OPC UA
Auf dem Weg zur Weltbibliothek
Seit Ende 2014 steht die Vision: OPC UA soll bis spätestens 2019 den Status eines weltweit anerkannten Standards des Industriellen Internet der Dinge IIoT erlangen. Während der Pressekonferenz auf der SPS bezog die Foundation Stellung zu diesem Plan.
Mission erfüllt – es gibt neben der OPC Foundation keine andere Bewegung, die ähnlich erfolgreich die Welt in puncto industrieller Interoperabilität zusammenbringt“, freut sich Stefan Hoppe, seit einem Jahr als Präsident der OPC Foundation im Amt. „Wir wachsen weltweit und freuen uns ganz besonders mit Foxconn als 699. Mitglied einen weiteren End-User in der Foundation zu begrüßen“, fährt Hoppe fort. Innerhalb eines Jahres sei die OPC Foundation um weitere 104 Mitglieder darunter Okuma, Weidmüller, Makino Milling, Alstorm, Nikon, Persistant Systems, TÜV Süd, Baumüller und L‘Orreal auf nun 738 Mitglieder angewachsen. „Wir bieten das weltweit größte Eco-System für Interoperabilität und einen neutralen Boden für gemeinsame Standards in der Automation“, so Hoppe.
Matthias Damm, CEO bei Ascolab, betont bei den technologischen Ausführungen, dass „die technologische Basis von OPC UA seit 2007 stabil ist und ständig Erweiterungen erfährt.“ So ging im Januar 2018 die „Safety for OPC UA based on ProfiNET“ Initiative der Foundation an den Start. Mit vielen Erweiterungen versehen, wurden diese Ergebnisse der Aktivitäten zur Messe „OPC UA Safety – Part 15 des OPC-Standard“ freigegeben. „Die heutige Safety-Lösung – auf Client/Server basierend – wird nun unter den Fittichen der Field-Level-Communications-Gruppe mit PubSub erweitert.“
Erfolgreich gestartet sei auch die ‚OPC UA Harmonization Arbeitsgruppe‘ – „hier werden Datentypen, Features aber auch Schnittstellen wie Energiemanagement oder Rezepthandling für Maschinen aus verschiedenen Märkten harmonisiert“, so Damm.
TSN-Live-Demo im Frühjahr 2020
Auch die FLC Initiative wächst: Peter Lutz, Director der Field Level Initiative, stellte mit Murrelektronik und Festo zwei weitere Mitglieder im Leitungsgremium der FLC Initiative vor. 25 Firmen aus der Prozess- und Fabrikautomatisierung umfasst inzwischen diese Instanz. „Über 240 Experten aus rund 40 Mitgliedsfirmen der OPC Foundation wirken inzwischen mit, um die Basiskonzepte für die Use Cases Controller-to-Controller und Controller-to-Device zu erarbeiten“, sagt Lutz und ergänzt: „Unterstützt werden dabei sowohl das herkömmliche Ethernet auf der Basis von UDP, als auch ein direktes Layer-2-Mapping unter Nutzung von Ethernet TSN.“ Mit diesem Ansatz sei sichergestellt, dass die erarbeitete Lösung in unterschiedlichsten Automatisierungsgeräten der Prozess- und Fabrikautomatisierung zum Einsatz kommen kann. Das Leitungsgremium hat eine Roadmap, dazugehörige Anwendungsszenarien und funktionale, sowie nicht-funktionale Anforderungen erarbeitet. Bis April 2020 soll die erste Version der Spezifikation als Release Candidate zur Verfügung stehen und zur Hannover Messe eine erste Demo mit Prototypen verschiedener Hersteller gezeigt werden.
Die Companion Standards
Was unterschiedliche Companion Standards betrifft, ist der VDMA sehr aktiv: „Zur Definition der Weltsprache der Produktion basierend auf OPC UA sind in Summe 41 Gruppen im VDMA sensibilisiert“, sagt Andreas Faath vom VDMA bei seinem Statusbericht: Mit veröffentlichten Companion-Spezifikationen für vier Märkte wie Robotics und Machine Vision aber auch Machine Tools und Kunststoffmaschinen sind weitere 18 Gruppen aktiv an der Definition der Beschreibung von Daten und Schnittstellen für Maschinen.
Mit einem Memorandum of Understanding ist jetzt auch die engere Kooperation von eCl@ss und der OPC Foundation besiegelt: „Die OPC-UA-Technologie lässt die Nutzung von externen Dictionaries, wie eCl@ss zu – wir freuen uns hier die konkreten Anforderungen von VDMA-Arbeitsgruppen umgesetzt zu haben“ so Hoppe.
Engeren Kontakt sucht die Foundation zudem zur Prozess Industrie: „Wir streben in 2020 den engeren und direkten Kontakt zu den End-User-Verbänden wie der Namur an.
Kitchen 4.0 mit OPC UA
„OPC UA wird durch die Industrie-4.0-Initiative in vielen Köpfen als reiner Standard für Factory Automation gesehen“, so Hoppe. Doch OPC UA hat auch in ganz anderen Branchen Freunde: Holger Burgtorf von Küppersbusch stellt auf der Pressekonferenz die weltweite erste Fritteuse mit OPC-UA-Anschluss vor. Der zugehörige Dachverband HKI für industrielles Küchenequipment hatte sich 2016 nach einer Untersuchung über IoT-Lösungen für OPC UA entschieden und Ende 2018 insgesamt 14 standardisierte Gerätetypen veröffentlicht. „2019 war Küppersbusch ein Pionier, der 50 verschiedene Gerätetypen in über 200 verschiedenen Varianten mit Kommunikationsschnittstelle OPC UA ausgestattet hat“ so Burgtorf mit Stolz.
IT-Firmen stützen OPC UA
Die Aktivitäten der von Microsoft und BMW gegründeten Open Manufacturing Platform (OMP) stellte Erich Barnstedt von Microsoft vor: „Ziel der OMP ist es, Hersteller und Lieferanten entlang der gesamten Wertschöpfungskette dabei zu unterstützen, die Entwicklung von industriellen IoT-Anwendungen zu beschleunigen. Im Fokus steht die Bereitstellung eines offenen Datenmodells und von Open-Source-Komponenten, die mit OPC UA integriert sind. Unternehmen können ihre Lösungen so schneller an den Markt bringen und behalten gleichzeitig die Kontrolle über ihre Daten und ihr geistiges Eigentum.“ Barnstedt verwies insbesondere auf die tiefe Azure-Integration mit OPC UA: „Wir liefern mit Azure die gewünschte Offenheit und Integration mit internationalen Standards wie OPC UA.“
Und so positioniert Hoppe zum Ende der Veranstaltung die OPC Foundation als „Weltbibliothek der Beschreibung der industriellen Dinge“, welche offen im Internet verfügbar sei – auch für Nicht-OPC-Mitglieder. „Die Zeit der geschlossenen Eco-Systeme läuft aus!“, ist Hoppe überzeugt und kündigt als einen weiteren Schritt zur Harmonisierung eine internationale Workshop-Konferenz für Asset Management für Ende Januar in Frankfurt an.










