Interview mit Martin Roschkowski
Revival der klassischen Messe
Welchen Stellenwert haben Messen in der Kommunikation? Warum sollten Unternehmen auf Messen gehen und was ist das Erfolgsgeheimnis einer guten Messe? Antworten liefert Martin Roschkowski von der Mesago Messe Frankfurt.
Martin Roschkowski, President der Mesago Messe Frankfurt
© Mesago Messe FrankfurtSind Messen typisch deutsch?
Martin Roschkowski: Typisch deutsch würde ich es nicht nennen. Messen und ähnliche Formate gibt es auf der ganzen Welt. Weil das Bedürfnis, sich intensiv persönlich zu einem Thema auszutauschen, tief im Menschen verankert ist. Tatsache ist allerdings, dass sich – historisch und geografisch bedingt, – Deutschland zu einem der wichtigsten Messestandorte der Welt entwickelt hat. Nicht umsonst finden rund zwei Drittel der Weltleitmessen in Deutschland statt. Ein Beispiel hierfür ist unsere Formnext in Frankfurt, der es innerhalb von wenigen Jahren gelungen ist, sich zur Top-Messe für Additive Fertigung zu entwickeln.
Wie unterscheiden sich Messen weltweit?
In ihrem Kern sind Messen überall gleich: Anbieter und Nachfrager tauschen sich zum Messethema aus, machen Geschäfte. In ihren Ausprägungen können Messen aber durchaus unterschiedlich sein, nationale und regionale Geschmäcker und Präferenzen spiegeln. In manchen Ländern werden Messen von feierlichen Ritualen begleitet und dadurch zu regelrechten gesellschaftlichen Events. Anderswo herrscht eine eher nüchterne, sachliche Atmosphäre. Gerade wir als Messeveranstalter, der über unsere Muttergesellschaft Messe Frankfurt in mehreren Ländern und Kontinenten aktiv ist, gestalten Messen in Kooperation mit unseren Schwestergesellschaften vor Ort entsprechend den jeweilgen Erwartungen. ‚Think global, act local‘ ist in unserem Geschäft sehr wichtig.
Wie haben digitale Plattformen die Messelandschaft verändert?
Aktuell erleben wir ein intensives und in seiner Geschwindigkeit fast schon überraschendes Revival der klassischen Messe. Den Menschen wurde während der Corona-Pandemie bewusst, wie wertvoll und wichtig die ‚Face to Face‘-Kommunikation auf Messen ist. Dennoch kann man auch in unserer Branche das Rad der Digitalisierung nicht zurückdrehen. Zusätzlich zu unseren Messen werden auch wir digitale Plattformen zur Kommunikation zwischen Anbietern und Anwendern der von uns vertretenen Technologien anbieten.
Wie wichtig ist ein passendes Rahmenprogramm, zum Beispiel Foren, Sonderflächen, et cetera, für Messen?
Unsere Befragungen legen nahe, dass die Rahmenprogramme nicht im Zentrum eines Messebesuches stehen. An erster Stelle steht der Austausch zwischen Besuchern und Ausstellern. Und trotzdem: Für uns gehören hochwertige Rahmenprogramme schlicht zu einer Messe. Wir wollen das vor allem unseren Besuchern als Bestandteil eines ganzheitlichen Messe-erlebnisses bieten.
»Das Bedürfnis, sich intensiv persönlich zu einem Thema auszutauschen, ist tief im Menschen verankert«
Warum raten Sie dazu auf Messen zu gehen – sowohl als Aussteller als auch als Besucher?
Weil nirgendwo sonst sich so viele Menschen in so kurzer Zeit an einem Ort zu einem Thema persönlich austauschen. Es ist und bleibt eine hocheffiziente, vielleicht die effizienteste Form der Kommunikation. Durch den Austausch von Anbietern und Anwendern wird insgesamt ein Thema in seiner Entwicklung massiv vorangetrieben – in allen seinen Aspekten, auch den wirtschaftlichen. Das gilt vor allem bei Technologien, auf die wir uns bei unseren Messen konzentrieren.
Was sollten Unternehmen in der Ansprache von Messebesuchern beachten?
