Ethercat
Beckhoff setzt auf 'One Cable Automation'
Seit rund zwölf Jahren ist die Spezifikation der von Beckhoff entwickelten Ethercat-Technologie stabil – jetzt wurde erstmals eine Erweiterung vorgenommen: Die Übertragung von Daten und Leistung über ein einziges Kabel.
Die neu entwickelten, feldkonfektionierbaren Stecker: Über M8 hinaus gibt es Varianten von B12 (B steht für Bayonette) bis B36, über die sich Spannungen bis 630 V(AC) beziehungsweise 850 V(DC) mit bis zu 64 A mit nur einem Kabel an die Maschine bringen lassen.
© Beckhoff AutomationHans Beckhoff: "Mit Ethercat P gibt es jetzt Ethercat-Performance zu noch geringeren Anschaltkosten, da wir nur noch ein Kabel benötigen."
© Computer&AUTOMATION / Günter HerkommerEthercat P heißt die zur SPS IPC Drives 2015 erstmals vorgestellte Lösung, bei der Beckhoff die Ethercat-Kommunkation sowie die System- und Peripheriespannung zusammenführt. Das heißt: In einem vieradrigen Kabel ist die 24-V(DC)-Versorgung der Ethercat-P-Slaves und der angeschlossenen Sensoren/Aktoren integriert. Dabei werden die System- und Sensorversorgung (Us) und die Peripheriespannung für Aktoren (Up) direkt auf die Adern der 100-Mbit/s-Leitung eingekoppelt – voneinander galvanisch getrennt mit jeweils bis zu 3 A Strom für die angeschlossenen Komponenten. Laut Thomas Rettig, Technologiemanager für Ethercat, ermöglicht der neue Ansatz zudem eine Stromversorgungs-Weiterleitung (Power-Daisy-Chaining) direkt über die Teilnehmer. Je nach Leistungsbedarf der Geräte lassen sich auf diese Weise zwischen zehn und 15 Teilnehmer an einem Ethercat-P-Strang anschließen.
Die Kombination aus hoher Ethercat-Performance und der flexiblen Ethercat-Topologie (sowohl Linien- als auch Sternverdrahtung ist möglich) machen die Einkabellösung nach den Worten von Thomas Rettig "zum optimalen Bussystem für die Sensorik, die Aktorik und die Messtechnik: Material- und Montagekosten werden damit reduziert, der Bauraum in Schleppketten, im Schaltschrank und in der Maschine minimiert." Um ein Fehlstecken mit Standard-Ethercat-Slaves auszuschließen, hat Beckhoff zusammen mit einem Partnerunternehmen eine eigene Steckerfamilie für Ethercat P entwickelt. Neben der 24-V-I/O-Ebene soll diese künftig den Anschluss beziehungsweise die Leistungsübertragung von Antrieben mit 400 V(AC) oder 600 V(DC) und einem Strom von bis zu 64 A ermöglichen.
Über Adapter-Module ist ein Übergang von Ethercat P (rechts) auf die 'normale' Ethercat-Technik (links) möglich, womit sich auch bestehende Anlagen sukzessive auf die Einkabel-Lösung umstellen lassen.
© Beckhoff AutomationDie letztendliche Vision von Beckhoff hinter der neuen Lösung ist die schaltschranklose Maschine. Die Verler selbst wollen für Ethercat P in den kommenden Jahren eine umfangreiche Produktfamilie bestehend aus Infrastrukturkomponenten, I/O-Systemen sowie Kabelsätzen und Steckern auf den Markt bringen. Rettig hierzu: "In Zukunft können wir uns vorstellen, unter anderem ganze 'Steckdosenleisten' mit Daten- und Power-Versorgung bereitzustellen, über die sich dann im Feld einzelne Maschinenteile oder einzelne Geräte mit nur einem Kabel anschließen lassen.
Darüber hinaus setzt Hans Beckhoff darauf, dass über die Ethercat Technology Group eine große Anzahl von Feldgeräte-Herstellern auf den 'Ein-Kabel-Zug' aufspringt. "Wir bieten die Technologie über ETG jedenfalls zur freien Nutzung an – es liegt dann natürlich an deren Mitgliedern, darüber zu entscheiden, ob sie unserer Idee folgen oder nicht!" – erklärte der Firmenchef anlässlich der Pressekonferenz auf der SPS IPC Drives und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Ich bin da aber ganz optimistisch! Nicht zuletzt streben wir auch eine Standardisierung unserer Power-Stecker zu einer weltweiten Norm an."
Als erster offizieller Ethercat-P-Mitstreiter zeigte in Nürnberg die Firma TR Electronic bereits einen entsprechenden Drehgeber. Beckhoff selbst hatte ebenfalls diverse seriennahe Produkte mit auf der Messe, von denen die meisten im ersten Quartal 2016 verfügbar sein sollen – darunter klassische Klemmensystem-Koppler mit Signal-Ausspeisungen sowie diverse I/O-Module unter anderem für die IP67-Welt.















