Nachgehakt bei Gunther Koschnick

Günter Herkommer,

"Industrie 4.0 zum Mitentwickeln"

Eines der wichtigsten Projekte des ZVEI für 2016 ist das im Januar gestartete Projekt openAAS. Gunther Koschnick, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbands Automation, erläutert, was es damit auf sich hat.

"Wir wollen eine Brücke von der Theorie in die Unternehmens-Praxis schlagen.", so Gunther Koschnick, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbandes Automation.

© ZVEI

Herr Koschnick, was genau steckt hinter dem Projekt openAAS beziehungsweise was war der Auslöser hierfür?
Koschnick: Bisher waren wir in Sachen Industrie 4.0 sehr stark auf der konzeptionellen Ebene unterwegs und haben Modelle und Rahmen definiert. Eines dieser Modelle ist die Industrie-4.0-Komponente, mit ihrer sogenannten Verwaltungsschale. Sie ist ein Modell, das Eigenschaften von cyber-physischen Systemen – sprich von realen Objekten der Produktion, die mit virtuellen Objekten und Prozessen vernetzt sind – genauer beschreibt. Jetzt ist es an der Zeit, eine Brücke von der Theorie in die Entwicklungsabteilungen der Unternehmen zu schlagen, um diese Verwaltungsschale zu füllen. Das soll das Software-Projekt 'openAAS' leisten. Die Abkürzung AAS steht für ­Asset Administration Shell, dem englischen Begriff für Verwaltungsschale. Bei dem Vorhaben handelt es sich um ein Open-Source-Projekt mit dem Ziel, die Inhalte der Verwaltungsschale zu definieren und so die Kommunikation des Shop Floor ins Internet der Dinge, Dienste und Menschen zu gestalten.

Können Sie dies etwas näher erläutern?
Wie schon erwähnt, ist die Verwaltungsschale ein Modell, das Eigenschaften von cyber-physischen Systemen genauer beschreibt. Das kann man sich folgendermaßen vorstellen: Von der Entwicklung eines Produkts – sei es ein Sensor oder eine Maschine – bis hin zu der Entsorgung fallen Daten an. Wenn diese Daten nun über den kompletten Lebenszyklus des Produkts hinweg in Verwaltungsschalen abgelegt werden, dann können sie im Internet der Dinge und Dienste denjenigen zur Verfügung gestellt werden, die diese Daten benötigen. Neu dabei ist, dass ein Produkt all diese Daten unternehmensübergreifend wie in einem 'Datenrucksack' mit sich trägt. Wo sich die Verwaltungsschale physi­kalisch befindet – ob an der Maschine oder auf einem Firmenserver oder in einer Cloud – ist dabei unerheblich. Wichtig ist die eindeutige Zuordnung zum Gerät.

Welche Rolle spielen konkret der ZVEI sowie der Projektpartner RWTH Aachen im Rahmen des Projektes?
Der ZVEI ist der Branchenverband der Elektroindustrie und war daher von Anfang an der Treiber hinter der Entwicklung der Industrie-4.0-Komponente. Es ist für uns der nächste logische Schritt, mit diesem Projekt die auf der Plattform Industrie 4.0 akzeptierten Konzepte in die Unternehmen und die Umsetzung zu bringen. Die RWTH Aachen bringt unter Leitung von Prof. Dr. Ulrich Epple das akademische Know-how in das Projekt ein und gestaltet die Open-Source-Plattform. Neu für uns ist dabei, dass wir Technologien und Prozesse der IT-Industrie für eine gemeinschaftliche Entwicklung verwenden.

Inwiefern können sich auch weitere Partner in das Projekt einbringen?
Wünschenswert ist die Mitarbeit von Unternehmen aus allen Bereichen der Industrie. So können bereits in einer sehr frühen Phase Unternehmen, Forschungsinstitute und andere Akteure eigene Implementierungen erstellen, in das Projekt einbringen und gegen die Referenz­lösung testen. Auf diese Weise wird die Lücke zwischen Papier­lösungen und der praktischen ­Umsetzung Stück für Stück geschlossen. Das ermöglicht die Open-Source-Plattform, die wir hier auf den Weg bringen.

Handelt es sich bei dem Projekt um einen 'nationalen Alleingang' des ZVEI beziehungsweise der deutschen Industrie oder wird es auch von internationalen Gremien wie zum Beispiel dem IIC mitgetragen?
Wir sind der Vorreiter. Deshalb handelt es sich aber noch lange nicht um einen nationalen Alleingang: Das Open-­Source-Projekt unter Verwendung des allgemein anerkannten Portals GitHub ist für alle – national wie international – offen und zugänglich. Auch internationale Konzerne haben bereits Interesse an einer Mitarbeit bekundet.

Das IIC ist bisher in diesem Bereich noch nicht unterwegs. In  regelmäßigen Treffen zwischen der Plattform Industrie 4.0 und dem IIC kann es sich aber informieren und einbringen. Zusätzlich sind ­einige Unternehmen sowohl in der Plattform als auch im IIC aktiv – ich bin mir sicher, es wird einen Austausch geben.

Die sieht die genaue Roadmap des Projektes aus beziehungsweise bis wann rechnen Sie mit  Ergebnissen?
Wir stehen gerade am Anfang. Unsere Kooperation mit der RWTH Aachen ist im Januar 2016 gestartet. Die erste große Kick-off-Veranstaltung für interessierte Unternehmen hat  Anfang März stattgefunden. Mit ersten Ergebnissen rechnen wir bereits im Sommer 2016.

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