Nachgehakt bei Dr. Jörg Nagel

Inka Krischke,

Die Vernetzung begleiten

Die Pepperl+Fuchs-Tochter Neoception unterstützt Firmen dabei, den Weg von der konventionellen Automatisierung hin zur vernetzten industriellen Welt der Zukunft einzuschlagen. Dr. Jörg Nagel, ­Director Technology and Operations bei Neoception, erläutert das Konzept.

"Unsere Zukunftsvision ist es, vollautomatisiert Schlüsse aus Daten zu ziehen und damit Prozesse zu optimieren", so Dr. Jörg Nagel, Director Technology and Operations bei Neoception, einer Tochter von Pepperl+Fuchs.

© Neoception

Dr. Nagel, Anfang 2017 hat Pepperl+Fuchs das Unternehmen Neoception gegründet. Mit welcher Intention?

Dr. Nagel: Industrie 4.0 beschreibt die Vernetzung aller Komponenten, vom einzelnen Sensor bis zur kompletten Anlage, um durch die Nutzung der Daten bisher unerschlossenes Optimierungspotenzial zu erschließen. Das heißt, Firmen müssen neue Technologien auf ihre Märkte anwenden und ihre Produkte reif für die Realisierung neuer Geschäftsmodelle machen. Genau hier setzen wir an: Je nach Bedarf beraten wir, helfen bei der Umsetzung und heben bestehende Anlagen in die vernetzte Produktionswelt.

Ein absolutes Muss ist der einfache und sichere Zugriff auf die Informationen von Produkten im Feld. Feldgeräte stellen bereits heute eine Vielzahl von Informationen zur Verfügung. Aber aufgrund fehlender Kommunikationswege werden diese meist nicht genutzt; oft fehlt den Anlagenbetreibern das Know-how und schlicht die Zeit, sich mit der Komplexität der Feldgerätebeschreibung auseinanderzusetzen. Neoception will die Komplexität für die Kunden eindämmen. Indem wir Daten alltagstauglich zur Verfügung stellen, müssen unsere Kunden und deren Kunden – die Anlagenbetreiber – im Endeffekt nur den Browser bedienen können. Dank unserer starken Kundenorientierung bleiben die entwickelten Services flexibel und jederzeit erweiterbar – auch über den Abschluss der Projekte hinaus.

Welche Zielgruppe adressieren Sie?

Dr. Nagel: Wir adressieren zum einen Unternehmen, die nur wenige Ressourcen und Kapazität haben, sich mit der Komplexität von Industrie-4.0-Lösungen auseinanderzusetzen – also vorwiegend kleinere und mittlere Unternehmen.
Zum anderen entwickeln wir horizontale Lösungen für größere Unternehmen, um Anlagendaten in das bestehende SAP-System zu integrieren. Dank Pepperl+Fuchs verfügen wir über umfassendes Know-how bezüglich der Infrastruktur von explosionsgefährdeten Anlagen und der industriellen Sensorik.

Wie gehen Sie bei Projekten vor?

Dr. Nagel: Je nachdem, wie weit Firmen mit der Entwicklung ihrer Visionen schon sind, starten wir gemeinsam mit einer ersten Analysephase. Wir erstellen das spätere Gesamtkonzept, zeigen Mehrwerte auf, die in der Anlage schlummern, und identifizieren alle benötigten Pro­zesse rund um die zu entwickelnde Lösung. Anschließend be­stimmen wir Technologien, die die Anforderungen erfüllen. Im nächsten Schritt erfolgt dann die Umsetzung. Dabei starten wir immer mit einer kleinen Lösung und erweitern diese sukzessive. Wichtig ist, schnell Ergebnisse zu erzielen – denn ein großer Umfang zieht ein großes Lasten- und Pflichtenheft nach sich und bremst die Entwicklung. Ist der erste Nutzen realisiert und beim Kunden online, erschließen wir neue Möglichkeiten und erweitern die Anwendung bei Bedarf.

Gibt es Beispielprojekte? 

Dr. Nagel: Ein sehr anschauliches Projekt ist die Erfassung von Füllständen von Entsorgungsbehältern einer kompletten Stadt über Pepperl+Fuchs-Technologie. Dabei werden die Füllstände der Behälter automatisch gemeldet, eine Software bestimmt daraufhin den Leerungsbedarf, optimiert die Abholung und die damit verbundene Fahrroute der LKWs. Die gesammelten Daten der Füllstände stellen wir dem Kunden inklusive Visualisierung in der Leitwarte zur Verfügung. Ein Nachfolgeschritt könnte die Anzeige auf mobilen Endgeräten sein, die dem Fahrer im Minutentakt eine aktuelle Route vorschlägt, inklusive Verkehrsinformationen.

Wie sieht Ihre Roadmap auch bezüglich Industrie 4.0 aus?

Dr. Nagel: Das Ziel für die nächsten zwei Jahre ist, uns als Lösungsanbieter auf dem Markt zu etablieren. Im Moment stehen kundenspezifische Projekte im Vordergrund, über die wir den Markt und die Anforderungen unserer Kunden kennenlernen. Im Laufe der Zeit wollen wir häufig auftretende Kundenbedürfnisse aufgreifen, um ein breites Basisportfolio an Services anbieten zu können und Kundenprojekte noch schneller abwickeln zu können.

Bezüglich Industrie 4.0 werden wir immer mehr in Richtung semantischer Datenmodelle entwickeln. Aktuell ist die Bedeutung der Daten nur innerhalb einer Anwendung bekannt, eine übergreifende Semantik steckt noch in den Kinderschuhen. Sie ist aber dringend erforderlich, um nach der ersten Phase, in der jede Anlage mit Connectivity ausgestattet wird, die Daten auch künftig sinnvoll und vor allem automatisiert verarbeiten zu können.

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