Maschinen- und Anlagenbau
VDMA-Umfrage: Wie steht es um die Beschäftigung?
Trotz anziehender Frühindikatoren ist laut VDMA-Präsident Dr. Manfred Wittenstein eine Erholung im Maschinenbau gegenwärtig nicht absehbar. Eine Blitzumfrage des VDMA gibt Aufschluss, wie sich dies in den nächsten Monaten auf die Beschäftigung auswirkt.
VDMA-Präsident Dr. Manfred Wittenstein: „Es darf nicht passieren, dass die vielen jungen Leute, die sich im Maschinenbau auf den Weg gemacht haben, ‚in die Röhre gucken’.“
„Wir befinden uns mitten in der Rezession. Unser eigener, sehr verlässlicher Indikator, der Auftragseingang, hat noch nicht reagiert. Erste, noch vage positive Signale kommen allenfalls aus China." - Mit diesen Worten beschrieb VDMA-Präsident Dr. Manfred Wittenstein anlässlich des Kongresses „Intelligenter Produzieren" gestern die aktuelle Situation im deutschen Maschinen- und Anlagenbau. Die aktuelle Kapazitätsauslastung liege bei knapp 72 % - ein historisches Tief. Die Zahl der Beschäftigten ging seit Jahresanfang um 13.000 zurück (Stand April). Weitere 158000 Mitarbeiter befanden sich im März in Kurzarbeit.
Angesichts dieser Ist-Situation stünden der Branche weitere schwere Monate bevor. Die drängendste Frage der Unternehmen ist laut Wittenstein, auf welche Produktions- und Umsatzniveaus sie sich mittelfristig einstellen müssen und welche Konsequenzen das für ihre Produktionskapazitäten - technische und personelle - haben wird. Vor diesem Hintergrund hat der VDMA unter seinen Mitgliedern Anfang Juni eine Umfrage durchgeführt, wie es mit der Beschäftigung im Maschinenbau in den nächsten Monaten weitergeht. Rund 390 Unternehmen haben teilgenommen. Die Ergebnisse der Umfrage:
- Gut die Hälfte der Unternehmen (54 %) erwartet Einschnitte auch bei der Stammbelegschaft. „Wenn die Personalkapazitäten langfristig nicht ausgelastet werden, geht es ums Überleben" - so Wittenstein.
- Fast die Hälfte der Unternehmen (41 %) will trotz der schwierigen Lage die meisten ausgelernten Auszubildenden übernehmen, ein Fünftel sogar alle. Und in fast drei Viertel (73 %) der Unternehmen will das Lehrstellenangebot im kommenden Ausbildungsjahr konstant bleiben.
- Nur 8 % glauben, dass der Ingenieurbestand im eigenen Unternehmen in den kommenden Monaten abnimmt. Mehr als drei Viertel rechnen damit, dass er sich nicht verändert. Und 16 % gehen sogar von einer Zunahme aus.
Entscheidend für den kommenden Aufschwung sei es, insbesondere den Nachwuchs im Maschinen und Anlagenbau weiter zu fördern. Wittenstein: „Wir brauchen diesen Nachwuchs - und wir sehen uns hier in der Verantwortung. Da es sein kann, dass es in den nächsten Monaten nicht für alle Absolventen für den schnellen Berufseinstieg reichen wird, wollen wir für ausgelernte Facharbeiter und Absolventen der Maschinenbaufächer deshalb neue, unkonventionelle Brücken in die Beschäftigung bauen. Dafür suchen wir den Dialog mit der Politik."
Klare Forderung an die Forschungspolitik
Als eines der zukunftsträchtigen Themen stellte Wittenstein im Rahmen des Kongresses die „Green Production Technologies" heraus. Aus den energie- und umweltpolitischen Herausforderungen dieser Welt erwachsen seiner Überzeugung nach riesige Chancen - zuallererst für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau. Wittenstein hierzu: „Unsere Technologien sind es, die nachhaltiges Wachstum möglich machen. Das produzierende Gewerbe in Deutschland hat zwischen 1995 und 2006 um 30 % zugelegt. Und dennoch ist es gelungen, den industriellen Energiebedarf um 20 % abzusenken. Das entspricht mehr als 50 Millionen Tonnen CO2. Weit über die Hälfte der Einsparung haben wir realisiert." Damit Deutschland insbesondere mit Blick auf die „mobilen Welten" bis zum Kern der Wertschöpfung durchkomme, fordert der VDMA-Präsident:
- Wir müssen Lithium-Ionen-Batterien nicht nur erforschen, sondern vor allem kostengünstig produzieren können.
- Wir müssen mit knappen Materialien produzieren lernen.
- Wir müssen Technologien für das Produzieren von Elektrofahrzeugen, von mobilen Maschinen, von Systemkomponenten aufbauen.
In diesem Kontext richtet Wittenstein deutliche Worte an die Adresse der Politik: „Die 72 Millionen Euro für die Produktionsforschung im Bundesforschungsministerium reichen nicht, sie adressieren immerhin den Kern der deutschen Industrie. Zudem fordern wir einen deutlichen Ausbau der industriellen Gemeinschaftsforschung. Und nicht zuletzt muss die steuerliche Forschungsförderung endlich auch in Deutschland kommen."
Die Ergebnisse der Umfrage als PDF-Download












