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Artikel und Hintergründe zum Thema

Nachgehakt bei Karl-Heinz John

Meinrad Happacher,

Zur Umfirmierung von Infoteam Software

Infoteam Software firmiert jetzt um, von einer GmbH in eine Aktiengesellschaft. Wie das Software-Haus für industrielle Automation damit vor allem die Leistungsträger im eigenen Hause halten will, erläutert Vorstandschef Karl-Heinz John.

„Gute Arbeit soll den Leuten zugute kommen, die sie erwirtschaften.“

Herr John, Sie gehen jetzt den Schritt von der GmbH zur Aktiengesellschaft. Was macht diesen Weg notwendig.

John: Es ist weniger die wirtschaftliche Notwendigkeit, denn unser Verständnis von Unternehmensführung. Infoteam startete 1983 mit der Idee, engagierten Mitarbeitern Anteile an der Firma anzubieten. Durch unser starkes Wachstum in den letzten zehn Jahren und die Grenzen, die einer GmbH-Beteiligung gesetzt sind, tat sich dabei eine deutliche Schere auf. Bei 120 Mitarbeitern sind wir heute ' nur‘ zehn Gesellschafter. Höchste Zeit, dies nachzuregeln.

Sie planen also lediglich eine Mitarbeiterbeteiligung, keinen Gang an die Börse?

John: Nein, eine Beteiligung firmenferner Aktionäre streben wir definitiv nicht an. Unser Ziel ist es, durch die Kombination Angestellter und Eigentümer das Engagement unserer Kollegen nachhaltig zu fördern. Mit der im Zuge der AG-Wandlung erfolgten Aufstockung des Stammkapitals auf knapp 500 000 Euro - ausschließlich Einlagen von Infoteam-Mitarbeitern - liegen wir deutlich über vergleichbaren Firmen. Mit anderen Worten: Wir benötigen auch in Zukunft kein Fremdkapital.

Die Möglichkeit, sich am Unternehmen zu beteiligen, erhält aber nicht jeder Infoteam-Mitarbeiter. Sondern die Auswahl ist ja doch sehr elitär gehalten!

John: Zum einen hat auch nicht jeder Mitarbeiter den Wunsch, sich finanziell über eine Beteiligung zu engagieren. Aber ich gebe zu: Ja, wir versuchen vor allem die Know-how- und Leistungsträger am Erfolg, aber auch an einem möglichen Misserfolg des Unternehmens zu beteiligen. Ein solch finanzieller Einstieg impliziert letztlich auch ein langfristiges und erhöhtes Engagement gegenüber der Firma. Mitarbeitergesellschaft heißt für mich nicht, jeder Mitarbeiter ist Unternehmer, sondern, interessierte und engagierte Kollegen bekommen die Möglichkeit, sich am Erfolg des Unternehmens zu beteiligen.

Wie viele Mitarbeiter werden Sie denn aktuell als Shareholder ins Boot holen?

John: Hier steht weniger die Quantität als die Qualität im Vordergrund. Wir werden in nächster Zeit Gespräche mit interessierten Kollegen führen, welche ein langfristiges finanzielles und berufliches Interesse an infoteam zum Thema haben. Dazu kann die Initiative durchaus vom Mitarbeiter selbst oder vom Vorstand ausgehen. Ich denke, eine Verdoppelung der Shareholder-Anzahl ist hier realistisch.

Inwiefern betrifft die Beteiligung auch Ihre Auslands-Dependancen in der Schweiz und in China?

John: Unsere Tochterfirmen sind zwar eigenständig operierende Gesellschaften, aber in denselben Marktsegmenten mit den gleichen Produkten unterwegs wie die Bubenreuther Mutter. Es gibt also keinerlei Grund, sie bei der Beteiligung auszuschließen. Im Gegenteil, gerade in Märkten wie China ist die Fluktuation generell viel höher als hierzulande. Eine unternehmerische Beteiligung des Führungskaders kann hier durchaus entgegenwirken.

Hätte die Beteiligung der Führungskräfte nicht auch im Rahmen einer GmbH funktioniert?

John: GmbH-Shareholder können sich sehr intensiv in die Firmenführung einschalten. Das funktioniert bei zehn Köpfen, nicht aber bei einer größeren Anzahl und schon gar nicht, wenn sie geografisch weitverteilte Gesellschafter wie in unserem Fall mit der Schweiz und China haben. Einer GmbH sind deshalb Grenzen bezüglich ihrer Teilhaberzahl gesetzt. Bei einer AG hingegen ist der Einfluss der Shareholder nicht ganz so groß. Aber wiederum auch nicht zu gering, da die Interessen der Aktionäre durch einen Aufsichtsrat sehr effizient gebündelt werden.

Denken Sie, dass Ihr Modell Schule machen wird?

John: Wir sehen es doch in den tagtäglichen Nachrichten. Durch die zunehmende Entfremdung von Kapital und Arbeit tickt eine Zeitbombe! Ich frage:Warum soll gute Arbeit nicht den Leuten zugute kommen, die sie erwirtschaften? Sicher, ein solches Vorgehen setzt auch den Mut der Unternehmer voraus, etwas von dem Kuchen abzugeben, den ihre Kollegen mit erwirtschaften.

Aber generell führt dies doch zu einer Win-Win-Situation.Wenn es 'meine‘ Firma ist, bin ich auch viel eher bereit, das Unternehmen durch Höhen und Tiefen zu begleiten, was die Firmenführung wiederum deutlich erleichtert. Und - ich erreiche mit dieser Idee vor allem die guten, engagierten Mitarbeiter, die sich mit dem Unternehmen identifizieren. Ich denke, es ist höchste Zeit, dass sich die Politik dieses Themas annimmt!

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