssen diesen Standard aber in die anderen Branchen tragen."
© Computer&AUTOMATIONStefan Hoppe, Präsident der OPC Foundation Europe, stimmt Klaus-Dieter Walter zu, dass insbesondere in der Automatisierungstechnik heute eine durchgängige Datenkommunikation realisierbar wäre. Hoppe führt explizit den Datenaustausch per OPC UA ins Feld und erläutert, dass mit diesem Standard heute sowohl herstellerunabhängige Kommunikation quer über alle Steuerungsgeräte als auch vertikal vom einfachen Sensor bis hinauf zum ERP-System machbar sei. Nur, so seine Bedenken: „Wie können wir den anderen beteiligten Branchen einer Industrie 4.0, etwa der Telekom-Industrie, vermitteln, dass es bereits eine Lösung gibt, auf die sie aufsetzen können?“
Andreas Huhmann, Strategie Consultant bei Harting: "Wir brauchen nach wie vor – zumindest unterhalb OPC UA – eine Vielfalt an physikalischen Kommunikationstechniken. Ansonsten werden wir nur mittelmäßige Lösungen bekommen."
© Computer&AUTOMATIONAndreas Huhmann, Strategie Consultant bei Harting sieht das Thema durchgängiger Datenaustausch noch nicht wirklich gelöst. Er bezweifelt, dass, insbesondere wenn man die Kommunikation bis hinunter zu einzelnen Geräte oder Cyberphysical Systems der Automatisierungstechnik betrachtet, der alleinige Informationsaustausch über OPC UA ausreicht.
Relativ entspannt sieht Gerrit Boysen, Produktmanager bei Phoenix Contact die Situation: „Wir verlassen gerade die M2M-Einführungsphase und begeben uns in die Wachstumsphase. Da ist es ganz normal, dass es viele unterschiedliche Technologien gibt. Jetzt wird sich langsam herauskristallisieren, welche Technologien sich letztendlich durchsetzen.“ Seiner Meinung nach, und da stimmt er Hoppe zu, sei es jetzt wichtig, die Automatisierer, Telekom-Anbieter und die IT-Welt an einen Tisch zu bekommen.
Stefan Hoppe greift die Worte von Gerrit Boysen auf und bekräftigt, dass gerade die OPC Foundation den Weg über Kooperationen suche: „Auf der Messe haben wir beispielsweise die Kooperation mit der BACnet User-Group bekannt gegeben.“ Laut Hoppe sei OPC UA so designed, dass man die Protokolle austauschen könne, dass man, was auch immer für Layer kämen, diese unter OPC UA laufen lassen könne. „Wir müssen jetzt,“ formuliert er forsch, „die Erfolgsstory der Automation in andere Branchen tragen.“ Die anderen Branchen müssten sagen: „die Automatisierer haben es irgendwie hingekriegt, warum springen wir da nicht einfach auf!“
Prof. Jürgen Jasperneite, Director Institut Industrial IT: "Informationstechnik so integrieren, dass die Maschinen und Anlagen messbar intelligenter werden, das macht eigentlich eine Industrie 4.0 aus – so gesehen ist Industrie 4.0 keine Vision, sondern eine Evolution, die in vollem Gange ist."
© Computer&AUTOMATIONProf. Jasperneite unterstützt Hoppe argumentativ, indem er von Arbeiten an seinem Institut berichtet: „Wir haben es hinbekommen, dass wir einen vollständig und interoperablen OPC-UA-Server nach der Spezifikation sogar auf Geräten mit lediglich 15 KB Speicherbelegung implementieren konnten. Das hat uns in die Lage versetzt, dass wir erstmalig eine durchgängige Kommunikation durch die verschiedenen Ebenen der Automatisierungspyramide vom Sensor bis ins Internet, ja bis hin zu einer App auf einem Smartphone realisieren konnten.“ Jasperneite ist deshalb überzeugt, „dass OPC-UA ein wichtiges Vehicle sein wird, um die durchgängige Kommunikation durch die verschiedenen Systeme, die es aus bestimmten Gründen auch zukünftig gebe, zu realisieren – und zwar herstellerunabhängig.“
Gerrit Boysen versucht nochmals, der sehr technisch gehaltenen Diskussion einen anderen Blickwinkel zu geben: „Können sich die Endkunden wirklich vorstellen, mit der Technologie, die wir jetzt gerade beschreiben, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, mit dem sie Geld sparen beziehungsweise Geld verdienen können? Mein Gefühl ist, der Endkunde weiß gar nicht, was er damit soll!“ Das Problem sei doch, fährt er fort, „dass wir sehr viel in technischen Gremien zusammensitzen und viel über Bits und Bytes reden und am Ende geht der Kunde raus und denkt: Schöne Technik, aber wo ist der Nutzen für mich?“
Gerrit Boysen, Produktmanager für Communication Interfaces bei Phoenix Contact: "Wir sitzen viel in Gremien zusammen und erklären die Technik. Doch damit reden wir am Kunden vorbei, der eigentlich denkt: Schöne Technik, aber wo ist für mich der Nutzen?"
© Computer&AUTOMATIONGerrit Boysen versucht nochmals, der sehr technisch gehaltenen Diskussion einen anderen Blickwinkel zu geben: „Können sich die Endkunden wirklich vorstellen, mit der Technologie, die wir jetzt gerade beschreiben, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, mit dem sie Geld sparen beziehungsweise Geld verdienen können? Mein Gefühl ist, der Endkunde weiß gar nicht, was er damit soll!“ Das Problem sei doch, fährt er fort, „dass wir sehr viel in technischen Gremien zusammensitzen und viel über Bits und Bytes reden und am Ende geht der Kunde raus und denkt: Schöne Technik, aber wo ist der Nutzen für mich?“
Klaus-Dieter Walter greift die Fragestellung auf und ergänzt: „Im Grunde genommen ist nicht die Technik das Problem. Die Anbieter müssten sich zusammensetzen und sich die Frage stellen: Wie können neue Geschäftsmodelle aussehen, wenn wirklich alles miteinander interoperabel und gegeneinander austauschbar wird?“ Derzeit seien die Geschäftsmodelle in der Automation noch Hardware-zentriert und funktionierten vor allem deshalb, weil eine Interoperabilität nicht gegeben sei.
Auf die im Raum stehende Frage, bis wann sich eine Industrie 4.0 letztlich durchsetzen könnte, prophezeit Gerrit Boysen: Eine Industrie 4.0 setzt sich durch, sobald der Kunde den Vorteil darin erkennt. Wir müssen gar nicht missionieren oder überzeugen, sondern sobald der Kunde messbare Vorteile im Vergleich zu anderen Lösung sieht, läuft er von alleine los und fordert uns!“

















