DLR
Projekt zum Einsatz unbemannter Luftfahrzeuge
Die Logistik zu Windkraftanlagen auf hoher See könnte mit dem Einsatz von Drohnen vereinfacht werden: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ermittelt gemeinsam mit dem Energieversorger EnBW Anforderungen und Möglichkeiten.
Der unbemannte DLR-Hubschrauber SuperArtis in der Nähe der Windenergieanlage
© DLRWartungsteams und Material müssen weite Wege zurücklegen, um Windkraftanlagen auf hoher See zu erreichen. Können Drohnen Transportaufgaben übernehmen und Wartungspersonal entlasten? Das DLR untersucht gemeinsam mit dem Energieversorger EnBW die Möglichkeiten und Anforderungen. In diesem Zusammenhang hat ein unbemannter DLR-Kleinhubschrauber jetzt eine Windenergieanlage angeflogen und dabei automatisch mit der Anlage kommuniziert. Sieben kommerzielle Drohnenhersteller werden an die Erkenntnisse anknüpfen, um die im DLR entwickelte Technologie weiter voranzubringen. Dazu veranstalten DLR und EnBW im Juni 2024 die ‚Offshore Drone Challenge‘ im Nationalen Erprobungszentrum für Unbemannte Luftfahrtsysteme in Cochstedt.
Die Nachlaufturbulenzen von Windturbinen können Drohnen stark beeinflussen. Die Drohne benötigt dann zum Beispiel sehr viel Energie, um die Luftverwirbelungen auszusteuern. »Für einen automatisierten Einsatz im Windpark muss die Drohne deswegen mit den Anlagen Informationen austauschen«, sagt Sebastian Cain vom im Projekt federführenden DLR-Institut für Flugsystemtechnik. Dabei ist es wichtig, dass sich die Drohne und die Windenergieanlage gut ‚verstehen‘. »Die Drohne soll selbst den besten Weg finden. Sie braucht dazu Daten von den Anlagen und eventuell müssen Windräder angehalten werden, damit die Drohne ihr Ziel sicher erreicht.« Der Eingriff in die Anlage – und damit in die Energiegewinnung – soll so gering wie möglich sein.
Kommunikation erfolgreich demonstriert
Anfang Oktober 2023 ist der unbemannte DLR-Kleinhubschrauber ‚SuperArtis‘ im EnBW-Windpark in Schwienau (Niedersachsen) aufgestiegen. Der Hubschrauber hat Informationen zum Betriebsstatus der einzelnen Windturbinen, Wetterinformationen und Nachlaufturbulenzen in die Berechnung seiner Flugroute einbezogen. Über Kommunikationsschnittstellen hat das Fluggerät seine Ankunft an einem Windrad angemeldet. Eine simulierte Leitwarte gab den Anflug frei und das angesteuerte Windrad stoppte. Das Fluggerät konnte sich gefahrlos nähern. Anschließend wurde die Anlage wieder aktiviert. Wenn die Drohne keine Freigabe erhalten hätte, wäre sie automatisch in eine Warteschleife eingeflogen. Für ein realistisches Szenario haben die Forschenden eine Traglast am Fluggerät befestigt. Der Versuch fand nicht auf hoher See, sondern an Land statt, um die Experimente sicher und leichter durchzuführen. »Die Ergebnisse lassen sich aber auf Offshore-Anlagen übertragen. Die Verständigung zwischen Fluggerät und Anlage wurde für den Offshore-Betrieb konzeptioniert und wird hierzu in Simulationen untersucht«, erklärt Sebastian Cain.
Das DLR untersucht gemeinsam mit dem Energieunternehmen EnBW, ob die Logistik zu Windkraftanlagen auf hoher See mit dem Einsatz von Drohnen vereinfacht werden kann. Für Flugversuche haben Forschende aus dem DLR-Institut für Flugsystemtechnik den unbemannten DLR-Hubschrauber SuperArtis eingesetzt.
© DLRDer Flugversuch war ein wichtiger Zwischenschritt im Projekt ‚Upcoming Drones Windfarm‘ (UDW) von DLR und EnBW. Ziel des Projektes ist es, die Bedingungen und erforderlichen Schritte für die Realisierung des Drohnenbetriebs vorerst für den Materialtransport, perspektivisch auch für den Personentransport, herauszufinden. Zum Projekt gehört auch die ‚Offshore Drone Challenge‘ (ODC), bei der Drohnen-Hersteller und -Dienstleister geeignete Lösungen präsentieren werden. Die Akteure können von den aktuellen Forschungsergebnissen profitieren. Die Unternehmen Anavia, Flowcopter, Flying Basket, Hyfly, Nexaero, Unmanned Helicopters und Volocopter wurden ausgewählt und stellen im Juni 2024 in Cochstedt ihre Technologien vor.
Die ‚Offshore Drone Challenge‘
Im Mittelpunkt der Challenge in Cochstedt steht die Erprobung von Flugmanövern, die in der Betriebs- und Wartungslogistik für Offshore-Windparks relevant sind. Dazu gehören sowohl Software-Themen als auch bauliche Modifikationen zur Verbindung der Systeme ‚Drohne‘ und ‚Windpark‘. Die Durchführung der Challenge erfolgt an Land, da dies deutlich sicherer, einfacher und kostengünstiger ist als der spätere Anwendungsfall mitten auf dem Meer. Die sieben Drohnen-Hersteller und -Dienstleister können ihre Technologien an zwei Tagen in einem Parcours unter Beweis stellen. Zu den verschiedenen Etappen gehören Aufgaben wie etwa möglichst automatisches Aufnehmen und Absetzen der Last oder ein Flug außerhalb der Sichtweite.














