Schneider Electric
Schneider Electric bringt neue SPS-Generation
Schneider Electric stellte jetzt in Monaco eine neue SPS-Generation. Integraler Bestandteil der Geräte ist unter anderem die CoDeSys V3 von 3S-Smart Software Solutions. Die Hintergründe der Geräteentwicklung erläutert Deutschland-Geschäftsführer Clemens Blum im Interview.
Kompakt-SPS Modicon M238
Herr Blum, was verbirgt sich hinter dem jüngsten SPS-Spross, der Modicon M238?
Blum: Lassen Sie mich, um Ihre Frage zu beantworten, zunächst etwas ausholen. In Monaco haben wir im Dezember nicht nur eine neue SPS-Generation vorgestellt, sondern ein komplett neues Lösungsangebot, das den Maschinenhersteller von der Konzeption seiner Maschine über die Projektierung und Inbetriebnahme bis hin zum Instandhaltungs-Angebot bei seinem Endkunden unterstützt. Der in Monaco vorgestellte Logic-Controller M238 gehört zusammen mit dem neuen HMI-Controller XBTGC zu den ersten von insgesamt vier Controller-Plattformen, die Schneider innerhalb dieses neuen Konzeptes auf den Markt bringen wird. Damit werden Intelligenz und Rechenleistung dorthin gebracht, wo sie optimal einsetzbar sind. Das kann entweder im Antrieb, in der Visualisierung oder klassisch im Schaltschrank sein. Aus diesem Grund wird es neben den bereits erwähnten Logic- und HMI-Controllern leistungsfähige Drive- und Motion-Controller geben. Diesen Ansatz bezeichnen wir als „Flexible Machine Control“.
Clemens-Blum, Geschäftsführer Schneider Electric Deutschland: „Die neue Steuerung ist erst der Auftakt eines komplett neuen Angebots an den Maschinenbau.“
Auf welcher Softwarebasis gründet das neue Konzept?
Blum: Unter der Bezeichnung „SoMachine“ haben wir im Zuge der neuen Lösung verschiedenste Softwaretools zu einem einzigen, komfortabel handhabbaren Universal-Werkzeug integriert, welches unter einem Dach die Projektierung aller Controller vereint. So basiert die Programmierung der Controller-Funktionalität auf dem Standard Codesys von 3S, die Visualisierung für die HMIs auf unserer etablierten Visualisierungssoftware Vijeo Designer. Im Bereich Motion und Drives setzen wir schon heute die Codesys Version 2.3 erfolgreich ein. Im Zuge unseres neuen, zukunftsweisenden Konzeptes machen wir jedoch den Schritt auf die Version 3 von Codesys. So eröffnet das neue „Multi- Projekt-File“ zum Beispiel überhaupt erst die Möglichkeit, mehrere Controller in einem Projekt zu vereinen beziehungsweise wirklich ein einziges Projekt für die gesamte Maschine zu generieren, zu verwalten und zu dokumentieren.
Deckt die neue Steuerung auch das Thema Safety ab?
Blum: Im ersten Schritt binden wir unsere Flexible-Machine-Controller beispielsweise über CANopen und Modbus an unsere bisherigen Sicherheits-Controller der Produktfamilie Preventa an und gewährleisten so die Diagnose der sicherheitstechnischen Einrichtungen der Maschine. Darüber hinaus wird das Thema „Safety“ in Zukunft sukzessive in das Flexible-Machine-Controller-Konzept einfließen.
Welche Kommunikationsmöglichkeiten bieten die neuen Controller?
Blum: Standardmäßig setzt Schneider auf die offenen Standards CANopen und Modbus zur Kommunikation auf Feldbus- Ebene. Diese Schnittstellen sind natürlich auf den neuen Controllern implementiert. Für die Kommunikation zu übergeordneten Ebenen werden wir zukünftig auch Ethernet mit Modbus TCP unterstützen.
