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Energiewende verunsichert Industrie
Welche Auswirkungen hat die Energiewende auf die deutsche Industrie? Dieser Frage ging das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln in seiner Studie 'Wertschöpfungsketten und Netzwerke' nach. Auftrageber waren die drei Wirtschaftsverbände Maschinenbau (VDMA), Chemie (VCI) und Stahl (WVS).
Kritisch beäugt: Nur 1 % der vom Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) befragten Unternehmen erwartet von dem Umstieg auf die erneuerbaren Energien eine deutliche Stärkung für das eigene Geschäft. 19 % gehen von einer erheblichen Schwächung aus. Der große Rest nimmt noch keine klare Position ein.
© SiemensFür 80 Prozent der befragten Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe ist momentan nicht solide einschätzbar, inwieweit der Umstieg auf erneuerbare Energien ihrer Entwicklung am Standort Deutschland schadet oder nützt. Lediglich ein Prozent gehen davon aus, dass die Energiewende eine deutliche Stärkung für sie bedeutet. Dagegen sehen 19 Prozent die Gefahr einer erheblichen Schwächung. Der Geschäftsführer des VDMA Dr. Hannes Hesse zieht daraus Konsequenzen für die Politik: "Die Studie zeigt, wenn die größte Herausforderung für unser Land seit der Wiedervereinigung gelingen soll, muss die Politik endlich ihre Hausaufgaben machen". Die Verunsicherung der Industrie führe zwangsläufig zu zurückgehaltenen Investitionen.
Vor allem mit Blick auf die industriellen Wertschöpfungsketten und auf steigende Energiepreise ist diese Verunsicherung für den VDMA besorgniserregend: Laut der IW-Studie profitiert 70 Prozent des verarbeitenden Gewerbes gerade von der Innovationskraft energieintensiver Unternehmen – insbesondere in den Geschäftsfeldern 'neue Werkstoffe' sowie 'Material- und Energieeffizienz'. Ein erheblicher Teil der Unternehmen befürchtet, so die Erhebung, dass ihre Wertschöpfungsketten infolge weiter steigender Energiekosten instabil werden könnten, da sie mit energieintensiven Unternehmen direkt oder indirekt über Zulieferer verflochten sind. "Inländische energieintensive Unternehmen können bei der gemeinsamen Entwicklung nicht ohne weiteres ersetzt werden", betont Hannes Hesse. Für viele Branchen sei die Energiewende ein kostspieliges Investitionsprogramm. Diese Investitionen würden jedoch nur stattfinden, "wenn wir die geschlossenen und Innovationsnetzwerke zwischen den Kernbranchen der Industrie erhalten. Deshalb dürfen die Strompreise nicht aus dem Ruder laufen", erklärt Hannes Hesse.
Einen Beleg dafür, wie hochgradig deutsche Industriebranchen miteinander verflochten ist, gibt die IW-Studie ebenfalls: Chemie, Metallindustrie, Maschinen- und Fahrzeugbau sowie andere Industriezweige liefern sich auf Basis der Daten von 2007 gegenseitig Produkte im Wert von über 180 Milliarden Euro. Innerhalb der Industrie nimmt dabei die Arbeitsteilung zu. Viele Unternehmen sind mit einem Netzwerk verknüpft, das viele Betriebe mit unterschiedlichen Kompetenzen bilden. Durch den hohen Verflechtungsgrad der Grundstoff- und Investitionsgüter-Industrie führe es laut der drei Verbände VDMA, VCI und WVS nicht weiter, die Welt in energieintensive und nicht energieintensive oder gar in erwünschte oder unerwünschte Industrie einzuteilen. "Wir sitzen alle in einem Boot und stehen zusammen für die industrielle Leistungsfähigkeit und damit für die Sicherheit des Wohlstandes in Deutschland", erklären die Hauptgeschäftsführer der drei Wirtschaftsverbände.
Die IW-Studie 'Wertschöpfungskette und Netzwerke' haben wir in unserer Whitepaper-Rubrik zum Download bereitgestellt.










