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Artikel und Hintergründe zum Thema

IfW, DIW, IWH, RWI und Ifo-Institut

Annina Schopen/dpa/Inka Krischke,

Wirtschaftsforscher senken ihre Wachstumsprognosen weiter

Die führenden deutschen Wirtschaftsinstitute sehen für 2025 kaum Wachstumsimpulse, dafür aber steigende Arbeitslosenzahlen und anhaltende Standortschwächen. Nur eine stabile Regierung mit klarer wirtschaftspolitischer Strategie könnte laut Experten einen Rückgang der Investitionen und eine schleichende Deindustrialisierung stoppen.

© studio v-zwoelf/stock.adobe.com

Die führenden deutschen Institute für Wirtschaftsforschung erwarten nach dem erneuten Rückgang der Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr auch 2025 keinen Aufschwung, aber steigende Arbeitslosenzahlen. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) rechnet nächstes Jahr mit einer Stagnation; DIW, IWH, RWI und Ifo-Institut erwarten 0,2 bis 0,6 Prozent Wachstum.

Sollte die nächste Bundesregierung aber die richtigen wirtschaftspolitischen Weichen stellen, könnte nach Einschätzung von Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser sogar ein Wachstum von 1,1 Prozent erreicht werden. „Die Rezession hat mittlerweile auch den Arbeitsmarkt erreicht“, teilte das IfW mit. Die Institute erwarten einen Anstieg der Arbeitslosenquote von 6,0 Prozent im laufenden Jahr auf 6,1 bis 6,3 Prozent. „Im Moment ist noch nicht klar, ob es sich bei der derzeitigen Stagnationsphase um eine vorübergehende Schwäche oder um eine dauerhafte und damit schmerzhafte Veränderung der Wirtschaft handelt“, sagt Wollmershäuser.

Im optimistischen Szenario trägt „eine verlässlichere Wirtschaftspolitik“ dazu bei, dass die Industrie wieder mehr investiert und weniger Arbeitsplätze abbaut. Zudem müssten die Arbeitsanreize gestärkt werden, mehr Menschen arbeiten und auch mehr Vollzeit arbeiten. Das würde dann auch den privaten Konsum ankurbeln. Andernfalls erwarten die Münchner Wirtschaftsforscher eine schleichende Deindustrialisierung. Die Kapazitätsauslastung liege mittlerweile 5 Prozentpunkte unter den Tiefpunkten in gewöhnlichen Rezessionsphasen, schreibt das IfW. Die Chemieindustrie habe schon Produktion ins Ausland verlagert und Stellen abgebaut, sagt Wollmershäuser.

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Industrie verliert an Wettbewerbsfähigkeit

Die Forschungsinstitute sind sich einig, dass sich der deutsche Export immer mehr vom Wachstum der Weltwirtschaft entkoppelt hat. Die Industrie habe spürbar an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Der Mix aus Konjunkturflaute und strukturellen Problemen mache ihr zu schaffen, sagt DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik. Der Export dürfte 2025 auch weiter sinken. Neben hohen Energie- und Materialkosten und wachsender Konkurrenz aus China drohten jetzt noch höhere US-Zölle.

Export und gesamtwirtschaftliche Produktion seien auf dem Niveau von 2019, die Ausrüstungsinvestitionen sogar deutlich darunter, betont das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Die deutsche Wirtschaft kämpfe „mit massiven Standortschwächen, die kaum noch Auftriebskräfte zulassen“, sagt Stefan Kooths, Konjunkturchef des IfW Kiel. Wegen der unklaren wirtschaftspolitischen Aussichten hielten sich Unternehmen und Verbraucher mit Ausgaben und Investitionen zurück.

Wirtschafts- und gesamtpolitische Sicherheit vonnöten

„Soll die wirtschaftliche Zuversicht wieder zunehmen, müsste es im kommenden Frühjahr zur Bildung einer stabilen Regierung mit erkennbarem wirtschaftspolitischem Konzept kommen“, sagt IWH-Vizepräsident Oliver Holtemöller. Ifo-Präsident Clemens Fuest sagt: „Wir brauchen Veränderungen in der Energiepolitik, wir brauchen einen Abbau von Bürokratie.“ RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt sagt: „Damit die deutsche Wirtschaft im nächsten Jahr wieder wachsen kann, braucht sie vor allem mehr wirtschafts- und gesamtpolitische Sicherheit. Davon würden die Unternehmen ebenso profitieren wie der private Konsum.“

Inflation zwischen 2,0 und 2,3 Prozent erwartet

Die Institute rechnen mit einer Inflationsrate zwischen 2,0 und 2,3 Prozent. Wegen der Verunsicherung und der wachsenden Sorge um die Arbeitsplätze wird aber mehr gespart und weniger ausgegeben. Fuest warnt vor vielen im Wahlkampf vorgebrachten Vorschlägen. Die Mehrwertsteuersenkungen wären teuer und wenig zielgenaue Umverteilung, ein Mietendeckel würde die Probleme am Wohnungsmarkt noch verschärfen, und eine Abwrackprämie wäre ein Wohlstandsvernichtungsprogramm.

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