ZVEI-Fachverband Automation
Klarere Kriterien für Industrie 4.0
Der ZVEI arbeitet mit anderen Institutionen daran, die Referenzarchitektur RAMI 4.0 und die Industrie-4.0-Komponente zu konkretisieren und mit Praxisbezug anzureichern. Auf der SPS IPC Drives 2016 hat der Verband einen Leitfaden und ein Open-Source-Projekt vorgestellt.
“Es geht jetzt darum, bei Industrie 4.0 mehr Transparenz zu schaffen und den Begriffsdschungel zu lichten”, sagte Gunther Koschnick, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbands Automation, auf dessen SPS-IPC-Drives-Pressekonferenz. Rechtzeitig zur Messe hat der ZVEI deshalb einen gemeinsam mit der Plattform Industrie 4.0 entwickelten Leitfaden für allgemeine und herstellerunabhängige Industrie-4.0-Produktkriterien veröffentlicht. “Damit schaffen wir mehr Sicherheit im Markt”, so Koschnick.
Die Kriterien des Leitfadens beruhen auf RAMI 4.0 und der Industrie-4.0-Komponente. “Den Anbietern im Markt helfen die Kriterien, zu entscheiden, welche Produkte heute schon als Industrie-4.0-fähig gekennzeichnet werden können”, erläuterte Roland Bent, Vorstandsmitglied im ZVEI-Fachverband Automation und Geschäftsführer bei Phoenix Contact. “Gleichzeitig können Unternehmen die Kriterien als Anleitung für die Produktentwicklung verwenden. Das sorgt insgesamt für mehr Transparenz und Sicherheit im Markt.”
Zu den Kriterien gehören erstens Grundlagenfunktionen, die geräteunabhängig gleich sind; zweitens Industrie-4.0-Semantik als gemeinsame Industrie-4.0-Sprache; drittens eine Industrie-4.0-Kommunikation, die die neuen Dienste abbilden kann; viertens Identifikation als eindeutige Kennzeichnung von physischen Dingen und Daten. Last but not least ist fünftens auch die Security-Dimension dabei.
Open-Source-Projekt 'openAAS'
Als eines der wichtigsten derzeitigen Vorhaben des ZVEI betrachtet Bent ferner das Open-Source-Projekt ‘openAAS’ (Asset Administration Shell), das der Verband zusammen mit dem Lehrstuhl für Prozessleittechnik an der RWTH Aachen durchführt. “Auf der offenen Internet-Plattform github.com können Interessierte sich jederzeit informieren und sofort mitmachen”, betonte Bent. Mit ‘openAAS’ soll eine Brücke zwischen der konzeptionellen Arbeit des ZVEI an Architekturmodellen – RAMI 4.0 (DIN Spec 91345) und Industrie-4.0-Komponente – und der praktischen Implementierung von Industrie 4.0 in den Entwicklungsabteilungen der Unternehmen geschlagen werden. Über eine Laufzeit von zwei Jahren soll eine demonstrierbare Referenzlösung der Verwaltungsschale mit Zugriffsdiensten entstehen. »Die Kommunikation zwischen Industrie-4.0-Komponenten, also zwischen Assets, deren virtuelles Abbild in einer Verwaltungsschale gespeichert ist, wird im Projekt ‘openAAS’ definiert«, verdeutlichte Bent. Zur Ausbreitung und Anwendung von ‘openAAS’ ist ein Plugfest am 21. Februar 2017 in Frankfurt geplant.
Neben Industrie 4.0 erachtet der ZVEI Energieeffizienz im Antriebssystem als wichtiges Thema. “Energieeffizienz gehört ins komplette Antriebssystem2, sagte Karl-Peter Simon, Vorsitzender des ZVEI-Fachbereichs Elektrische Antriebe und Geschäftsführer bei Bauer Gear Motor. “Die neue Norm EN 50598 nimmt genau das in den Fokus und betrachtet nicht mehr einzelne Komponenten, sondern öffnet sich dem gesamten Antriebssystem.” Auch die Umsetzung der europäischen Norm EN 50598 in die internationale IEC-Norm 61800-9 mache die Bedeutung des Systemansatzes deutlich. Vor diesem Hintergrund stellt der ZVEI auf der Messe ein herstellerunabhängiges Online-Berechnungs-Tool zur einfachen Umsetzung der Norm vor.
Die Konjunktur der deutschen Automatisierungsindustrie hat sich gegenüber dem Vorjahr deutlich abgeschwächt: Die Branche erreichte in den ersten neun Monaten des Jahres 2016 einen Umsatz von 37,2 Mrd. Euro, was einem Wachstum von 2,6 % entspricht. Der Auftragseingang stieg um 1,5 %. “Das ist weitaus weniger, als wir Ihnen vor einem Jahr berichten konnten: Damals sprachen wir von 7,8 % Wachstum in den ersten neun Monaten 2015 beim Auftragseingang”, stellte Bent fest. Für 2017 rechnet er mit einem Wachstum von 3 bis 6 % in der Fabrikautomatisierung und von 0 bis 3 % in der Prozessautomatisierung.