Mit den Produktlinien Modicon-Premium/ Quantum beziehungsweise der in 2006 vorgestellten M 340 hat Schneider bereits sehr leistungsfähige SPS-Linien im Portfolio – warum also jetzt nochmals eine Portfolio-Erweiterung?
Blum: Sie haben vollkommen Recht. Mit den genannten SPS-Linien verfügen wir über leistungsfähige Steuerungen, die allerdings schwerpunktmäßig für komplexe, verkettete Fertigungsanlagen und die Prozessautomation gedacht sind. Hier zählen Leistungsmerkmale wie innovative Regelungsalgorithmen mit Fuzzy- oder Predictive-Control, oder auch redundante Systeme mit hoher Verfügbarkeit. Bei der Anzahl von EAs sprechen wir hier nicht selten über Größenordnungen von über 40 000, mit einem hohen Anteil an Analogwert- Verarbeitung. Schon daran ist zu erkennen, dass die Anforderungen an diese Steuerungen deutlich von denen eines Serienmaschinen-Herstellers abweichen – und genau für die ist unsere neue Plattform gedacht. Um dieses Klientel bestmöglich bei der Projektierung zu unterstützen, bietet das Konzept Flexible Machine Control neben den bereits beschriebenen Controllern getestete Architekturen und branchenspezifische Funktionsbausteine, speziell zum Thema Motion Control, die sich auf einfache Weise anwenderspezifisch anpassen und innerhalb von SoMachine verwenden lassen.
Mit Codesys auf der einen Seite und Unity auf der anderen Seite treffen zwei grundsätzlich sehr verschiedene Software- Umgebungen aufeinander. Wie geht Schneider damit künftig um?
Blum: Für beide Softwareplattformen gibt es, wie bereits beschrieben, Gründe: auf der einen Seite ein schlankes Tool, optimiert für den Maschinenhersteller; auf der anderen Seite eine offene Projektierungsplattform mit vielfältigen offenen Schnittstellen für den Datenaustausch. Er go werden wir beide Plattformen nebeneinander pflegen und je nach Zielgruppe weiterentwickeln.
Stichwort Maschinenbau: In 2007 haben Sie mit den Machine Technology Centern – kurz MTC – eine Organisations- Struktur geschaffen, die maßgeschneiderte Lösungen speziell für den Maschinen- und Anlagenbau entwickelt. Ziel war, speziell in Deutschland im Maschinenbau stärker Fuß zu fassen. Inwieweit sind Sie diesem Ziel bis heute näher gekommen?
Blum: Die organisatorischen Maßnahmen haben eindeutig zu einer höheren Lösungs- und Kundenorientierung unseres Unternehmens geführt. Die Ergebnisse zeigen sich sowohl in dem positiven Geschäftsergebnis von 2008, das wir mit zweistelligem Wachstum abschließen konnten, als auch in der weiter steigenden Wiedererkennung von Schneider Electric im Maschinenmarkt als Lösungsanbieter. Wenn wir von einem durchschnittlichen Wachstum des Maschinenherstellermarktes von etwa 5 % ausgehen, dann haben wir hier überdurchschnittlich gewonnen.
Die Eckdaten der SPS
Bei der Modicon M238 handelt es sich um eine kompakte SPS, die sich mit bis zu sieben Erweiterungsmodulen sowie dezentralen E/As auf bis zu 248 Ein-/Ausgänge ausbauen lässt.
Zur Grundausrüstung gehören:
- 14 Eingänge, davon 8 schnelle Zähler (100 kHz)
- 10 Transistorausgänge davon 4 PTO/ PWM (100 kHz)
- Standard-USB-Schnittstelle (USB Mini B)
- CANopen Master embedded
- Zwei serielle Schnittstelle RS232/RS485
- Modbus Master/Slave
- 800 kByte Speicher für das Anwenderprogramm
- steckbare Klemmen
- Programmierung basierend auf Codesys V3.2











