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Artikel und Hintergründe zum Thema

Bosch Rexroth

Günter Herkommer,

Industrie 1.0 trifft Industrie 4.0

Was hat eine Drehbank aus dem Jahre 1887 auf einer High-Tech-Automatisierungsmesse wie der SPS IPC Drives 2016 zu suchen? Auf dem Stand von Bosch Rexroth gibt es die Auflösung!

Steffen Haack, Bosch Rexroth: "Mit unserem IoT-Gateway ist die Anbindung an Industrie-4.0-Umgebungen möglich, ohne in die Automatisierungslogik einzugreifen."

© Computer&AUTOMATION

Sie ist 129 Jahre alt, pedalbetrieben und ein Paradebeispiel der Industrie 1.0 – die 300 kg schwere, gusseiserne Drehbank, die Rexroth in diesem Jahr mit nach Nürnberg gebracht hat. Gekostet hat sie 507 Mark – umgerechnet auf heutige Verhältnisse entspricht dies etwa 30.000 bis 40.000 Euro. Mit anderen Worten: „Maschinen waren bereits damals und sind bis heute eine größere Investition“, sagt Dr. Steffen Haack, Mitglied des Vorstands von Bosch Rexroth, und fügt hinzu: „Ergo müssen wir sie so effizient wie möglich nutzen. Die Vernetzung mit anderen Maschinen und übergeordneten Systemen hilft uns entscheidend dabei.“

Allerdings: Viele Maschinen im Handwerk oder in der Fertigung sind noch ohne Industrie-4.0-Anbindung. Unter anderem fehlen ihnen Sensoren, Software oder die Anbindung an IT-Systeme des Unternehmens – und damit wesentliche Voraussetzungen für die vernetzte Fertigung. Allein in Deutschland betrifft dies Haack zufolge mehrere zehn Millionen Maschinen. Unter anderem als Retrofit-Lösung hat Rexroth daher ein eigenes IoT-Gateway entwickelt, welches zur SPS IPC Drives erstmals vorgestellt wird und auf dem Messestand der Lohrer die besagte Drehmaschine ins Industrie-4.0-Zeitalter katapultiert.

Die Hardware des IoT-Gateway, bestehend aus einer IndraControl-XM-Steuerung, erfüllt Schutzklasse IP20 für die Schaltschrankmontage. Die darauf laufende Software basiert auf dem Betriebssystem Linux. Mit der integrierten Java Virtual Machine erfolgt die Entwicklung der Java-basierten Applikationen und korrespondierender Cloud-Dienste über ein OSGi-Framework. Zur schnellen Inbetriebnahme werden mit dem IoT-Gateway unterschiedliche Java-Apps für typische Anwendungsszenarien bereitgestellt. Über das webbasierte Dashboard erhält der Anwender einen detaillierten Überblick über die gesammelten Daten der ‚Devices App‘ in Echtzeit. Sensor- und Prozesswerte können anschließend in der Processing App vorverarbeitet und an verschiedenste IoT-Dienste zur Datensammlung und -analyse weitergeleitet werden. Das unterstützte Sensorspektrum reicht von digitalen und analogen Schnittstellen auf Basis des skalierten E/A-Portfolios IndraControl S20 über Bluetooth Low Energy bis hin zu USB und RFID.

Mit dem WebConnector hatte Rexroth bereits zur Hannover Messe eine weitere Komponente zur Anbindung der Automatisierung an das IoT vorgestellt. Nach dem Unterschied beziehungsweise der Abgrenzung zum IoT-Gateway gefragt, antwortet Haack: „Der WebConnector legt den Fokus auf die webbasierte Visualisierung einer Maschine. Das IoT-Gateway hingehen dient als Plug-and-Play-Lösung zum einfachen Erfassen von Prozessgrößen und Parametern einer Maschine in Echtzeit, um diese zur Analyse an überlagerte Systeme weiterzuleiten.“

Verfügbar ist das neue IoT-Gateway sowohl als Stand-alone-Lösung, als auch im Rahmen eines individuell maßgeschneiderten ‚i4.0 Upgrade Kits‘ von Bosch Rexroth, welches beispielsweise zusätzlich IoT-basierte Lösungen der Bosch Software Innovations, wie etwa den Production Performance Manager, beinhaltet. Die Software führt die gesammelten Informationen in einer Visualisierung zusammen und leitet spezifizierte Ereignisse an definierte Personen weiter. Die Kommunikation kann dabei auch über die kürzlich von Bosch präsentierte Maschinensprache PPMP erfolgen. Das Protokoll, zur Anbindung von Maschinen an die Unternehmens-IT, konzentriert sich auf den wesentlichen Inhalt einer Nachricht ohne die Komplexität für eine Umsetzung unnötig zu erhöhen. „Durch die Offenlegung des Codes über Eclipse wird transparent, auf welche Kennzahlen es ankommt, also welche Daten sinnvollerweise für die Vernetzung genutzt werden sollten.“, erklärt Haack.

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