Besucher kommen heute so gut vorbereitet wie noch nie auf eine Messe. Sie nehmen sich aber nicht mehr so viel Zeit wie früher. Deshalb ist schon im Vorfeld wichtig, zum richtigen Zeitpunkt und individuell zu kommunizieren, was der Besucher auf dem Stand eines Ausstellers erwarten kann. Generell ist wichtig, dass ein Aussteller seine bestehenden und potenziellen Kunden auch selbst einlädt. Erst in der Kombination mit unseren Marketingaktivitäten als Veranstalter erreichen wir gemeinsam die maximal möglichen Reichweiten und Awareness.
Und dann kommt natürlich das Erlebnis auf dem Stand selbst dazu. Bei aller Effizienzerwartung, die der Besucher auf die Messe mitbringt, sind Freundlichkeit und ein angebotener Kaffee noch immer Messeaccessoires, die einem Aussteller gut stehen.
Welche Trends und Herausforderungen sehen Sie im Messebereich auf sich zukommen und wie greifen Sie diese auf?
Als Messeveranstalter nur in drei, vier Tagen Messe zu denken, halten wir für überholt. Unser Ansatz ist es, Ausstellern und Besuchern, also Anbietern und Anwendern ganzjährig Plattformen zu bieten, auf denen sie sich gegenseitig austauschen, Geschäfte machen, in Kontakt bleiben können. Physisch und auch digital.
Was mögen Sie persönlich an Messen am meisten?
Auf guten Messen ‚brennt die Luft‘. Man spürt die Energie, die in den Hallen unterwegs ist. Es ist die Lautstärke, die ganze Atmosphäre, die einen spüren lässt, dass hier die Post abgeht. Ein einzigartiges Gefühl, das glaube ich jeder, ob Aussteller oder Besucher, auch spüren kann. Und ganz ehrlich: Nach Messeschluss auf ein Bierchen zu einer Messeparty ist auch nicht zu verachten.
Erfolgsgeschichte SPS – Smart Production Solutions
In diesem Jahr öffnet die SPS, eine Messe der Mesago Messe Frankfurt, bereits zum 32. Mal die Pforten. Gestartet als SPS IPC Drives in Sindelfingen entwickelte sich die Messe im Laufe der Jahre zum internationalen Branchentreff der Automatisierungstechnik. Zum Erfolg beigetragen hat auch, dass sich die Messe stetig an die Anforderungen des Marktes angepasst hat. Ein Beispiel hierfür ist auch der Name: 29 Ausgaben lang setzt sich der Name der Fachmesse, SPS IPC Drives, aus den drei Themenschwerpunkten SPS (Speicherprogrammierbare Steuerungen), IPC (Industrie-PC) und Drives (elektrische Antriebe) zusammen. Neben diesen drei ursprünglichen Komponenten bildet die Messe heute jedoch ein noch viel breiteres Spektrum an Lösungen für eine zukunftweisende Automation ab.
Auch der technische Fortschritt sowie die Digitale Transformation der Industrie spiegeln sich seit einiger Zeit auf der Messe wider. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, heißt der Branchentreff der Automatisierungstechnik seit 2019 „SPS – Smart Production Solutions“. Auch international hat sich der Branchentreff etabliert: Im Jahr 2010 gab die SPS Industrial Automation Fair Guangzhou, kurz SIAF Guangzhou, ihr Debüt. 2011 folgte die SPS/IPC/DRIVES Italia. Im Jahr 2015 fanden die SPS Automation India sowie die Smart Industry Solutions in Shanghai erstmalig statt. Ab 2024 wird es eine Schwesterveranstaltung in den Vereinigten Staaten von Amerika geben.
Am 14. November startet die diesjährige Ausgabe der Fachmesse in Nürnberg. Nachdem die Messe während Corona eine turbulente Zeit durchlaufen musste, knüpfen die Verantwortlichen mit der SPS 2023 wieder an alte Zeiten an: Mit den neu hinzukommenden Hallen 3C und 8 findet die Messe in insgesamt 16 Hallen statt, erwartet werden rund 1.300 Aussteller.
Als offizieller Medienpartner wird die Computer&Automation die SPS – Smart Production Solutions auch in diesem Jahr mit einer umfangreichen Berichterstattung begleiten – im Vorfeld in unseren Ausgaben 10 und 11, während der Messe mit der einzig offiziellen Messetageszeitung „THE OFFICIAL DAILY“ und natürlich auf computer-automation.de/sps.














